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Lokalsport: Der Pendler: Erst Bundesliga, dann Baumberg

Lokalsport : Der Pendler: Erst Bundesliga, dann Baumberg

Der Verteidiger, der ein Praktikum bei der TSG Hoffenheim macht, reiste für 6:0 des Fußball-Oberligisten wieder 320 Kilometer an.

Patrick Jöcks weiß, was er will. Und was er nicht mag: Gegentore. Das ist nicht ungewöhnlich, denn der Fußballer aus Leidenschaft sieht sein Zuhause auf der Position des Innenverteidigers. Extrem ungewöhnlich gestaltet sich dafür im Augenblick sein Einsatzplan für den Oberligisten SF Baumberg (SFB). Jöcks trainiert nicht mit den Baumbergern. Kein Wunder: Er arbeitet ja rund 320 Kilometer weg als Praktikant beim Bundesligisten TSG Hoffenheim. Als sich der Abwehrspieler im Anschluss an die Winter-Vorbereitung nach Baden-Württemberg verabschiedet hatte, schien seine Zeit an der Sandstraße für diese Saison abgelaufen zu sein - ehe vor Kurzem der Alarm eintraf: "Hilfe, wir haben keine Leute mehr." In der personellen Not fragten die SFB-Verantwortlichen ziemlich vorsichtig, ob Jöcks helfen könne. Na klar: Er wollte. Dass er konnte, lag am Entgegenkommen der Hoffenheimer. "Mein Chef war einverstanden", sagt Jöcks. So kam es, dass er in den vergangenen zwei Wochen viermal hintereinander in der Startformation der Sportfreunde stand.

Der Auftakt passte nicht zu den Ansprüchen der Baumberger und schon gar nicht zu denen des Defensivmannes Patrick Jöcks: Es gab eine 4:6-Niederlage beim TSV Meerbusch. Am 3:1-Erfolg über die SpVg. Schonnebeck war der Innenverteidiger mit dem entscheidenden dritten Treffer beteiligt, ehe wieder ein Rückschlag folgte - 0:1 beim SC Kapellen/Erft. Weil aller guten Dinge manchmal doch vier sind, kam Jöcks jetzt auch für das jüngste Spiel am Mittwochabend zurück. Diesmal fuhr die Mannschaft dann eine besonders wichtige Ernte ein. Baumberg schaffte durch das 6:0 über den Cronenberger SC einen für den Klassenerhalt enorm wichtigen Sieg. "Das haben wir uns als Mannschaft verdient", findet Jöcks, der als Teil einer neuen Abwehr-Formation (Dreierkette) praktisch keine Chance der Gäste zuließ.

Der Sieg sorgte vor der Pause über Ostern für ein deutliches Plus an Ruhe - weil die Sportfreunde genau den auf dem ersten Abstiegsplatz liegenden Cronenberger SC deutlich in die Schranken weisen konnten. Und bei jetzt sieben Zählern Vorsprung sowie dem starken Torverhältnis, das beinahe einen Extrapunkt ergibt, müsste der weitere Weg zum Klassenerhalt im Grunde mehr eine Formsache sein. Die Beteiligten halten sich trotzdem vorerst etwas zurück. "Es wäre gefährlich, so zu denken", meint Mittelfeldspieler Kosi Saka. "Das war natürlich ein guter Schritt", sagt Trainer El Halimi. Patrick Jöcks bleibt ebenfalls auf dem Teppich: "Ich bin sicher, dass wir die fehlenden Punkte holen werden. Aber wir sind noch nicht ganz über den Berg." Wie viele der restlichen sieben Baumberger Saisonspiele er mitmachen kann, ist außerdem offen.

Im Hoffenheimer Nachwuchs-Leistungszentrum läuft der Betrieb auf Hochtouren, weil die Saison in der Bundesliga der A- und B-Junioren in ihre Endphase geht. Patrick Jöcks, der Student der Sportwissenschaften (Köln), ist genau in diesem Bereich für die Video-Analyse zuständig. Das ist eine Tätigkeit, die viel Einsatz verlangt - und nach der Natur der Sache nicht zuletzt am Wochenende. Daher dürfte eine Fortsetzung des ohnehin stressigen Dauer-Pendelns von Hoffenheim nach Monheim nicht bis zum Ende der Serie machbar sein.

Jöcks ist klar, dass er im Zweifel Rücksicht auf die Belange der TSG zu nehmen hat. Und er fühlt sich sowieso wohl in Hoffenheim: "Sicher, ich bin der Praktikant und dazu da, den anderen zuzuarbeiten. Aber ich kann meine Meinung und mein Wissen einbringen. Ich werde wie ein vollwertiger Mitarbeiter behandelt. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt gehen konnte." Patrick Jöcks weiß eben, was er will.

(RP)