Debakel: Langenfeld kassiert saftige Abreibung

Handball: Debakel: Langenfeld kassiert saftige Abreibung

Das 25:41 beim Longericher SC war für den Drittliga-Aufsteiger wie das Duell zwischen einem Trabi und einem Porsche.

Es waren 60 Minuten voller Leiden. Dass der Handball-Drittligist SG Langenfeld (SGL) in der Partie beim Longericher SC nicht die geringste Chance auf einen Sieg haben würde, stand ja vorher fest. Aber das? Für den Aufsteiger allgemein wurde es ein schwarzer Abend. Und ganz besonders sein Trainer Markus Becker musste sich vorkommen, als verpasse ihm irgendjemand in regelmäßigen Abständen immer wieder eine schallende Ohrfeige. Der Kölner, der erst vor der Saison nach einer halben Ewigkeit in Longerich zur SGL gekommen war, versuchte zuerst taktisch noch alles. Die Schluss-Sirene war trotzdem das Beste für die Gäste, die es gegen 21.40 Uhr überstanden hatten. Langenfeld bezog mit dem 25:41 (10:18) heftig Prügel. „Wenn wir so spielen, gewinnen wir kein einziges Spiel mehr“, stellte Becker traurig fest. Zehn Runden vor dem Ende der Saison hängt die SGL mit 6:34 Punkten unverändert tief im Tabellenkeller fest. Und in der aktuellen Verfassung ist Langenfeld auch nicht drittliga-tauglich.

Spielmacher André Boelken (nach Kreuzbandriss im Aufbautraining) und Kapitän Vinzenz Preissegger (Sprunggelenk) fehlten ohnehin. Kreisläufer Mats Heyde stand zwar zur Verfügung, kam aber nach einer längeren Pause (dienstliche Gründe, krank) nur für kürzere Einsätze in Frage. Dann stellte sich die nächste schlechte personelle Nachricht ein: Linkshänder Henrik Heider sagte erkrankt ab. Danach bestand der Rückraum nur aus Felix Korbmacher (links), André Eich (Mitte) und Maurice Meurer, der wieder aushilfsweise auf die rechte Seite abkommandiert wurde.

Die SGL wirkte auf dem Feld von der ersten Sekunde an sowohl vorne als auch hinten ziemlich hilf- und ideenlos. Beim 2:6 (8.) nahm Becker eine erste Auszeit, beim 5:13 (20.) seine zweite. Irgendeine Form der Rücksicht oder Entgegenkommens aufgrund seiner Longericher Vergangenheit brachten ihm die Hausherren nicht entgegen. Musikalisch schalteten die Kölner dafür früh in den Feiermodus – und Becker hätte bei einer anderen Gelegenheit wohl gerne mitgesungen. In den Unterbrechungen gab es regelmäßig einen der Hits der Gruppe Brings. Bereits das saß tief: „Mit Polka, Polka, Polka, alles halv su schlimm.“ Es kam allerdings noch „besser“, denn der SC konnte vorübergehend den Schongang einlegen und nach dem 14:6 (22.) unter anderem dem gerade zum vierten Mal erfolgreichen Ex-Langenfelder Dustin Thöne eine Pause gönnen. Beim 18:10 am Ende der ersten Halbzeit war die Frage nach dem Gewinner der Partie trotzdem längst beantwortet. Aus dem Lautsprecher dröhnte die entsprechende Sicht der Dinge: „Mir sin besoffe, mir sin besoffe, besoffe vör Glück.“

Wach aus der Kabine kam alleine Longerich, das durch drei Treffer in Folge bis zur 33. Minute auf 21:10 wegzog. Der kleinere Gang kam danach offenbar selbst angesichts einer zweistelligen Führung nicht in Frage. Dafür lieferte ausgerechnet Dustin Thöne viele Beweise ab – jener Kreisläufer, der in seinen vier Jahren bei der SGL an den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte beteiligt und im Sommer 2017 zurück zu seinem Heimatverein gewechselt war. In der 36. Minute erkämpfte er sich hinten einen Ball und leitete den Gegenstoß ein, den Matthias Peters zum 23:12 verwandelte. Später arbeitete Thöne, ein Spieler aus der Kategorie „emotionaler Leader“, weiter intensiv und nahm dafür sogar eine weitere Zeitstrafe in Kauf – obwohl die im Porsche-Tempo übers Feld wirbelnden Longericher beim Stande von 37:22 (56.) bereits auf 15 Tore Differenz erhöht hatten. Nachdem Thöne aufs Feld zurückgekehrt war, durfte er vorne zum Abschluss bei der großen Show seines Teamkollegen Tim Hartmann mithelfen, der innerhalb von rekordverdächtigen 62 Sekunden drei Treffer erzielte – darunter jenen zum 40:24 (59.), das eine im Handball immer gefeierte Schallmauer durchbrach.

Langenfeld hatte da längst alle Bemühungen um ein anständiges Resultat eingestellt. Bisweilen verzichtete der Aufsteiger nach Ballverlusten sogar auf die übliche schnelle Rückwärtsbewegung. „Manchmal hatte in der zweiten Halbzeit plötzlich wieder jeder seine eigene Idee“, fand Becker, der im Anschluss sehr nachdenklich wirkte. Ein Grund neben dem hohen Ergebnis: Die SGL sah nicht mehr wie eine intakte Mannschaft aus. Ins Bild passte letztlich, dass Maurice Meurer in der Schlussphase humpelnd aussteigen musste (53.). „Ich bin ein paar Mal aufs Knie geknallt“, erläuterte der Rückraumspieler. Nun hofft er zusammen mit seinem Coach, dass die Angelegenheit mit etwas Schonung erledigt ist.

Dustin Thöne verkniff sich zwar später spektakuläre Gesten des Jubels, fand jedoch das Ergebnis im Großen und Ganzen völlig in Ordnung: „Wir brauchten die Punkte und wir konnten was für unser Torverhältnis tun. Natürlich tut es mir für Langenfeld leid, dass sie hier am Ende eine derartige Reibe bekommen haben.“ Reibe ließe sich auch mit Abreibung übersetzen. Und abfinden muss sich die SGL mit der immer realistischer werdenden Vermutung, dass zumindest die Zukunft in der Saison 2019/2020 wieder in der Regionalliga stattfinden wird. Langenfeld hat mit dem aktuell zur Verfügung stehenden Personal sicher nicht die Qualität für die 3. Liga.

Die Aufgabe am kommenden Samstag (19.30 Uhr) beim Zweiten SG Schalksmühle-Halver Dragons wirkt auf einmal unlösbar und es scheint Lichtjahre her zu sein, dass die SGL gegen die Dragons in eigener Halle sehr unglücklich mit 25:26 den Kürzeren zog. Derzeit deutet mehr auf einen weiteren harten Abend hin. Dass sie in Nordwesten des Sauerlandes vermutlich kein Liedgut aus Köln einspielen, dürfte kaum einen Langenfelder aufmuntern.

SG Langenfeld: Riebau, Thommessen – Jung (4/3), Wolter, Hüfken (2), Heyde (1), Schirweit (2), Korbmacher (8), Eich (1), Ißling, Meurer (4), Fischer (3).

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