Die SG Langenfeld soll mehr sein als nur die Regionalliga Nordrhein

Handball : „Handball ist die absolute Nummer eins“

Sportchef Dennis Werkmeister und Handball-Abteilungsleiter Thorsten Scholl sprechen über die Entwicklung der SG Langenfeld, das Umfeld, ihre Bestrebungen, lokale Spieler und Potenziale.

Sportlich ist die Saison des Handball-Regionalligisten SG Langenfeld äußerst holprig angelaufen. Dennis Werkmeister und Thorsten Scholl ist aber nicht bange. Der Sportchef und der Abteilungsleiter denken langfristig, im Hintergrund arbeitet das Duo an den Strukturen der Abteilung, die nicht mehr nur an das Aushängeschild Erste Mannschaft denken will.

Herr Scholl, Herr Werkmeister, wie nehmen Sie die Rolle des Handballs in der Sportstadt Langenfeld wahr?

Scholl Aus unserer Perspektive ist Handball die Nummer eins in Langenfeld. Das sehen wir am Zuspruch durch Sponsoren und Zuschauer, aber auch an der Zusammenarbeit mit der Stadt. Natürlich gibt es Ausbaupotenzial auf allen Ebenen, aber aktuell ist Handball die absolute Nummer eins.

Ist Langenfeld damit automatisch auch ein guter Standort?

Werkmeister Auf jeden Fall. Zwischen Wuppertal, Solingen und dem Bergischen Land liegen wir sehr gut.

Andere argumentieren, die viele Konkurrenz mache es schwieriger.

Scholl Absolut nicht. Wir haben in Langenfeld ein Umfeld und Strukturen, mit denen wir einzigartig sind – bei Sporthallen, Geschäftsstelle oder der Physiotherapie. Wie attraktiv wir sind, sehen wir daran, dass viele Spieler proaktiv auf uns zukommen. Dazu kommt, dass wir sehr viel Potenzial haben: bei Sponsoren, aber auch zum Beispiel bei der Kooperation mit Schulen.

Werkmeister Ich verstehe die Argumentation, glaube aber, dass viele Vereine auch sehr vergleichbar sind. Die haben aber keinen anderen Mehrwert als das Finanzielle. Dann hast du es auf Dauer sowieso schwer. Wir gehen vielleicht kreativere Wege, um Spieler zu holen – aber keine schlechteren.

Wo liegt die Grenze für die SG Langenfeld?

Scholl Als wir im Januar als Abteilungsleitung angetreten sind und aus der 3. Liga quasi abgestiegen waren, haben wir gesagt: Für uns ist die Spielklasse erstmal sekundär. Wir wollen wieder die Halle vollkriegen und zwischen den Mannschaften ein Miteinander pflegen. Aktuell ist mit der Spitze der Regionalliga Nordrhein oder dem unteren Drittel der 3. Liga erstmal die Grenze erreicht. Darüber hinaus ist schon viel Geld im Spiel, das wir nicht zahlen können. Die SG Langenfeld bleibt ein Verein für Breitensport. Wichtig ist es, vor allem den Jugendbereich und damit unseren Unterbau zu stärken.

Werkmeister Wir schaffen gerade die Infrastruktur, um in den nächsten ein, zwei Jahren wieder in der Nordrheinliga anzugreifen. Momentan sieht es zwar nicht danach aus. Wenn es aber mal mit dem Aufstieg klappt, würden wir uns freuen – mehr nicht.

Wo sehen Sie das Potenzial im Verein und der Abteilung?

Scholl Wir arbeiten alle ehrenamtlich, da brauchen wir auf jeden Fall weitere Mitstreiter. Mit der Hälfte der Sponsoren der vergangenen Jahre konnten wir das Engagement ausweiten, da sieht man eine positive Entwicklung. Und wir sind dabei, wieder stärker unter das Dach der SGL zu kommen: Mit der eigenen SGL-Physiotherapie-Praxis und zahlreichen Übungsleitern, die über die SGL beschäftigt sind. Bei der Jugend wollen wir das Niveau so anheben, dass wir irgendwann wieder deutlich mehr eigene Talente in den oberen Seniorenbereich integrieren können.

Werkmeister Das schafft auch Identifikation. Wenn die Spieler von außerhalb kommen, gehen auch weniger Zuschauer in die Halle. Dann begeisterst du die regionalen Sponsoren nicht mehr.

Haben Sie das bei Ihren kurzen Ausflügen in die 3. Liga gespürt?

Werkmeister Absolut. Wir hatten auch weniger Zuschauer als im Jahr zuvor. Das mag auch am Sportlichen gelegen haben, nachhaltig ist das aber nicht. Die zwei Jahre in der 3. Liga haben Spaß gemacht. Aber wir wollen keine Fahrstuhlmannschaft sein.

Was haben Sie, seitdem Sie die Abteilungsleitung im Januar übernommen haben, angestoßen und vorgenommen?

Scholl Wir würden den Verein gerne wieder dorthin bringen, wie wir ihn kannten. Das heißt, eine hohe Identifikation zu schaffen. Der Zusammenhalt ist sicher ein stückweit verloren gegangen, weil in den vergangenen Jahren der Fokus deutlich mehr nur der ersten Herrenmannschaft galt und wenig Austausch unter allen Mannschaften, also Jugend und Senioren, stattgefunden hat.

Werkmeister Eigenverantwortung ist der Bereich, den wir zuerst angegangen haben. Wir haben eine gute Situation vorgefunden, aber wir müssen viele Dinge breiter aufstellen. Es geht darum, Aufgaben zu finden und Aufgaben zu verteilen.

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