Tennis : Die Regenkönige

Der Langenfelder TC 76 steigt zum zweiten Mal in die 1. Herren-Verbandsliga auf. Das Saisonfinale beim ETB SW Essen war ein Krimi – 5:4. Mathieu Rave und Stefan Jommersbach gewann ihr Doppel mit 11:9 im Match-Tiebreak.

Der Langenfelder TC 76 steigt zum zweiten Mal in die 1. Herren-Verbandsliga auf. Das Saisonfinale beim ETB SW Essen war ein Krimi — 5:4. Mathieu Rave und Stefan Jommersbach gewann ihr Doppel mit 11:9 im Match-Tiebreak.

Hauptdarsteller zwei: Stefan Jommersbach steckte seine Niederlage im Einzel stark weg und gab im Doppel wieder alles. Foto: Matzerath (ARCHIV)

Solche Schlusskapitel kann kein Krimi-Autor erfinden. Sie passieren einfach — und die ersten Tennis-Herren des Langenfelder TC 76 (LTC) genossen das Ende in vollen Zügen. Nach einem irrwitzigen Finale in der 2. Verbandsliga (Gruppe D) setzte sich das Team um Spielertrainer Sebastian Petschnig beim zuvor ebenfalls ungeschlagenen ETB SW Essen mit 5:4 durch.

Deshalb schaffte der LTC zum zweiten Mal nach 2009 den Aufstieg zur 1. Verbandsliga, an den damals wie heute niemand ernsthaft geglaubt hatte. Diesmal setzte Langenfeld trotzdem noch eine Ecke drauf, denn der Regen-Thriller zog sich über zwei Tage. Am Samstagabend hieß es 4:4, als Mathieu Rave und Stefan Jommersbach im alles entscheidenden Doppel gegen Essens Dominik Thomas/Jan Thomas verzweifelt versuchten, den fehlenden Punkt einzufahren. Nach dem 5:7, 5:2 war aber Feierabend und die Partie musste vertagt werden, weil die äußeren Bedingungen definitiv kein Weiterspielen mehr zuließen.

Zwei Matchbälle daneben

Also machten sich alle Spieler und zehn unentwegte Fans am Sonntagnachmittag erneut auf den Weg nach Essen, um das Unvollendete vom Tisch zu bringen — was dem Ganzen die nächste Krone aufsetzte. Rave/Jommersbach glichen mit dem 6:2 im zweiten Satz schnell zum 1:1 aus, bevor der Match-Tiebreak die Nerven aller Beteiligten erneut bis an den Rand strapazierte. Übers 0:3, 3:6 und 4:7 gelangen den Gästen fünf Punkte hintereinander zum 9:7, doch jetzt gingen zwei Matchbälle daneben.

Erst nach dem 10:9 gelang am 15-Minuten-Arbeitstag der für Langenfeld erlösende Zähler, den der unmittelbar beteiligte Teamsprecher Jommersbach genau beschreiben konnte: "Ich habe beim Return eine Vorhand reingezittert und dann hat Essen den Ball ins Netz geschlagen." Unter dem Strich war es in einer trotz der deutlichen Anspannung sportlich-fairen und angenehmen Atmosphäre eine Mischung aus Glück und einer Winzigkeit mehr Nervenstärke.

Weil der LTC keine Feier vorbereitet hatte, gabs nach der Heimkehr spontan das eine oder andere Bier im Klubhaus. Die Fortsetzung folgte beim Teamkollegen Rave — alles im überschaubaren Rahmen, weil für die meisten gestern wieder ein normaler Dienst-Tag folgte. Mit der konkreten Planung fürs Jahr 2012 wird sich der Meister ohnehin etwas Zeit lassen müssen, weil ein paar wichtige Dinge unklar sind.

Berufliche Planungen

2010 war das erste LTC-Jahr in der 1. Verbandsliga und einige finanziell stärker engagierte Konkurrenten eine Nummer zu groß. Trotzdem stand bereits vor dem Finale fest: "Wenn wir es schaffen, nehmen wir den Aufstieg wahr." Nun muss Langenfeld festzurren, wer aus dem aktuellen Kader überhaupt an Bord bleibt. Fraglich sind Marc Münch, der eine großartige Saison 2011 hinter sich hat, und Jommersbach. Beide haben ihr Studium beendet und müssen sich jetzt beruflichen Entwicklungen widmen.

Bis die Dinge geklärt sind, wollen sie beim LTC das irrwitzige Finale weiter in vollen Zügen genießen. Demnächst soll es noch eine offizielle Feier geben — gemeinsam mit der zweiten Mannschaft, die nach einigen vergeblichen Anläufen den Sprung aus der Bezirksklasse A in die Bezirksliga geschafft hat.

(RP/rl)