Handball: Debakel: Ein Abend voller Schmerzen

Handball : Debakel: Ein Abend voller Schmerzen

Handball-Landesligist SG Langenfeld II verlor das Spitzenspiel beim TSV Aufderhöhe II vollkommen verdient mit 18:25. Trainer Stefan Wagener war fassungslos, während sein Freund Dennis Werkmeister mit den Hausherren feiern durfte.

Was auf der Anzeigetafel stand, war mehr als eine einfache Niederlage für den Handball-Landesligisten SG Langenfeld II (SGL). Sicher ist, dass die 18:25 (10:14)-Pleite im Spitzenspiel beim TSV Aufderhöhe II direkte Folgen hat. Die erste: Langenfeld (30:10 Punkte) ist nur noch Dritter hinter Aufderhöhe (32:8) und der HSG Velbert/Heiligenhaus (31:9). Die zweite: Nach dem 34:28 aus der Hinrunde liegt die SGL im direkten Vergleich schlechter, der am Ende zwischen punktgleichen Kontrahenten entscheidet. "Ich habe im Moment keine Erklärung für das, was passiert ist", sagte SGL-Trainer Stefan Wagener, "ehrlich gesagt befinde ich mich in einer Art Schockstarre."

Der Schmerz der Gäste wurde beim Blick auf feiernde Solinger mindestens dreifach verstärkt. Erstens: Beim TSV Aufderhöhe II hatte Dennis Werkmeister das Kommando — jener Trainer, der im Grunde ja Ur-Langenfelder ist und ab der nächsten Serie die SGL-Zweite übernimmt. "Ich will unbedingt gewinnen und unbedingt Meister werden", hatte Werkmeister noch kurz vorher betont. Die persönliche Wertschätzung der Freunde (früher gemeinsam als Spieler und Jugendtrainer für die SGL unterwegs) musste demnach komplett ruhen.

Zweitens: TSV-Rechtsaußen Thomas Eich erzielte als ehemaliger Langenfelder zwei Treffer. Drittens: Aufderhöhes Rückraumspieler Tobias Kolletzko, erst vor dieser Saison aus der A-Jugend der SGL zum Nachbarn TSV gewechselt, schaffte aus dem rechten Rückraum sogar acht Tore. Viertens: Aufderhöhes Spielmacher Bastian Plaskocinski, einst in Verbandsliga-Zeiten ebenfalls in Langenfelds Erster beschäftigt, betätigte sich beeindruckend als Strippenzieher. Ein Regisseur mit derart viel Übersicht war bei den Gästen nicht mal ansatzweise zu erkennen. Wie der Mittelmann nach dem Wechsel auf 22:11 (47.) für die Gastgeber erhöhte, machte dann aus der Partie endgültig eine Demütigung. Plaskocinski (33), der sicher nicht als bester Spitzen-Sprinter durchgeht, trug einen Tempogegenstoß vor — bei dem er sich noch mal in aller Ruhe umsah, ehe er den Ball im Netz unterbrachte.

Langenfeld lieferte von Beginn an eine hohe Fehlerquote und traf in fast allen Szenen falsche Entscheidungen. Für Wagener wars ein Rätsel: "Wir haben die Woche vorher gut trainiert. Wir waren gut vorbereitet und die richtige Motivation war da. Und wir wussten genau, was Aufderhöhe macht. Doch wir haben nichts davon umsetzen können."

Nach der bereits bitteren ersten Hälfte verteilte der TSV bis zum 20:10 (50.) weitere sechs Ohrfeigen. Dass die SGL im Endspurt vom 12:23 (49.) auf 17:23 (55.) verkürzen durfte, lag vor allem an vielen auf die Gastgeber einprasselnden Zeitstrafen. Beim Stande von 17:24 (56.) vergab Plaskocinski einen Strafwurf, ehe Marc Lippkow mit dem 18:24 (59.) die Langenfelder Hoffnung auf ein Plus im direkten Vergleich erhielt und der TSV eine weitere Zeitstrafe kassierte. Dann entwischte Adrian Gehrt der SGL genau 18 Sekunden vor dem Abpfiff zum 25:18-Endstand (60.). Wenig später unternahm Stefan Wagener nicht mal im Ansatz den Versuch einer Ausrede. Der Einblick in sein Gemütsleben war vielmehr entwaffnend ehrlich: "Ich hatte noch nie nach einem Spiel das Gefühl, so verdient verloren zu haben."

SG Langenfeld II: Lemke, Scholl — P. Ißling (1), Intfeld (1), N. Haberland (1), T. Kniesche (4), M. Lippkow (2), Herbertz (1), Rappen (5), Wiebenga (1), F. Wansing, A. Haberland Körner (2), Voss.

(RP)
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