Ein Selbstversuch im Fitness-Studio

RP-Serie Ein Selbstversuch im Fitness-Studio (Teil fünf und Ende): Die Freiheit an der Nordsee: Ich nehm’ sie mir

Nach der einmonatigen Testphase ist unser Redakteur angefixt: Er wird das Training fortsetzen.

Es ist vorbei. Einerseits. Doch es geht weiter. Andererseits. Für die, die nicht von Anfang an dabei sind/waren: Inzwischen habe ich die vierte komplette Woche hinter mir, in der mein kleiner Computer bestimmt, was ich im Training zu tun und (vor allem) zu lassen habe. Unser gemeinsamer Plan war es, dass ich bis zum Ende dieses Jahres wieder zehn Kilometer vernünftig am Stück laufen kann. Ich war am Anfang nicht wirklich davon überzeugt und habe mich deshalb auch geweigert, das Geld für die Ausrüstung zu investieren. Damit hatte ich die Rechnung aber ohne Kim Steinigans gemacht, meinen Trainer im Sportpark Landwehr/Hilden: Ich habe es mit einem Leihgerät probiert. Die vereinbarte Frist für den Test von einem Monat ist jetzt abgelaufen. Mein Fazit: Es war spannend, es war aufschluss- und hilfreich, es hat Spaß gemacht. Daraus folgt: Ich kann jetzt unmöglich aufhören.

Der Anfang war schwierig. Bis ich die Technik richtig handhaben konnte, zog sich zunächst alles wie ein Kaugummi. Doch die Zeiten ändern sich. Inzwischen beherrsche ich meinen Freund am Handgelenk nebst passender Software und der dazugehörigen App auf dem Smartphone immerhin so „gut“, dass ich jederzeit den neusten Stand der Dinge abfragen kann. Der Höhepunkt passierte vor ein paar Tagen, als ich das Programm überlisten wollte – weil der lange Lauf am Sonntag mit meinem Zeitbudget überhaupt nicht zu vereinbaren war. „Du kannst dir eine Einheit selber bauen“, sagt Kim. Wenn es denn sonst nichts ist, dachte ich mir. Also habe ich die Einheit vom Sonntag einfach um 24 Stunden vorgezogen. Hinzufügen geht immer, auslassen ebenfalls – nur einmal streichen oder klassisch verschieben nicht. Kaputt war ich hinterher übrigens trotzdem, allerdings durchaus auf die angenehme Art.

Zu den Fakten. Der zum Computer gehörende Brustgurt stört kein bisschen. Dafür messen beide sehr genau die Herzfrequenz – und die ist ja die Basis für mein Training. Dass ich zwischendurch keine Energie mehr hatte, lag nicht an mir. Die Batterie für die Bluetooth-Übertragung vom Gurt zum Computer war defekt. Geschenkt.

Wir machen vorläufig immer noch in Grundlagen-Ausdauer. Das sind vier Einheiten pro Woche, zwei kurz, eine mittelange als Intervalltraining und jeweils ein lange von einer Stunde (wird übrigens Stück für Stück länger). Ich muss mich immer noch bremsen (lassen), weil ich sonst in der falschen Zone trainiere. Mittlerweile habe ich damit allerdings kein Problem mehr. Ob ich inzwischen einen Trainingseffekt spüren kann? Sicher. Ich werde vermutlich nie ein Rennen gewinnen können – außer gegen mich selbst. Und genau darum geht es hier schließlich. Was ganz bestimmt ein Verdienst meiner technischen Polar-Helfer ist: Ich erhole mich schneller. Hat die Herzfrequenz den erlaubten Wert überschritten, reduziere ich die Geschwindigkeit (für manche kaum vorstellbar, dass es langsamer gehen soll) und bin dann erstaunlich bald wieder im optimalen Bereich. Das wäre ohne die gezielte Kontrolle nicht passiert. Insofern ist es für jeden zur Nachahmung empfohlen. Und wer sich seiner Sache nicht sicher ist: Im Moment gibt es im Sportpark „Leihgeräte“ für zehn Tage, die zehn Euro kosten.

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In dieser Woche habe ich mit meinem Trainer Kim zur Abschluss-Besprechung zusammengesessen. Logisch: Er hat Zugriff auf meine Daten und weiß über alles Bescheid. Sein Lob klingt ehrlich: „Es ist großartig, wie genau du dein Ziel verfolgst und mittlerweile wirklich jeden Tag darauf achtest, einen Schritt weiterzukommen.“ Ob er von seinem eigenen Coach in der Vorbereitung des Fußball-Bezirksligisten TSV Aufderhöhe vielleicht Ähnliches hört? Und ehrlicherweise trifft es ja „nur“ auf den laufenden Ausdauerteil zu und das regelmäßige Krafttraining. Ein wenig anders sieht es bei den drei anderen begleitenden Maßnahmen aus. Mobilität statisch (für mich weiter ein Widerspruch), Mobilität dynamisch (für mich gar nichts) und Core-Training zur gezielten Verbesserung der Koordination und Körperstabilität (ebenfalls na ja) wirken fremd. Ich erledige natürlich, was mir aufgetragen wird – aber nur im heimischen Keller, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dass ich bei diesen Übungen bisweilen ziemlich albern aussehe, will sich einfach nicht ändern. Doch ich kann damit gut leben. Ich habe nicht vor, mich irgendwann als Olympiateilnehmer in der Rhythmischen Sportgymnastik zu bewerben.

Das Fazit: Das Training mit der Messung der Herzfrequenz scheint nicht nur zu wirken, es spornt auch an. Mittlerweile kommt es mir überhaupt nicht mehr in den Sinn, eine Einheit komplett ausfallen zu lassen. Kim staunt: „Das macht mich stolz und meine Arbeit umso schöner. Es macht Spaß, mit dir zu arbeiten. Und ich freue mich auf die nächsten spannenden Aufgaben, denen wir uns widmen.“ Kann er Gedanken lesen? Ich wollte doch gerade erst bestätigen, dass es mit uns nicht vorbei ist. Das gilt nur für die Testphase, denn ich bin auf den Geschmack gekommen. Ich bin mehr denn je fest entschlossen, am Ende des Jahres wieder zehn Kilometer in einem anständigen Tempo am Stück laufen zu können. Und kein Witz: Mein Computer, der den finalen Test meinen persönlichen Wettkampf nennt, hat dafür tatsächlich den 31. Dezember eingeplant. Gut: Das machen wir so. Trotzdem werde ich nicht an einem der zahlreichen Silvesterläufe teilnehmen. Und ich werde meinen Computer, der heutzutage gerne als Smart-Watch daherkommt, nicht damit beauftragen, meinen Kalorienverbrauch oder mein „individuelles Bewegungs- oder Zeitbudget“ zu erfassen.

Kim und ich haben vereinbart, dass ich in meinem jetzt beginnenden Urlaub außer der Reihe versuchen darf/soll/kann, dass ich die zehn Kilometer an einem Stück schaffe. Mein Begleiter wird dann wieder der Computer am Handgelenk sein, den ich zu diesem Zweck mitnehmen darf. Trainer und Technik müssen dennoch am Ende einmal ganz stark sein. An einem bisher nicht festgelegten Tag werde ich ungefähr eine Stunde laufen. Links geht der Blick auf das kleine Dorf, in dem ich Urlaub mache, rechts auf das blaue Meer. Das wird ganz, ganz sicher ziemlich großartig. Die Freiheit an der Nordsee – ich nehm‘ sie mir.