Fußball : Die Frage der Chemie

Für den Fußball-Kreisligisten GSV Langenfeld war die alte Saison eine einzige Enttäuschung. Trainer Benjamin Uhlenbrock will jetzt konsequent gegen fehlende Einstellung vorgehen. Dazu kann er starke Neuzugänge einplanen.

Hinter dem Fußball-Kreisligisten GSV Langenfeld liegt eine Saison, die alle am liebsten sofort vergessen würden. Am Ende belegte das Team um Trainer Benjamin Uhlenbrock den zehnten Tabellenplatz — für den hochwertig besetzten Kader viel zu wenig. Ein Grund war das Verletzungspech, das dem GSV förmlich an den Schuhen zu kleben schien. So kamen die Klassestürmer Dirk Emgenbroich (acht Spiele/13 Tore) und Demetrio Scelta (14 Spiele/19 Tore) insgesamt nur auf 22 Einsätze — in denen sie 32 Treffer erzielten. "Wenn beide immer dabei gewesen wären, hätten wir sicherlich mehr Punkte gehabt", meint Uhlenbrock. Die wahren Ursachen für die schwache Saison liegen allerdings tiefer.

Kämpfertyp: Neuzugang Marian Zündorf (vorne) wird durch Einsatz und Leidenschaft ein wertvoller Baustein am Gravenberg sein. Foto: Matzerath (ARCHIV)

"Die Einstellung einiger Spieler und die Chemie in der Mannschaft stimmten nicht", sagt der GSV-Coach. Welche Klasse eigentlich da ist, zeigte der GSV ansatzweise zu Saisonbeginn — 3:0 gegen die Sportfreunde Baumberg II, 0:0 gegen den späteren Vizemeister und Aufsteiger SC Reusrath. Uhlenbrock gelang es aber auf Dauer nicht, aus guten Einzelkräften eine schlagkräftige Einheit zu formen.

Wertvoller Lerneffekt

"Ich fühle mich von einigen im Stich gelassen. Das Team wollte mich als Trainer, jetzt fühle ich mich von einigen einfach nur verarscht. Jeder hat versucht, sein Ding durchzuziehen. So etwas werde ich nicht mehr zulassen. Ich habe viel gelernt aus dieser Saison", erklärt Uhlenbrock. Selbstkritisch gesteht er ein, "zu wenig agiert" zu haben.

Damit die nächste Saison erfreulicher wird, hat der GSV beim Personal erneut kräftig nachgebessert. Dabei brauchte der Verein nicht unbedingt das große Geld, sondern vielmehr den einen oder anderen guten Kontakt. Marian Zündorf, bislang Mittelfeld-Motor und Kapitän beim Landesligisten HSV Langenfeld, wechselt an den Gravenberg, weil dort bereits Daniel Gerhardt aktiv ist. Zündorf ist der Patenonkel von Gerhardts Sohn und hat früher auch schon mit Trainer Uhlenbrock zusammengespielt.

Dieser Wechsel weckte zugleich das Interesse von Jens Weidenmüller (TuSpo Richrath), der noch einmal gemeinsam mit seinem Freund Zündorf auflaufen wollte. GSV-Regisseur Vincenzo Pichierri konnte außerdem Andreas Gumilar (ebenfalls HSV Langenfeld) überreden — und damit kommen drei landesligaerfahrene Kräfte. Uhlenbrock: "Man muss die Leute ein bisschen belabern, damit so etwas klappt."

Über die Gebrüder Demetrio und Diego Scelta konnte sich der GSV dann noch Timo Laveglia angeln, der in der abgelaufenen Saison in der Kreisliga B beachtliche 30 Tore für den VfB Langenfeld erzielte. Torhüter Matthias Urbo wird Giovanni Pacillo, der seine Karriere mit 37 Jahren beendet, als Nummer eins zwischen den Pfosten ablösen.

Platz unter den ersten fünf

Trotz aller Verstärkungen sieht beim GSV niemand den Aufstieg in die Bezirksliga als Pflicht an. Offizielles Ziel ist vielmehr ein Platz unter den ersten fünf. "Die Mannschaft soll sich erst mal einspielen. Vielleicht käme ein Aufstieg auch zu früh. Wenn ich mit Hängen und Würgen aufsteige, wird es in der Bezirksliga schwer. Wenn wir aufsteigen, wollen wir uns in der Bezirksliga etablieren", betont Uhlenbrock. Angesichts der Neuen ist immerhin davon auszugehen, dass er sich in einigen Jahren ganz gerne an die nächste Serie erinnern wird.

(mroe)