Eine Frust-Fahrt

Motorsportler Jörg Bergmeister steuerte beim Rennen in St. Petersburg dem zweiten Top-Resultat in der AmericanLe Mans Series 2008 entgegen. Eine Kollision und ein Kühlerschaden waren das Aus – fünf Minuten vor dem Ende.

Die Gefühlswelt von Jörg Bergmeister war einfach zu erraten. Denn außer einer gewaltigen Portion Frust hatte der zweite Lauf der American Le Mans Series in St. Petersburg (Florida) wenig zu bieten. Der Langenfelder, der kürzlich in Sebring mit einem Sieg perfekt ins neue Motorsport-Jahr gestartet war, sah am Ende nicht mal die Zielflagge – obwohl zumindest ein Platz auf dem Podium zum Greifen nah war. Eine Viertelstunde vor dem Ende platzten alle Hoffnungen auf ein Top-Resultat, weil ein Konkurrent aus der Prototypen-Klasse plötzlich mitten im Weg stand.

Butch Leizinger hatte im Dyson einen Dreher und krachte in einen Reifenstapel. Sekunden später kam Bergmeister mit seinem Porsche 911 GT 3 RSR in die Kurve mit der Unfallstelle – ohne durch eine gelbe Flagge gewarnt zu werden. „Da war nichts mehr, was ich tun konnte“, berichtete der 32-Jährige, dessen Ausweichversuch erfolglos war. Bei der Kollision erlitt der Frontkühler einen Schaden. Bergmeister beschloss in Absprache mit dem Team (Flying Lizard Motorsports aus Sonoma/Kalifornien), das Unmögliche zu probieren – und blieb auf der Strecke, um Platz zwei vielleicht irgendwie zu retten.

Wenig Wasser, viel Rauch

Rund zehn Minuten hielt der Motor, ehe die Temperatur-Anzeige immer weiter in die Höhe kletterte. Sogar Rauchwolken waren jetzt zu erkennen. Bergmeister musste in die Box und seinen Dienstwagen abstellen. Rang neun und zwei Pünktchen blieben ein schwacher Trost – wo viel mehr drin gewesen wäre. Über Rang drei im ersten Training arbeiteten sich Bergmeister und Teamkollege Wolf Henzler Stück für Stück nach vorne. Im zweiten Training gabs bereits die Bestzeit und im Qualifying (entscheidet über die Start-Aufstellung) gelang Henzler mit einer makellosen Runde das Top-Resultat.

„Wir haben insgesamt eindeutig einen Schritt in die richtige Richtung gemacht“, fand Jörg Bergmeister, der mit der Entwicklung des Autos sehr zufrieden ist. Die Spitze in der Gesamtwertung ist er allerdings los. Erster Trost: Der Rückstand auf die Spitze beträgt nur zwei Zähler. Dominik Farnbacher/Dirk Müller (Ferrari 430 GT/Tafel Racing) liegen mit 34 Punkten nur wenig vor Bergmeister/Henzler.

Team auf Platz eins

Außerdem gingen die Titelverteidiger und vermeintlich härtesten Konkurrenten Mika Salo/Jaime Melo (Ferrari 430 GT/Risi Competizione) erneut fast leer aus (ein Punkt). Darüber hinaus folgen auf Rang drei Darren Law/Seth Neiman – in einem Porsche 911 GT 3 RSR der Lizards – die damit in der Teamwertung weiter führen. Und für den weiteren Frustabbau will Jörg Bergmeister bald sorgen.

(RP)