Fußball: Eine Rolle rückwärts und ganz viele Fragen

Fußball : Eine Rolle rückwärts und ganz viele Fragen

Fußball-Landesligist TuSpo Richrath hat einen neuen Vorstand – an dessen Spitze weiter Peter Kierdorf steht. Ansonsten ist wenig klar.

Die außerordentliche Mitglieder-Versammlung des Fußball-Landesligisten TuSpo Richrath hatte ihren Namen verdient, denn sie war außergewöhnlich und produzierte noch dazu ein höchst überraschendes Ergebnis – jedenfalls bei der Besetzung des zumindest in der Theorie obersten Chefpostens. Der bisherige 1. Vorsitzende Peter Kierdorf hatte in der ordentlichen Hauptversammlung im Januar erklärt, aus zeitlichen und beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Noch rund ums 5:3 am Sonntag gegen den SuS Haarzopf hatte er seinen Entschluss bekräftigt: "Ich weiß nicht, was da passieren wird. Aber ich bin draußen." Gut 24 Stunden später war alles wieder anders und Kierdorf nach einer verblüffenden Rolle rückwärts plötzlich wieder im Amt.

Der alte und neue TuSpo-Vorsitzende unternahm einen Erklärungs-Versuch: "Es hätte ja sonst keiner gemacht. Und ich wollte dem Verein helfen." So sei über den Abend und die Nacht sowie im Laufe des folgenden Tages der Entschluss gereift, doch erneut an Bord zu klettern – um den größten anzunehmenden Unfall zu verhindern. Ohne ein den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) entsprechendes Gremium (§ 26: "Der Verein muss einen Vorstand haben") hätte den Richrathern die Auflösung gedroht.

Peter Kierdorf blieb nicht allein als Vertreter der Führungsetage. Zum neuen 2. Vorsitzenden und Nachfolger von Rolf Lindemann bestimmten die Mitglieder den bisher in der Jugend als Trainer aktiven Jörg Beilmann und Markus Lindemann folgt als Kassierer/Schatzmeister auf Uwe Lindemann. Der Neue ist trotz der Namensgleichheit nicht verwandt mit Rolf Lindemann und dessen Sohn Uwe.

Während Jugendleiterin Corinna Beilmann durch ihr Amt automatisch zum Gesamt-Vorstand der TuSpo-Fußballer gehört, ging es bei der Wahl eines Geschäftsführers erneut kurios zu. Die Wahlen waren grundsätzlich längst beendet und die Versammlung beschäftigte sich in einer sehr lebhaften Atmosphäre, in der bisweilen keiner irgendjemandem zuzuhören schien, mit dem Punkt Verschiedenes – als jemand auf die Satzung des Vereins aufmerksam machte, in der ein Geschäftsführer zwingend zum Vorstand gehöre und demnach beim Verzicht darauf ein Formfehler vorliege, wenn auch nicht direkt in Verbindung mit den BGB-Aussagen. Tatsache: Es folgte eine (Nach-) Wahl, die aus Rolf Fahrmeier – bisher ohnehin in diesem Bereich tätig – den offiziell gewählten Geschäftsführer machte.

Welche Folgen das Versammlungs-Ergebnis auf die Entwicklung der Landesliga-Elf haben könnte, lässt sich derzeit höchstens schemenhaft erkennen. "Wir befinden uns irgendwie in einem luftleeren Raum", sagt Jörg Broch, der (bisherige) Sportliche Leiter, "wir haben keinerlei Infos darüber, ob und wie es weitergeht. Bis jetzt hat noch nicht mal einer gesagt, dass sich nichts verändert." Klar ist für Broch jedoch, dass er an der Mannschaft hängt: "Sie ist ja zu einem Stück weit auf meinem Mist gewachsen."

Klar ist zudem, dass sich der nun ehemalige Schatzmeister Uwe Lindemann dafür verbürgt, dass die bis mit Spielern und Trainer getroffenen Vereinbarungen bis zum Saisonende umgesetzt werden. "Was wir zugesagt haben, halten wir ein", betont Lindemann, unter dessen Regie der einst am Rande des finanziellen Abgrunds taumelnde Klub inzwischen in ein sicheres Fahrwasser gelangte. Als Beleg dafür dient unter anderem eine Mitteilung des Finanzamtes, das bis einschließlich 2011 auf den Vorbehalt der Nachprüfung verzichtet.

Zumindest die Zukunft der aktuellen ersten Mannschaft steht trotzdem in den Sternen – zumal es bisher weder mit Trainer Marek Lesniak noch mit der Mannschaft ein Gespräch gab. "Wir blicken nicht durch", sagt der Coach, "aber wir haben eine Mannschaft mit Charakter. Wir wollen alles gewinnen, was wir noch gewinnen können. Und sonst müssen wir abwarten, was passiert." Wenigstens manches spricht dafür, dass die Landesliga-Elf in ihrer bisherigen Form nach dieser Saison auseinanderfällt.

Das hat erstens mit einem angesichts vermutlich sinkender Einnahmen schrumpfenden Budget für 2013/2014 zu tun. Außerdem soll bereits ein Trainer in den Startlöchern stehen, um Marek Lesniak am Ende der laufenden Saison abzulösen und gleichzeitig zahlreiche neue Spieler an den Schlangenberg zu holen. TuSpo Richrath könnte vor außergewöhnlichen Wochen und Monaten stehen. Mal wieder.

(RP)
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