Leichtathletik: Der schnelle Pechvogel

Leichtathletik : Der schnelle Pechvogel

Leichtathlet Bob Grauer hatte sich über 100 Meter erneut für die Deutschen Jugend-Meisterschaften qualifiziert. Die Titelkämpfe in Mönchengladbach finden aber ohne den Langenfelder statt, den wieder eine Verletzung auf Eis legt.

Wenn für einen Leichtathleten bereits im Juli die kommende Hallensaison im Vordergrund steht, kann etwas nicht nach Wunsch gelaufen sein. So ist es auch bei Bob Grauer. Der 100-Meter-Sprinter der SG Langenfeld (SGL) qualifizierte sich in diesem Jahr für die Deutschen Jugend-Meisterschaften in Mönchengladbach-Rheydt, wird dort allerdings nicht an den Start gehen. Grund dafür ist eine Verletzung am Hüftbeuger. "Es ist natürlich nicht einfach, auf die Deutschen zu verzichten. Aber lieber trete ich nicht an, als dass ich mich noch schwerer verletze", sagt der Schüler. Schon seit längerer Zeit plagen ihn Probleme mit den Oberschenkeln, die immer wieder verhindern, dass er seine Topleistungen abrufen kann.

Zeichensprache: Trainer Dirk Zorn fiebert immer mit – und er leidet auch mit, wenn seine Schützlinge ein echtes Problem haben. Foto: Matzerath

Komplizierte Vorbereitung

Der 17-Jährige ist generell sehr verletzungsanfällig und momentan darf sich Grauer nur durch einfache Laufübungen oder Gymnastik fit halten. Ansonsten ist es für Bob Grauer grundsätzlich schwierig, im Training voll an die Grenzen zu gehen – was Komplikationen für eine effektive Vorbereitung bedeutet. Trotzdem wusste Grauer schon oft zu zeigen, was in ihm steckt. Vor zwei Jahren bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm gelang ihm beispielsweise durch den Einzug in den Zwischenlauf ein großer Erfolg. Und 2011 überraschte der Langenfelder kurz vor den Deutschen mit einer großartigen Zeit von 10,96 Sekunden über die 100 Meter.

Kurz darauf machte ihm dann abermals eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung: Ausgerechnet bei den nationalen Titelkämpfen erlitt Bob im Vorlauf einen Muskelbündel-Anriss im Oberschenkel. Das oft auftretende Pech lässt den Schüler jedoch keineswegs resignieren: "Anfangs mögen die Verletzungen und Pausen mich vielleicht demotivieren. Aber danach spornt mich das Ganze umso mehr an."

Der schnelle Leichtathlet sieht den Sprint als die Disziplin, bei der er sich am besten mit seinem Gegner messen kann. "Bei den 100 Metern heißt es einfach Mensch gegen Mensch – ohne dabei irgendwelche Hilfsmittel zu benutzen", findet Grauer. Diese Art des Kräftemessens liegt dem Langenfelder sehr. Und wenn ein Gegner auf einer Höhe mit ihm ist, kann Bob locker bleiben. Auf diese Weise hat er schon viele Rennen gewonnen.

Sport als Leistungskurs

Außer dem Sprint betreibt Bob Grauer das Speerwerfen (Bestleistung 52,79 Meter), das ihm ab und an als Ausgleich dient. Neben der Leichtathletik verfolgt er keine weiteren Hobbys, weil der Sport absolut im Vordergrund steht. Das ist in der Schule nicht anders, denn an der Lore-Lorentz-Schule in Düsseldorf möchte Grauer im nächsten Jahr das Abitur machen – und dazu gehört der Sportleistungskurs, der ihn wöchentlich zusätzlich fordert. Was nach der Schule kommt, weiß Grauer dafür noch nicht genau: "Mal sehen." Bis dahin hofft Bob Grauer vor allem, dass er von weiteren Verletzungen verschont bleibt und dann in der nächsten Hallensaison erneut voll angreifen kann.

(mol-)