Das Comeback: Handballer leben wieder

Handball: Das Comeback: Handballer leben wieder

Der Drittligist SG Langenfeld verlor beim Leichlinger TV mit 28:30, gewann aber Zuversicht für den weiteren Kampf gegen den Abstieg.

Das war nicht dieselbe Mannschaft. Diesmal steckte in den Trikots tatsächlich ein Handball-Drittligist – der noch vor einer Woche die fristlose Kündigung im Kampf um den Klassenerhalt eingereicht zu haben schien. Und der Aufsteiger SG Langenfeld (SGL) war nach dem 25:41 gegen den TSV GWD Minden II zur Partie beim Leichlinger TV (LTV) offensichtlich mit dem festen Vorsatz der Wiedergutmachung angetreten. Dann arbeitete das Team des neuen Trainers Markus Becker sogar hartnäckig daran, alle Prognosen über den Haufen zu werfen. Bis weit in die zweite Halbzeit hinein lag eine Überraschung in der Luft. Dass es trotz einer kämpferisch starken Vorstellung mit dem 28:30 (18:16) kein Happy End gab, war tatsächlich unglücklich. In der entscheidenden Phase ließ Langenfeld einige Chancen ungenutzt.

Der einstige Co-Trainer Becker, der in der vergangenen Woche nach dem Rücktritt von Jurek Tomasik die Verantwortung als Chefcoach übernommen hatte, machte seinen Spielern jedoch nicht den geringsten Vorwurf. Er zog aus dem Auftritt eher eine Menge Zuversicht: „In der Mannschaft war eine unglaublich positive Stimmung. Da waren so viel Kampf und Leidenschaft. Wir haben perfekt umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“ Ein Punkt: Die kurze Deckung gegen Leichlingens Spielmacher Valdas Novickis funktionierte optimal. Den pomadigen Leichlingern, die vielleicht nur über die Höhe des Sieges nachgedacht hatten, fiel praktisch kein Gegenmittel ein. Novickis (ohne Treffer) wirkte zunehmend genervt und verzog sich später von seiner Position in der Mitte auf Außen.

Dass Novickis nicht stattfand, lag an Felix Korbmacher, der seine Rolle als vorgezogener Deckungsspieler herausragend interpretierte und im zweiten Jahr bei der SGL seine bislang stärkste Leistung bot. Neben der Aufgabe als Schattenmann des LTV-Regisseurs füllte Korbmacher mit sechs Treffern auch den ihm zugedachten Teil im Angriff aus. Bester Werfer bei den Gästen war Maurice Meurer, der es auf zehn Treffer brachte – darunter nicht wenige von der „falschen“ Seite im rechten Rückraum. Dritte herausragende Kraft war Alexander Riebau, denn der Keeper wehrte zahlreiche selbst sehr schwierig zu haltende Bälle ab.

Halbwegs zu den Erwartungen passte höchstens der Beginn, weil die Gastgeber hier durch das zweite Tor des Ex-Langenfelders Tim Menzlaff ein 7:4 vorlegten (11.). Mit viel Tempo und Entschlossenheit sorgte Langenfeld für die Wende – 8:10 (18.), 10:10 (19.), 12:10 (21.), 12:12 (23.), 14:14 (27.), 18:16 (30.). Leichlingen rannte jetzt in den Irrtum, alles werde sich in der zweiten Halbzeit zu seinen Gunsten drehen. Als Jan Hüfken den Tempogegenstoß zum 24:21 (44.) genutzt hatte, schien aber tatsächlich ein Langenfelder Erfolg drin zu sein. „Wir haben um die Niederlage gebettelt“, gab LTV-Trainer Lars Hepp zu.

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Die SGL zog aus zwei Gründen den Kürzeren. Erstens spielte der LTV erneut seine hart an Lethargie grenzende Ruhe in brenzligen Situationen aus. Deshalb war beim 26:26 (50.) wieder alles offen. Außerdem ließ Langenfeld jetzt ein paar Chancen zu viel liegen. Beispiel: Nach einem Foul an Mats Heyde scheiterte André Boelken mit dem Siebenmeter an Leichlingens Torhüter Mathis Stecken (51.). Statt des 27:26 hieß es wenig später 26:27 (52.), ehe LTV-Außen Mike Schulz nachlegte – 26:28, 26:29 (55.). Einer der Pechvögel des Abends war Jan Hüfken, der zunächst mit einem Siebenmeter ebenfalls an Stecken scheiterte (57.). Dominik Jung (57.) und André Eich (57./Siebenmeter) verkürzten auf 28:29, ehe die Glanzparade von Riebau die Basis für den folgenden Angriff legte – den Langenfeld gut ausspielte. Haken: Hüfken traf von Außen nur den Innenpfosten (59.). Kurz darauf gab es eine Zeitstrafe gegen André Boelken (60.) und Leichlingen sorgte durch David Kreckler in Überzahl fürs 30:28 (60.).

Während der LTV mit zwei blauen Augen davonkam, musste Aufsteiger Langenfeld das Geschehen richtig einordnen – was kompliziert war, weil sofort das Nachkarten begann. „Ich bin zufrieden“, betonte etwa Felix Korbmacher, der allerdings lieber etwas Zählbares in der Hand gehabt hätte – weil sich die SGL für das Lob wenig kaufen kann. „Kompliment an Langenfeld“, sagte etwa Leichlingens Tim Menzlaff, „das war eine ganz starke Leistung.“ Dennis Werkmeister, der Sportliche Leiter der SGL, fasst seinen Standpunkt knapp zusammen: „So stelle ich mir die Mannschaft immer vor.“ Trainer Markus Becker drehte die Analyse nach vorne: „Das war ein Spiel, auf dem man aufbauen kann.“

Bereits am kommenden Samstag (19.30 Uhr, Halle Konrad-Adenauer-Gymnasium) geht es gegen den Longericher SC mit dem Ex-Langenfelder Dustin Thöne. Die SGL wird erneut nur dann zu einem anständigen Ergebnis kommen können, wenn in ihren Trikots wieder ein echter Drittligist steckt.

SGL: Riebau, Thommessen – Heider, Jung (3), Wolter, Preissegger, Heyde, Schirweit (1), Korbmacher (6), Eich (1/1), Boelken (5/3), Hüfken (2), Raschke, Meurer (10).