Das Drama: Ein Schlag in die Magengrube

Abstiegskampf: Das Drama: Ein Schlag in die Magengrube

Der personell gebeutelte Handball-Drittligist SG Langenfeld kämpfte gegen die Panther leidenschaftlich, verlor aber mit 25:26.

Viele ließen sich einfach auf den Boden sinken. Trainer Markus Becker richtete seinen Blick irgendwo ins Leere. Alle zusammen konnten kaum fassen, was sie gerade erlebt hatten – es war wie ein brutaler Schlag in die Magengrube. Der personell ausgedünnte Handball-Drittligist SG Langenfeld (SGL) bastelte im Heimspiel gegen die Bergischen Panther mit Hingabe und Leidenschaft an einem Wunder, das tatsächlich wahr zu werden schien – und für den weiteren Kampf um den Klassenerhalt frischer Treibstoff gewesen wäre. Langenfeld führte durch den Treffer von André Boelken mit 25:23 (55.). Die Panther glichen übers 24:25 (55.) zum 25:25 aus (57.), ehe Simon Wolter das 26:25 (59.) gelang. Es war die einzige Führung der Gäste. Und der Endstand. Und das Aus für die SGL, die am Ende noch einmal in Ballbesitz kam und zur Ideenfindung eine finale Auszeit nahm – erfolglos. Wenig später stand die Niederlage fest, die Langenfeld mit 1:19 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz festhält.

Ein Tröstungsversuch kam von Gäste-Trainer Marcel Mutz, der sich als fairer Sieger erwies. „Glückwunsch an Langenfeld für diese Leistung. Unser Sieg war so was von unverdient“, sagte der Panther-Coach, „dieses Spiel hätten wir nie gewinnen dürfen.“ Kollege Becker stand daneben – und wirkte, als hätte er in die sauerste Zitrone der Welt gebissen. „Ich kann meiner Mannschaft gar keinen Vorwurf machen. Wir spielen nicht wie ein Absteiger, holen aber die verdammten Punkte nicht.“ Für ihn stand fest, was in den kommenden Tagen zu bewältigen ist. „Es wird unheimlich schwierig, das moralisch und psychologisch wieder hinzukriegen“, meinte Becker. Dreifach belastend: Die SGL verlor zum dritten Mal innerhalb eines Monats mit 25:26. Am 29. September ging es gegen die SG Schalksmühle-Halver Dragons los und erst vor einer Woche folgte der Krimi beim Northeimer HC.

Der Aufsteiger ging mit riesigen personellen Sorgen ins Duell mit dem Rivalen aus dem Bergischen. Neben Maurice Meurer (Knie) fehlten André Eich, Vinzenz Preissegger (beide private Gründe) und Mats Heyde (Dienst). Um keine verwaiste Bank ertragen zu müssen, rückten Andreas Nelte und Philipp Ißling hoch, die unmittelbar vorher mit ihrer zweiten Mannschaft in der Oberliga gespielt hatten. Startaufstellung: Alexander Riebau (Tor), Jan Hüfken (Linksaußen), Felix Korbmacher (Rückraum links), André Boelken (Rückraum Mitte), Henrik Heider (Rückraum links), Dominik Jung (Rechtsaußen), Nils Raschke – ein nur in der Abwehr eingesetzter Kreisläufer. Die anderen auf der Bank: Jan Schirweit, Nelte und Ißling – drei weitere gelernte Kreisläufer. Damit waren taktische Pläne und Wechselmöglichkeiten stark eingeschränkt. Folge: Der Rückraum mit Korbmacher, Boelken und Heider musste so komplett durchspielen.

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Trotzdem investierte die SGL von der ersten Sekunde an ein hohes Tempo, das behäbige Panther vor Rätsel stellte. Nach dem 3:0 (3.) machte die SGL aus dem 3:3 (8.) die 6:3-Führung (12.), die Panther-Trainer Mutz zur ersten Auszeit veranlasste. Etwas später erhöhte Felix Korbmacher auf 11:6 (17.) und Mutz rief seine Spieler zu einer zweiten Auszeit zusammen. Die Wirkung blieb bescheiden, zumal Langenfeld fast immer Lösungen fand. Beispiel: Als André Boelken eine Zeitstrafe absaß, erzielte Korbmacher aus nahezu unmöglichem Winkel in Unterzahl das 13:10 (29.). Dass die Gäste bis zur Pause auf 12:13 herankamen, hätten sich die Hausherren sogar ersparen können. Beispiel: Neben Boelken saß jetzt Dominik Jung mit einer Zeitstrafe draußen. Dennoch erarbeitete sich die SGL den freien Wurf von Jan Hüfken – der die Chance zum 14:11 nicht nutzen konnte.

Die zweite Halbzeit blieb ein Akt der höchsten Leidenschaft und Langenfeld führte beim 20:16 (41.) noch einmal mit vier Treffern Differenz. Die folgende Viertelstunde war der lange Anlauf in eine packende Schlussphase – 21:19 (45.), 22:20 (48.), 23:21 (50.), 24:22 (51.), 25:23 (55.). Der Rest musste Langenfeld später wie ein Alptraum vorkommen. Und selbst einer wie Felix Korbmacher, der als vorgezogener Deckungsspieler und achtfacher Torschütze aus einem großartig kämpfenden Team herausragte, konnte mit seiner tollen Bilanz wenig anfangen. Der Schlag in die Magengrube saß einfach zu tief.

SGL: Riebau, Thommessen – Heider (3), Jung (4), Schirweit (1), Korbmacher (8), Boelken (4), Hüfken (5/2), Raschke, Ißling, Nelte.

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