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Lokalsport: Das Fußball-Wunder: Monheim ist Oberligist

Lokalsport : Das Fußball-Wunder: Monheim ist Oberligist

Beim Stande von 0:2 war in Rhede fast alles aus. Dann traf Philipp Hombach zum 1:2 - und Karim Afkir in der Nachspielzeit spät zum 2:2.

Für den winzigen Bruchteil einer Sekunde stand plötzlich die Welt still. Unten auf dem Platz hatte gerade Karim Afkir das 2:2 erzielt. Es war der späte Ausgleich im Qualifikations-Rückspiel beim VfL Rhede. Und es war ein Treffer für die Vereins-Geschichtsbücher, denn er katapultierte den FC Monheim (FCM) aus der Landesliga in die Fußball-Oberliga. Trainer Dennis Ruess handelte sofort und schickte die Fans, die auf den Platz laufen und eiern wollten, wieder energisch hinter die Absperrung. Schiedsrichter Florian Heien (Lüttingen) pfiff tatsächlich noch einmal an. Eine halbe Minute später war Feierabend und jetzt endgültig kein Monheimer mehr zu halten. Spieler kugelten wie Kinder auf dem Rasen herum, ziemlich jeder umarmte jeden. Mancher musste sich kneifen lassen, um in die Wirklichkeit zurückzukehren. Die sah schließlich bis kurz vor Schluss ernüchternd aus - 0:2. Der folgende Ablauf war mit normalen Maßstäben nicht zu erklären. Philipp Hombach erzielte das 1:2 (87.), ehe Karim Afkir den FCM in der sechsten Minute der Nachspielzeit mit dem 2:2 in den Fußball-Himmel beförderte. Nach dem 0:0 aus dem Qualifikations-Hinspiel reichte das Unentschieden wegen der auswärts erzielten Treffer zum Aufstieg.

 Die Siegerehrung: Trainer Dennis Ruess genoss den größten Triumph des FC Monheim zusammen mit seiner Frau Jennifer offensichtlich in vollen Zügen.
Die Siegerehrung: Trainer Dennis Ruess genoss den größten Triumph des FC Monheim zusammen mit seiner Frau Jennifer offensichtlich in vollen Zügen. Foto: Matzerath Ralph
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Die Gegensätze konnten krasser kaum sein: Hier schienen die Monheimer vor Begeisterung abzuheben, dort sackten die Rheder in sich zusammen. Keiner beim VfL begriff, wie den Gastgebern der Sieg noch entglitten war. Monheims Trainer Dennis Ruess bekam mit, wie es den Rhedern ging. Deshalb gratulierte er in einem Kreis zuerst kurz seiner eigenen Mannschaft. Wenig später war der FCM-Coach verschwunden, um ein paar Minuten bei den Hausherren und deren Trainer Javier Garcia Dinis zu verbringen. "Das tut mir echt ein bisschen weh für ihn", sagte Ruess, "er ist ein super Typ und ein toller Kollege. Ich weiß, wie brutal das für die sein muss." Die Geste passte zum großen Rahmen des Spiels, das rund 1000 Zuschauer sahen. Gut 200 davon waren die rund 105 Kilometer aus Monheim mit nach Rhede gekommen.

 Völlig losgelöst: Monheims Mannschaft war gut ausgerüstet - unter anderem mit Aufstiegs-T-Shirts und verschiedenen Kaltgetränken.
Völlig losgelöst: Monheims Mannschaft war gut ausgerüstet - unter anderem mit Aufstiegs-T-Shirts und verschiedenen Kaltgetränken. Foto: Ralph Matzerath

Der FCM wirkte zunächst seltsam gehemmt. Die 60-Tore-Offensive mit den drei Stürmern Dejan Lekic (22 Landesliga-Treffer), Karim Afkir (21) und Eray Bastas (12) sowie Regisseur Philipp Hombach (15) produzierte null Gefahr. Dass Monheim über die größeren spielerischen Mittel verfügen könnte, ließ sich bestenfalls erahnen. Die erste Chance für den VfL (24./Kopfball Marvin Bölting) ergab sich nach einem weit hereingeschlagenen Freistoß. Bezeichnend: Der FCM wirkte am Rückstand mit, denn er verlor im Mittelfeld unnötig den Ball - 0:1 (30./Martin Schüring). Der Versuch des Monheimer Kapitäns Patrick Becker in den Nachmittags-Himmel (32.) und der falsche Einwurf von Dejan Lekic (45.) belegten ebenfalls, dass der FCM sein Potenzial nicht annähernd ausschöpfte.

Monheim wirkte in der zweiten Hälfte wacher. Der Kopfball von Becker (52.) fiel trotzdem zu harmlos aus, Afkir (55.) traf den Ball nicht richtig und der Versuch von Hombach (56.) ging hoch drüber. Noch bitterer für die Gäste: Ein weiterer Ballverlust leitete das 0:2 ein (63./Schüring) und niemand hätte in dieser Phase einen Cent auf den FCM gesetzt. Die Partie wäre gelaufen gewesen, wenn der freie Martin Schüring in der 75. Minute nicht am glänzend reagierenden Monheimer Keeper Pascal Scheler gescheitert wäre. Gleichzeitig wollte Rhede nun jede sich bietende Gelegenheit zur Spielverzögerung nutzen - was sich am Ende nicht wirklich auszahlte. Als Philipp Hombach, bester Monheimer an diesem Nachmittag, drei Minuten vor dem Ende auf 1:2 (87.) verkürzte, begann auf einmal eine ganz andere Partie. Der FCM war plötzlich voll im Endspiel-Modus.

Der Unparteiische hatte gerade fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt, als der VfL-Torhüter gegen Ayhan Atar rettete (90.). Kurz darauf (90.+1) begann Dejan Lekic zu humpeln - biss jedoch auf die Zähne und warf sich wieder ins Getümmel. In der angezeigten Nachspielzeit übertrieb es Rhede erneut mit seiner Verzögerungs-Taktik - und Spielleiter Heien, der hier korrekt handelte, gab etwas weitere Zeit hinzu. Da schlug die große Stunde von Karim Afkir, der bis dahin nicht seinen besten Tag hatte. Nun brachte er den Ball jedoch in der sechsten Minute der Nachspielzeit wie ein echter Torjäger mit Wucht unter. Dann stand für den winzigen Bruchteil einer Sekunde die Welt still. Es war einer jener Treffer, die immer besonders bleiben werden. Der FC Monheim spielt in der kommenden Saison in der Fußball-Oberliga.

(RP)