Das Rezept des Weltmeisters: Millimeter-Arbeit

Sportkegeln : Das Rezept des Weltmeisters: Millimeter-Arbeit

André Laukmann ist Titelverteidiger und Top-Favorit beim WM-Turnier in Langenfeld, das noch bis Samstag geht.

Er ist im Moment so etwas wie der König der Kugeln. Und fast alle Beobachter sind sich einig in ihrem Urteil: „Den kann keiner schlagen.“ Gemeint ist Sportkegler André Laukmann, für den die Weltmeisterschaft in Langenfeld beinahe ein Heimspiel ist und entsprechend die Manni-Jung-Kegelhalle am Freizeitpark sein aktuelles Wohnzimmer. Der 32-Jährige, der aus Frechen kommt, befindet sich momentan definitiv in einer herausragenden Form, wie er erst vor Kurzem bei den Deutschen Meisterschaften in Nordhorn unter Beweis stellte: Dort hatte er die nationale Konkurrenz im Griff. Kein Wunder: Beim WM-Turnier könnte er jetzt zum vierten Mal hintereinander Weltmeister werden. Dass die Sache schon entschieden sei, kommentiert er mit einer knappen Handbewegung: „Hört auf damit.“ Er hat Respekt vor der Konkurrenz.

André Laukmann ist erblich vorbelastet, denn die Eltern nahmen ihn früh mit zum Kegeln. Heute verdient er den Lebensunterhalt damit – allerdings weniger als Sportler, sondern als Betreiber einer Firma für Kegelbahn-Service. Auf diese Art bekommt er praktisch jeden Tag viele Kugeln in die Hand, während das speziell auf Leistung ausgerichtete Training „nur“ zusätzlich zwei Mal pro Woche auf dem Programm steht. Dass Sportkegeln manchmal immer noch den Ruf eines Kneipenvergnügens hat, stört ihn – weil dieses Urteil nicht nur seiner Meinung nach ungerecht ist und weniger als nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. „Beim Kegeln brauchst du immer die volle Konzentration“, betont Laukmann, „da geht es manchmal um Millimeter.“ Eine Schwächephase braucht nicht mal besonders lang zu sein – und kann trotzdem alle Chancen ruinieren.

Wenn Sportkegler einen Durchgang über 120 Würfe absolvieren, brauchen sie dafür rund 45 Minuten, die unter anderem die Muskulatur stark beanspruchen. Laukmann: „Außerdem musst du mit dem Kopf voll dabei sein.“ Das ist zumindest in diesen Monaten eine seiner ganz großen Stärken. Sobald er durch die Tür geht und die Bahn betritt, kann er alle vielleicht störenden Einflüsse abschalten und die Aufmerksamkeit in seinem persönlichen „Tunnel“ total aufs Kegeln richten. Eine besondere Erklärung für die gerade außergewöhnlich gute Form findet der Kegler aus Leidenschaft selbst nicht richtig: „Es läuft einfach. Ich staune da manchmal selbst.“ Er wählt Tempo und Aufsetzen der Kugel fast wie im Schlaf auf den Punkt genau richtig. Das war jetzt auch beim WM-Turnier in Langenfeld hin und wieder so – wie im Vorlauf des Team-Doppels Herren, als er zusammen mit Robert Heinichen einen Weltrekord erzielte. Wenn Laukmann sämtliche Disziplinen berücksichtigt (fünf) und das Aufwärmen ebenfalls einrechnet, kommt er bei den Weltmeisterschaften auf rund 1200 Wurf – ein Mammutprogramm, das nur bei passender Fitness erfolgreich zu bewältigen ist.

Klar: Der mehrmalige Weltmeister ist auch in der Bundesliga gefragt. Nach dem Rückzug der KSG Montan Holten-Duisburg am Ende der Saison 2017/2018 stellte sich die Frage: Was jetzt? Teamkollege Holger Parassini konnte helfen, denn er wollte zurück zu seinem Stammverein SK Heiligenhaus. Ihm schlossen sich Laukmann und Marcel Schneimann an, der ebenfalls viele Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften vorzuweisen hat. Aus dem erhofften Griff nach der Krone wurde anschließend trotzdem nichts, weil etwa Rückkehrer Parassini zu lange ausfiel und sich Heiligenhaus letztlich in der Meisterrunde mit Platz drei begnügen musste.

André Laukmann will die Sache nicht auf sich beruhen lassen: „Wir greifen in der nächsten Saison voll an.“ Wenn der König der Kugeln das sagt, dürfen sich Fans des Kegelns auf tollen Sport freuen – und vermutlich auf eine ereignisreiche Rest-WM, die nach Aussage des Langenfelder Sportwarts Ricky Zimmer auf jeden Fall ein voller Erfolg ist: „Wunderbar. Alles läuft reibungslos.“

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