Motorsport: Elfter: Bergmeisters Laune war echt im Keller

Motorsport : Elfter: Bergmeisters Laune war echt im Keller

Langenfelder Motorsportler erlebte beim turbulenten 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring eine herbe Enttäuschung.

Eine Stunde vor dem Start war die Welt noch irgendwie in Ordnung. Da stand Jörg Bergmeister in der langen Reihe schneller Dienstautos ziemlich weit vorne neben "seinem" Porsche 911 GT 3 R und nutzte die Gelegenheit, locker noch das eine oder andere Wort zu wechseln. Der Motorsportler konnte zu diesem Zeitpunkt aber nicht ahnen, wie es einen Tag später nach den 24 Stunden auf dem Nürburgring in ihm aussehen würde. Hier stand die Antwort auf die allgemeine Gemütslage allerdings relativ deutlich fest: "Bescheiden." Von richtig guter Laune war nichts mehr zu erkennen – und auch nicht vom Ankommen im Zielkorridor. Der elfte Platz in der Gesamtwertung war vielmehr eine weitere Überweisung aufs Frustkonto, das derzeit gerade viel aushalten muss. Die Saison 2013 passt mit bislang bescheidenen Ergebnissen kaum zu den hohen Ansprüchen des Langenfelders.

Der fünfmalige Meister der American Le Mans Series ist in diesem Jahr in der World Endurance Championship unterwegs (WEC/Langstrecken-Weltmeisterschaft). Dort sollte der völlig neue Porsche 911 GT 3 RSR um die Meisterschaft mitfahren, doch nach den beiden ersten Rennen ist viel Ernüchterung eingekehrt. Der WEC-Auftakt in Silverstone (England) brachte den schon bescheidenen sechsten Rang. In Spa-Francorchamps (Belgien) sahen Bergmeister und seine Werksfahrer-Kollegen aus dem Porsche AG Team Manthey aufgrund eines unverschuldeten Unfalls nicht mal die Zielflagge.

Für die Hetzjagd über den Nürburgring standen auf der Sportler-Seite vier Top-Profis zur Verfügung. Im Auto mit der Startnummer 50 teilte sich Bergmeister die Arbeit am Lenkrad mit Marco Holzer (Lochau), Nick Tandy (Großbritannien) und Richard Lietz (Österreich). Als Chef des Ganzen war Olaf Manthey dabei – ein ausgewiesener Porsche-Fachmann und Intimkenner des Nürburgrings. Kein Wunder: Man-they ist in Meuspath zu Hause und damit bloß einen Steinwurf von der legendären Rennstrecke entfernt. Trotzdem führte am Ende selbst die geballte Kompetenz nicht zum erhofften Erfolg.

Nachdem Richard Lietz den Porsche im Qualifying auf Startplatz vier gebracht hatte, lag ein ordentliches Ergebnis im Bereich des Möglichen. Die ersten drei Rennstunden vor rund 200 000 Motorsport-Verrückten rund um die Nordschleife boten direkt zahlreiche spektakuläre Szenen. Als dann tatsächlich der vorher angekündigte Niederschlag einsetzte, wurde plötzlich alles gefährlicher. Das Manthey-Team konnte sich als eine der letzten Mannschaften aus der Spitzengruppe auf Regenreifen retten – und hatte nicht richtig viel davon.

Rund eineinhalb Stunden später waren die Bedingungen bei Starkregen und Nebel so schlecht, dass die Rennleitung um 22.44 Uhr eine Unterbrechung anordnete – was Jörg Bergmeister zusätzlich zurückwarf, weil der Porsche eine Runde vorher einen Boxenstopp absolviert hatte und dadurch auf Rang sechs abgerutscht war. Kleiner Trost: Da die Unterbrechung lange dauern sollte, durften die Fahrer dem miesen Wetter entfliehen und ihr Zimmer im Streckenhotel aufsuchen. "Richtig schlafen konnte ich natürlich nicht, aber ein bisschen wegnicken war drin", berichtete Bergmeister, der auch bei der Wieder-Aufnahme ins Auto klettern sollte.

Als es um kurz nach acht Uhr am anderen Morgen weiterging, waren die Bedingungen besser – aber nicht optimal. "Wir waren auf der nassen Strecke zu langsam. Das ist erstaunlich, weil diese Verhältnisse sonst eine Stärke von Porsche sind", meinte der 37-Jährige, der trotz hohen Einsatzes keine Chance gegen den einen oder anderen Konkurrenten hatte. Drei Stunden nach dem Neu-Start musste dann Nick Tandy wegen eines kleineren Getriebe-Problems erneut an die Box kommen. Obwohl die Mechaniker den Schaden beheben konnten, gingen drei wertvolle Runden verloren.

"Bis auf diesen Zwischenfall hatten wir keine technischen Probleme", erklärte Bergmeister, der sich wenig später zügig vom Ort des Geschehens absetzte und den Heimweg antrat. Weil die Entfernung nur knapp 130 Kilometer betrug, kam er immerhin schnell zu Hause an – um dort Strapazen und Enttäuschung in Ruhe zu bewältigen. Die Stunde vor dem Start schien da Lichtjahre in der Vergangenheit zu liegen.

(RP/rl)
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