Debakel: Handballer gehen krachend unter

Handball: Debakel: Handballer gehen krachend unter

Der Drittliga-Aufsteiger SGL war bei der 25:41-Niederlage gegen Minden II vor allem nach der Pause von allen guten Geistern verlassen.

Die erste Halbzeit war schon nicht gut, aber gemessen an der zweiten fast Weltklasse. Unter dem Strich handelte sich der Handball-Drittligist SG Langenfeld (SGL) im ersten Heimspiel der Saison eine schallende Ohrfeige ein, deren Schmerzen lange nachwirken dürften. Das Team von Trainer Jurek Tomasik unterlag gegen den zuvor punktlosen TSV GWD Minden II mit 25:41 (10:14). In Worten: Fünfundzwanzig zu einundvierzig. Die SGL stellte durch die Pleite einen neuen Negativ-Rekord auf, denn vor zwei Jahren gab es am 3. September 2016 beim Start ins erste Abenteuer 3. Liga ein 28:39 beim Leichlinger TV – was im Vergleich zum jetzigen Untergang mit 16 Treffern Differenz als niedlich durchgeht.

Wie es dazu kommen konnte, erschloss sich den direkt Beteiligten später nicht ansatzweise. Mannschaftsführer Vinzenz Preissegger fand ebenfalls kaum Worte: „Ich habe keine Ahnung. Wir sind jetzt in der 3. Liga angekommen.“ Der vorübergehend sprachlose Trainer Tomasik schlief erst eine Nacht über das Gesehene, doch viel Aufschluss gewann er noch nicht: „Ich habe auch keine Erklärung. Vielleicht war es eine Frage der Einstellung, vielleicht überschätzen sich einige.“ Der Coach, der sich sonst immer ohne jede Einschränkung schützend vor seine Spieler stellt, war schlicht entsetzt: „Wir sind noch keine Mannschaft, sondern nur eine Ansammlung von Einzelspielern. Wir haben oft die falschen Entscheidungen getroffen.“ Der zweiten Halbzeit gab er den Titel: „Zum Vergessen.“ Es war eine beschönigende Umschreibung.

Die SGL verzichtete in der ersten Hälfte zunächst auf die beiden Rückraumspieler Maurice Meurer (links) und Henrik Heider (rechts). Ziel: Felix Korbmacher, André Boelken und André Eich sollten die Deckung der Gäste mit schnellem Spiel aushebeln. Weil das irgendwie mit viel Mühe teilweise funktionierte, blieb das Spiel offen – 2:4 (6.), 5:4 (9.), 7:7 (15.), 8:8 (17.). Meurer, seit der 18. Minute dabei, erzielte dann die letzten vier SGL-Tore vor der Pause – 11:11 (21.), 12:12 (25.), 13:15 (29.), 14:15 (30.). Die beiden Treffer unmittelbar vor dem Seitenwechsel sorgten allerdings nur für einen kleinen Aufschub, denn der Niedergang vollzog sich in rasender Geschwindigkeit.

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In der zweiten Halbzeit dauerte es zehn Minuten, bis die SGL komplett zerfiel. Die Vierer-Serie an Gegentreffern beinhaltete unter anderem eine wahnwitzige Slapstick-Einlage, die nicht die einzige bleiben sollte. Die SGL hatte Sekunden zuvor das 14:18 (33.) durch Mindens Lukas Kister kassiert, als sie dem Torschützen das Spielgerät beim folgenden Anwurf beinah freiwillig anbot. Und Kister ließ sich nicht lange bitten – 14:19 (34.). Aufbäumen? Leidenschaft? Fehlanzeige. Es wurde immer schlimmer, denn nach dem 16:20 (36.) von Meurer gab es weitere sechs Gegentreffer hintereinander und spätestens mit dem 16:26 (40.) stellte sich die Frage nach dem Sieger nicht mehr. Die Gastgeber waren fortan keine Hausherren, sondern ein chancenloser Spielball der Ostwestfalen. Hier gab es die SGL, deren Abwehr eine Ansammlung von Löchern war und deren Spieler oft den schnellen Rückzug nach den zahllosen Ballverlusten verweigerten. Jeder schien so sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, dass eine Hilfe für den anderen kaum in Frage kam. Dort gab es die Mindener – gedankenschnell, jede Chance zum Gegenstoß sofort erfassend, flott auf den Beinen, technisch gut ausgebildet und hinten entschlossen. Beim 22:38 (54.) stand dann fest, dass die Zweite des Bundesligisten sogar die 40-Treffer-Marke knacken würde. Jonas Gertges traf bald per Siebenmeter zum 40:23 (57.).

Irre: Hätte nicht der von seinen Vorderleuten schmählich im Stich gelassene Keeper Alexander Riebau (so ähnlich ging es vorher Christian Thommessen) auf der Zielgeraden ein halbes Dutzend Glanzparaden gezeigt, wäre Langenfeld verdächtig nahe bei 50 Gegentoren gelandet. Fazit auf jeden Fall: In dieser Verfassung hat die SGL nicht die geringste Chance auf den Klassenerhalt und im Übrigen in der 3. Liga auch überhaupt nichts zu suchen.

SGL: Riebau, Thommessen – Wohlers, Heider, Jung, Preissegger, Heyde (3), Schirweit (2), Korbmacher (4), Eich (4/4), Boelken (4/1), Hüfken, Raschke, Meurer (8).

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