American football: Eine zerrüttete Ehe

American football : Eine zerrüttete Ehe

Football-Zweitligist Langenfeld Longhorns hat sich von seinem Headcoach Sherman DJ Anderson getrennt.Der Verein führt "nicht umgesetzte Leistungen" und fehlende Lizenz an. Der Ex-Trainer ist vor allem fassungslos.

Die Nachricht kam für viele Spieler aus dem Team des Football-Zweitligisten Langenfeld Longhorns überraschend bis unverständlich. Tatsache: Sherman DJ Anderson ist nicht mehr Headcoach (wir berichteten). Dabei hatte der Vorstand um den Vorsitzenden Heiko Rudolph erst Ende November 2009 die Fortsetzung der Zusammenarbeit für 2010 verkündet. "Wir sind nach langen Überlegungen zum Schluss gekommen, dass das Paket, was wir haben wollen, nicht mehr von DJ geleistet werden kann", sagt Rudolph.

Das Gesamtpaket, das mit Anderson geschnürt worden war, hatte nun nach internen Überprüfungen auf einmal keine Basis mehr. Offense Coordinator Michael Hap, von 2001 bis 2007 als Headcoach an der Jahnstraße tätig, gab die neue Auswertung ab – als Sportdirektor der Longhorns. Irritierend wirkt aber, dass zuerst alles zu passen schien. Rudolph: "Wir haben unsere Leistungen, die wir vor der Saison verhandelt hatten, nicht umgesetzt gesehen. Wir sehen viele kleine Punkte, die wir so nicht durchgehen lassen wollen und können. Deshalb haben wir die Reißleine gezogen."

Irritierende Fragen

Auch das Fehlen eines Trainerscheins bei Anderson sei ein Problem. Detlef Zorn (Defense Coordinator) verfüge dagegen über die B-Lizenz und Hap arbeite gerade an der A-Lizenz. Wieder irritierend: Das Fehlen einer Lizenz war bislang kein Thema – auch nicht bei der Verlängerung vor drei Monaten. Anderson findet den Punkt deshalb daneben: "Lizenzen haben hier in den zwölf Jahren niemanden interessiert, erst seit Januar. Da kam man mit einem unsichtbaren Bewertungssystem. Ich habe weit mehr als die Aufgaben eines Headcoaches übernommen."

Die Hauptverantwortung liegt nun bei Sportdirektor Michael Hap (Offense Coordinator) und Zorn. "Die beiden arbeiten sehr qualifiziert. Wir sind gut aufgestellt", glaubt Rudolph. Dass DJ Anderson das anders sieht, kann kaum verwundern. "Wir haben unser Leistungen von Jahr zu Jahr verbessert und so etwas wie Familie ins Team gebracht", sagt der Ex-Cheftrainer, "wir mussten einen noch größeren Fokus aufs Recruiting legen. Das war sehr zeitintensiv. Dazu wollte man mir 30 Prozent weniger Gehalt geben. Da hätte ich weniger als meine Koordinatoren gehabt."

Scheurich zurückgetreten

Somit steht fest, dass die Scheidung weder im gegenseitigen Einvernehmen noch friedlich war. Timothy Scheurich, zuletzt als Offense Coordinator tätig, zog zudem aus den Wirren eigene Konsequenzen – und trat vom Amt als Hap-Assistent zurück. Wie das alles zu den Plänen der Longhorns passt, die doch den Aufstieg anpeilen wollten, wird sich erst zeigen müssen.

(RP)