Motorsport : Eiskalt erwischt

Für Jörg Bergmeister war das Zwölf-Stunden-Rennen in Sebring zum Auftakt der American Le Mans Series schon kurz vor dem Start gelaufen, als ein Ferrari ins Heck des Porsche 911 krachte. Danach ging es nur noch ums Ankommen.

Florida geht gern auch als "Sunshine State" durch. Dass dort häufiger als anderswo die Sonne scheint, trifft auch zu. Der Langenfelder Motorsportler Jörg Bergmeister hat aber mittlerweile arge Schwierigkeiten, sich für die Reize des US-Bundestaats zu erwärmen – der ihm sportlich immer mehr die kalte Schulter zeigt. Beim Zwölf-Stunden-Rennen von Sebring belegte Bergmeister zum Beispiel 2007 den zweiten Platz und gewann 2008. Dann ging es bergab – über die Plätze vier 2009 und 2010 zu Rang sechs vor zwölf Monaten. Jetzt folgte zum Auftakt der American Le Mans Series (ALMS) 2012 erst die ganz große Krönung. Der fünfmalige ALMS-Meister in der GT-Klasse konnte am Anfang nicht mal die Ziellinie überqueren. Ein Ferrari-Pilot fuhr ungebremst ins Heck des Porsche 911 GT 3 RSR, der abgeschleppt und draußen aufwändig repariert werden musste.

Nachdenklich: Jörg Bergmeister ist völlig klar, dass für den Kampf um die Meisterschaft immer viele Dinge passen müssen. Foto: Porsche AG

"Das ist natürlich eine große Enttäuschung", bestätigte Bergmeister, der den Porsche seines Teams Flying Lizard Motorsports (Sonomoa/Kalifornien) im Qualifying (Zeittraining) auf den achten Startplatz gestellt hatte – und von dort aus den Angriff nach vorne probieren wollte. Das Rennen war am Ende der Einführungsrunde gerade freigegeben, als vorne im Feld der über 60 Autos ein normales Bremsmanöver stattfand – was grundsätzlich alle berücksichtigten.

"Richtig gepennt"

Der hinter dem Langenfelder aufgereihte Dominik Farnbacher (Ansbach) im Ferrari des Teams Luxury Racing erkannte die drohende Gefahr jedoch nicht, sodass Bergmeister plötzlich einen heftigen Schlag verspürte – und kurz darauf aus seinem Dienstwagen klettern musste. Für Bergmeister gabs keine Zweifel: "Da hat Dominik richtig gepennt." Farnbacher war später selbst untröstlich und bat die Lizards sowie Jörg Bergmeister um Entschuldigung, die der Langenfelder auch akzeptierte.

Für die Reparaturen (unter anderem Radaufhängung defekt) benötigten die als schnell bekannten Lizards-Mechaniker etwa eine Stunde. Dass die 26 Stunden Rückstand sowieso keinen Spitzenplatz mehr erlauben würden, war klar – und viel wichtiger der Versuch, die zwölf Stunden überhaupt zu beenden. Teamkollege Marco Holzer (Bobingen) brachte es auf den Punkt: "Von da an war es unser Ziel, die 70-Prozent-Distanz zu schaffen und Meisterschaftspunkte zu retten."

Wenigstens diesen Plan konnten Jörg Bergmeister, sein US-Stammpartner Patrick Long und Holzer (für Sebring zusätzlich dabei) trotz weiterer Reparatur-Aufenthalte in die Tat umsetzen. Das Ergebnis las sich zunächst jedoch gruselig, denn auf Rang 13 in der GT-Klasse lag das Trio letztlich 56 Runden hinter dem Sieger. Weil nicht alle weiter vorn liegenden Konkurrenten für die ALMS gewertet wurden, sprangen allerdings tatsächlich fünf Punkte für Platz zehn heraus.

Viel zu erledigen

In den Blick nach vorne verpackte Jörg Bergmeister auch eine Kampfansage, weil er vom Saisonziel Meisterschaft keinen Millimeter abrücken will. Gleichzeitig weiß er genau, dass nicht nur wegen des Sebrings-Pechs ein Fortschritt notwendig ist: "Wir waren im Grunde auch nicht schnell genug. Wir haben viel zu tun." Deshalb hofft er sehr, dass ihm am 15. April ein goldener Wurf gelingt. Dann gehts auf dem Stadtkurs von Long Beach im "Golden State" Kalifornien weiter.

(RP)