Handball: Ein Festtag – aber hinter den Kulissen gehts rund

Handball : Ein Festtag – aber hinter den Kulissen gehts rund

Handball-Oberligist SG Langenfeld bezwang TuSEM Essen II mit 28:24. Trainer Heino Kirchhoff scheidet nach dieser Saison komplett aus.

Grundsätzlich war die Partie ja ungewinnbar. Auf jeden Fall galt aber der Handball-Oberligist SG Langenfeld (SGL) fürs Heimspiel gegen den bisherigen Spitzenreiter TuSEM Essen II als Außenseiter. Doch am Ende stand die Überraschung gut lesbar auf der elektronischen Anzeigetafel – denn Langenfeld gewann verdient mit 28:24 (12:10). Das Team um Trainer Heino Kirchhoff lieferte dabei defensiv eine taktische Meisterleistung ab. Hinzu kamen viel Leidenschaft, viel Disziplin, zahlreiche starke individuelle Entscheidungen sowie ein hohes Maß an Disziplin – und fertig war die perfekte Mixtur. "Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten", lobte Kirchhoff. Spieler und Trainer feierten nachher, als hätten sie soeben einen Titel geholt.

Der Ballvortrag der Hausherren war auf Geduld gebaut – um Ballverluste zu vermeiden. Der Plan funktionierte weitgehend, sodass Langenfeld übers 8:4 (13.) zum 10:7 kam (18.). Weitere Sicherheit gab Keeper Tobias Geske, der unter anderem zwei Siebenmeter abwehrte und insgesamt hinter einer Klasse-Abwehr maßgeblich am 12:10 zur Pause beteiligt war. Hier schon nicht mehr an Bord: Stefan Wagener, dessen alte Schulterbeschwerden sich erneut bemerkbar gemacht hatten. Damit fehlte den Hausherren nach Vinzenz Preissegger (verletzt) und Tobias Justen (privat verhindert) der dritte wichtige Stammspieler – was den Erfolg zusätzlich aufwertet.

Gestützt auf den herausragenden Matthias Herff, der acht Tore erzielte (davon drei Siebenmeter), steckte Langenfeld den Rückschlag weg – und anschließend auch die Durststrecke aus der zweiten Hälfte. Nach dem 15:16 (37.), 16:17 (38.) und 17:19 (42.) kam die SGL zurück – was unter anderem ein Verdienst des für Stefan Wagener gekommenen André Eich war (vier Tore).

Trotzdem schien Essen immer wieder eine Antwort zu finden – 21:21 (47.), 22:22 (49.), 23:23 (50.), 24:24 (52.). Auf der Zielgeraden lieferte Kirchhoffs Mannschaft nun allerdings ihr Meisterstück ab, weil sie in der heißen Phase einen kühlen Kopf und so die Kontrolle behielt. Das 25:24 von Matthias Herff (53./Siebenmeter), das 26:24 von Dawid Rosiak (54.), das 27:24 von André Eich (56.) und das 28:24 durch Andreas Nelte (57.) machten den Weg frei zum Sieg, den die SGL mit einer 120-Prozent-Hingabe verteidigte.

Erlebnisreich verliefen übers Wochenende auch ein paar Dinge hinter den Kulissen. Die Tatsache: Heino Kirchhoff wird ab der kommenden Saison in gar keiner Funktion mehr für die SGL tätig sein. Dass der 58-Jährige als Trainer aufhört, stand seit zwei Wochen fest. Im Gespräch war jedoch eine neue Funktion als Sportlicher Leiter/Sportdirektor – unter anderem auch, um den Bereich Jugend für die Zukunft aufzustellen. Am Freitag erfuhr Kirchhoff vom stellvertretenden Handball-Abteilungsleiter Uwe Stolley, dass sich der Gesamtverein gegen das Projekt entschieden habe. Kirchhoff direkt nach dem Spiel: "Ich glaube nicht mehr, dass es zustande kommt." Das bestätigte Handball-Abteilungsleiter Klaus Majeres gestern: "Es passt finanziell nicht." Gespräche mit dem einen oder anderen (Trainer-) Kandidaten laufen längst – schon ohne Kirchhoff.

SG Langenfeld: Kottwitz, Geske – Majeres, Rosiak (5), Wolter, Wagener (1), Klimke, Felder (1), Herff (8/5), Schickhaus (3), Körner (2), Eich (4), Nelte (4).

(RP/ila)