Handball : Ein Krimi vom Feinsten

Die Handball-Oberligisten SG Langenfeld und TV Aldekerk lieferten sich über 60 Minuten einen begeisternden Schlagabtausch. Auch die Gastgeber durften sich dabei als Gewinner fühlen – trotz der knappen 26:28-Niederlage.

Wer nicht dabei war, hat was verpasst. Und wer dabei war, konnte sich auf jeden Fall als Gewinner fühlen. Nicht mal der Verlierer hatte einen Grund, lange mit dem Schicksal zu hadern. Deshalb durfte die 26:28 (12:15)-Niederlage des Handball-Oberligisten SG Langenfeld (SGL) gegen den TV Aldekerk als Erfolg für alle gelten. Weil sich beide einen mitreißenden Schlagabtausch lieferten, verkauften sie das Produkt Handball perfekt. "Ein irres Spiel", fand der seit Monaten zum Zuschauen verurteilte Keeper Tobias Kottwitz (nach Kreuzband-Riss). Treffender hätte er die aufregenden 60 Minuten kaum zusammenfassen können.

Langenfeld setzte den Start in den Sand. Während die Aktionen der Hausherren gegen die offensive Abwehr der Gäste hilflos aussahen, gabs hinten oft Lücken und den 2:6-Rückstand (10.). Weil Andreas Nelte bald die zweite Zeitstrafe kassierte (15.) und ihm das vorzeitige Aus drohte, hatten die Hausherren jetzt neben der langen Verletztenliste ein weiteres Handicap zu verkraften. Trotzdem gab der Aufsteiger nicht auf – weder nach dem 7:10 (20.) noch nach dem 10:15 (27.).

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Vinzenz Preissegger (27./11:15, 29./12:15) sowie Tobias Justen (31./13:15) und Fabian Düllberg (32./14:15) stellten den direkten Kontakt wieder her. Ab dem 21:21 (44.) fiel für fast neun packende Minuten kein einziges Tor mehr. Trotzdem reihten sich gerade jetzt die Aufreger in einer atemberaubenden Folge aneinander. Höhepunkt war die umstrittene Rote Karte gegen Tobias Justen (46.), dessen Aktion gegen Aldekerks Stefan Pietrella die Unparteiischen mit der Hinausstellung ahndeten. "Die Entscheidung war ein Witz", urteilte SGL-Trainer Heino Kirchhoff, der die Leistung der Spielleiter für mangelhaft hielt und in manchen Situationen sogar Absicht sah: "Ich habe mich noch nie so verschaukelt gefühlt."

Überzahl ungenutzt

Tatsächlich hatte Langenfeld allerdings genügend Möglichkeiten, den Sack zuzumachen. Vorübergehend stand die SGL sogar mit sechs Spielern gegen vier auf dem Feld, ging jedoch leer aus. Die vergebene Großchance von Andreas Nelte sowie der eine oder andere schwache Wurf und Ballverluste sorgten für immer mehr Spannung – bis die Gäste mit dem 22:21 (53.) die Flaute durchbrachen. Der Fehlpass von Tim Schickhaus leitete das 21:23 ein (53.), bevor Fabian Düllberg unglücklich agierte. Darauf folgte erst das 21:24 (55.), dann das 21:25 (55.).

Unglaublich: Die SGL kam auf 24:25 (58.) und 25:26 (59.) zurück, ehe sie per Siebenmeter das 25:27 (59.) kassierte. Mit Dawid Rosiak als siebtem Feldspieler war das Risiko jetzt extrem hoch und das Langenfelder Tor dafür leer. Logisch: Nach dem Fehlversuch von Niklas Körner konnte Tobias Culm für Aldekerk 30 Sekunden vor dem Ende locker das klärende 28:25 anbringen.

Von seriös zu gerecht

"Aldekerks Sieg ist verdient", sagte Kirchhoff, "wir hatten am Anfang nicht die richtige Einstellung und später hatte Aldekerk die clevereren Spieler. Ich bin aber sicher, dass mit einer seriösen Schiedsrichter-Leistung wir gewonnen hätten." Was viel eher dem Spiel gerecht wurde: Es war tatsächlich jeder ein Gewinner, der dabei war.

SGL: Bremer, Hanke – Rosiak (2/1), Düllberg (2), Jechorek, Preissegger (5), Justen (2), Eich (1), Wagener (1), Felder (1), Körner (6), Nelte (4), Schickhaus (2).

(RP)