Fußball: Der neue Strippenzieher

Fußball: Der neue Strippenzieher

Fußball-Landesligist TuSpo Richrath greift zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Der 44 Jahre alte Trainer Ganija Pjetrovic will dem gefährdeten Team in der Nachholpartie gegen den TuS Grevenbroich als Spielertrainer helfen.

Der Fußball-Landesligist TuSpo Richrath hatte sich das alles anders vorgestellt – einfacher auf jeden Fall und nach dem 2:1 im Derby gegen den HSV Langenfeld vielleicht auch ein bisschen zu einfach. Mittlerweile sind aber alle Hoffnungen, sich möglicherweise früh aus dem Kampf gegen den Abstieg zu verabschieden, Schnee von gestern. Und nach der 0:3-Niederlage gegen den SV Wersten 04 muss Trainer Ganija Pjetrovic sogar befürchten, dass seine Elf weiter abrutscht. Zuversicht fürs Nachholspiel gegen den Neunten TuS Grevenbroich (Donnerstag, 19 Uhr, Schlangenberg) sieht anders aus.

TuSpo hat inzwischen in weiten Teilen eine sehr junge Mannschaft, die zumindest ihre Schnelligkeit und Laufstärke in die Waagschale werfen müsste – was Pjetrovic vornehmlich in der ernüchternden ersten Hälfte des Duells mit Wersten sehr oft vermisste. "Das war gar nichts. Ich habe viel mehr von den Jungs erwartet", betont der 44-Jährige. Dennoch möchte er lieber darauf verzichten, zu hart mit dem Team ins Gericht zu gehen: "Es bringt jetzt nichts, draufzuhauen. Ich muss versuchen, die Mannschaft wieder aufzubauen."

Keine personelle Auswahl

Erstes Problem ist der extrem enge Kader, der lediglich 14 Spieler umfasst. Aus dem erhofften Comeback von Dirk Schreiber (Knieverletzung) ist nichts geworden und Max Schneider musste seine Aushilfstätigkeit wieder beenden (Studium in Frankfurt). Andere sind angeschlagen und deshalb nicht hundertprozentig fit. Unter dem Strich muss der Coach immer wieder und irgendwie eine Mischung zaubern, die in der Landesliga sportlich zu bestehen vermag.

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Zweites größeres Problem: Die Mannschaft hat wenigstens derzeit niemanden, der das Prädikat Führungsspieler verdient. "Mir fehlt eine rechte Hand auf dem Platz", bestätigt Pjetrovic, dessen Kapitän Matthias Castens momentan mit sich selbst genug zu tun hat und seinen erkennbaren Frust immer wieder in Diskussionen mit Schieds- und Linienrichtern umsetzt.

Versuch für mehr Struktur

Alle Baustellen machten sich zuletzt vor allen Dingen im Mittelfeld bemerkbar – also dort, wo die Fäden gezogen werden. Und weil die Not genau jetzt besonders groß ist, will sich Ganija Pjetrovic vom Trainer zum Spielertrainer befördern, um als erfahrener Strippenzieher für mehr Struktur zu sorgen. "Ich werde von Anfang an spielen", erklärt der Ex-Profi, der sich die Rolle des Ballverteilers durchaus noch zutraut. Für Schnelligkeit und Laufstärke drumherum müssten dann erst recht die jungen Leute sorgen.

(RP)