Motorsport : Der Jubiläums-Triumph

Motorsportler Jörg Bergmeister machte sich im 100. Rennen in der American Le Mans Series selbst das schönste Geschenk. Beim Sieg in Lime Rock lagen nach einem schwierigen Saisonstart sämtliche Puzzleteile am richtigen Platz.

Jörg Bergmeister war intensiv bemüht, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. "Die haben hier ein ziemliches Tamtam gemacht", fand der Langenfelder Motorsportler — als sei ihm die Hauptrolle eher unangenehm. Dabei bestritt der Porsche-Werksfahrer in Lime Rock (Lakeville/Connecticut) seinen 100. Einsatz in der American Le Mans Series (ALMS).

Zentimeter-Arbeit: Jörg Bergmeister (vorne) konnte die Attacken der Verfolger (Corvette) in der Endphase erfolgreich abwehren. Foto: Porsche AG

Und am Ende geriet die Schau auf dem nur 2,478 Kilometer langen Kurs sogar zu einem perfekten Jubiläum. Bergmeister und Teamkollege Patrick Long, bisher in der Saison 2012 nicht eben vom Glück begünstigt, rasten mit ihrem Porsche 911 GT 3 RSR als Sieger über die Ziellinie.

"Es war mal wieder Zeit", fand Bergmeister, der sich direkt nach dem Rennen mit dem Team Flying Lizard Motorsports (Sonoma/Kalifornien) auf den Weg nach New York machte, um dort in Manhattan wenigstens ein bisschen zu feiern. "Keine wilde Party", berichtete der 36-Jährige, "wir haben was Leckeres gegessen." Dass beste Laune herrschte, ließ sich besonders mit dem Blick zurück nachvollziehen. Der Auftakt in Sebring (März/Florida) war früh gelaufen und Rennen zwei in Long Beach (April/Kalifornien) löste mit Platz sieben ebenfalls wenig Begeisterung aus.

Knopf für den Neustart

Der Mai und Laguna Seca (Kalifornien) brachten mit einem neuen Aerodynamik-Paket am Auto einen deutlichen Schritt nach vorne. Aus dem möglichen Sieg wurde trotzdem nichts, weil die Lizards eine Stop-and-Go-Strafe kassierten — nachdem der Porsche-Heckflügel beim Herausfahren nach dem letzten Stopp einen herunterhängenden Schlauch des Boxenstandes berührt hatte. In der Zeit zwischen den Rennen drei und vier schien dann jemand den Knopf für den Neustart gefunden zu haben, denn in der ländlichen Idylle des Lime Rocks Parks ließen sich die Lizards durch nichts aufhalten.

Bergmeister fasste den Auftritt zusammen: "Das Auto war perfekt, die Reifen waren perfekt und die Fahrer waren perfekt." Zusammen mit einer passenden Strategie für die Boxenstopps hatten Bergmeister/Long die richtigen Mittel, um gegen die starken Rivalen aus Corvette, BMW und Ferrari die Oberhand zu behalten.

Mit Startplatz vier aus dem Qualifying (Zeittraining) wollte sich Long nicht begnügen und über die erste Hälfte des Rennens (2:45 Stunden) kletterte er bis auf Rang eins. Beim Pflicht-Halt für den Fahrerwechsel fiel Jörg Bergmeister auf den dritten Platz zurück — um bald an die Spitze zurückzukehren. Manchmal lagen die vier führenden Autos kaum eine Sekunde auseinander, sodass die Fans ständig höchste Spannung erlebten. Bergmeister hatte trotzdem starke Nerven. "Einen Fehler durfte ich mir natürlich nicht erlauben", meinte der Motorsportler aus Leidenschaft, "ich hab eben ab und zu in den Rückspiegel geschaut."

Wegfahren ausgeschlossen

Dass der Erfolg die Chancen auf die Meisterschaft drastisch erhöht, bezweifelt Bergmeister: "Das wird ganz schwierig. Es wäre arg überheblich, wenn wir glauben, dass wir den anderen jetzt einfach wegfahren." Die Konkurrenz darf allerdings davon ausgehen, dass Bergmeister/Long am 22. Juli in Mosport (Kanada) alles fürs nächste Top-Resultat geben werden. Auf der Rennstrecke hat Jörg Bergmeister schließlich wenig dagegen, die Hauptrolle einzunehmen.

(RP/rl)
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