Analyse: Der Aufstieg: Wenn 1000 Puzzleteile passen

Analyse: Der Aufstieg: Wenn 1000 Puzzleteile passen

Die Handballer der SG Langenfeld kehren ein Jahr nach dem Abstieg in die Regionalliga als Meister auf direktem Weg in die 3. Liga zurück. Unter der Regie des neuen Trainers Jurek Tomasik verkraftete das umgebaute Team auch viele personelle Rückschläge.

Es ist der 6. Mai 2017. Die Handballer der SG Langenfeld (SGL) beenden ihre Premieren-Saison in der 3. Liga mit einem 29:27 über den TSV GWD Minden II, müssen aber wieder absteigen. Ein einziger Treffer fehlt, um wenigstens die Qualifikation der Drittletzten zu erreichen. Ein Jahr später: Es ist der 12. Mai 2018. Langenfeld beschließt die Saison in der Regionalliga mit einem 35:33 über den VfB Homberg. Nun ist höchst offiziell, was tabellarisch seit zwei Wochen feststeht: Die SGL kehrt als Meister in die 3. Liga zurück - was vielen wie ein Märchen vorkommen dürfte. Zu denjenigen, die immer sehr optimistisch waren, gehört Dennis Werkmeister - der frühere Trainer und heutige Sportliche Leiter sagte immer: "Wir wollen unter die ersten drei." Was der Aufstieg sicher nicht ist: Zufall.

Die Wechsel Nach dem Abstieg gingen Andreas Nelte, Matthias Herff und Alexander Klimke in die Zweite, Dustin Thöne (Longericher SC), Tim Menzlaff (Leichlinger TV) und Tobias Geske (HG Remscheid) zu anderen Vereinen. Es kamen Mats Heyde (Bergischer HC II), Christian Mergner (vorher Leichlinger TV/inzwischen SG Ratingen), Jan Schirweit (Mettmann), Felix Korbmacher (Bergischer HC II), Fabian Bremer (zurück aus Münster) und Maurice Meurer (von TuSEM Essen), der als Last-Minute-Zugang ein Glücksgriff war. "Jurek hat die neuen Spieler gut integriert", findet Werkmeister. Gemeint ist Jurek Tomasik, sein Nachfolger als Trainer.

Stressfest Acht Mal gab es Siege mit ein oder zwei Toren Unterschied, weitere drei Partien gingen mit jeweils drei Treffern Differenz an die SGL. Von Rückständen ließ sich der Alt- und Neu-Drittligist selten umwerfen. Beispiel: Zum Saisonstart wurde aus einem Acht-Tore-Rückstand gegen den TuS 82 Opladen ein 25:22. Beim 29:29 in Homberg erzielte Vinzenz Preissegger praktisch mit der Schluss-Sirene den Ausgleich.

Die Ausgeglichenheit In der Serie 2016/2017 war die SGL fast immer von Führungsspielern wie Tim Menzlaff und André Eich abhängig. Menzlaff kam in der Torschützenliste der 3. Liga auf 161 Tore und Platz zehn - direkt hinter Eich, der 81 seiner 162 Treffer per Siebenmeter erzielte. Henrik Heider (89) folgte klar zurück. Stand heute: Die SGL ist unter den erfolgreichsten zehn Werfern nicht vertreten. Korbmacher (115 Tore) ist als Zwölfter der beste - vor Eich (105), André Boelken (100), Meurer (98), Mats Heyde (85), Adams (77) und Henrik Heider (72).

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Improvisationskunst Eich, Boelken, Adams, Meurer und Heider konnten nicht alle Spiele mitmachen. Beispiel Heider: Der Linkshänder erlitt beim Saisonstart eine Verletzung und kam erst drei Monate später zurück. Aushilfen auf seiner Position waren Eich und Boelken - der später seinerseits ein paar Wochen fehlte. In der Kunst des Improvisierens hatte Langenfeld ziemlich früh meisterliche Fähigkeiten.

Qualität der Klasse Werkmeister räumt es ein. "Die Regionalliga war nicht überragend stark", sagt der Sportliche Leiter. Der Trainer eines anderen Klubs hat es drastischer formuliert: "Es war nie so einfach, aufzusteigen." Tatsache ist bestimmt, dass es viel Mittelmaß gab.

Die Zukunft Langenfeld fühlt sich gut gerüstet für die viel höheren Anforderungen in der 3. Liga - falls die letzten personellen Dinge wie erhofft laufen. Abgänge sind die Torhüter Tobias Joest (Unitas Haan) und Fabian Bremer (Beruf) sowie Rechtsaußen Max Adams (Bergische Panther) und Co-Trainer Tobias Plümel (Beruf). Als Neue stehen Christian Thommessen (Torhüter/Aldekerk), Dominik Jung (Rechtsaußen/Ratingen), Aaron Wohlers (Rechtsaußen/früher Bergischer HC II, zuletzt Studium Erlangen) und Co-Trainer Markus Becker fest (Longericher SC). "Wir müssen uns breiter aufstellen", sagt Werkmeister, "es kommen auf jeden Fall zwei weitere Leute hinzu." Im Mai 2019 wird dann feststehen, ob alle Wünsche in Erfüllung gegangen sind.

(RP)
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