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Motorsport: Comeback: Tim Bergmeister ist wieder da – und fit wie noch nie

Motorsport : Comeback: Tim Bergmeister ist wieder da – und fit wie noch nie

Motorsportler kehrt nach seinem Horror-Unfall vom 4. Mai 2012 zurück auf die Rennstrecke.

Er redet darüber, als wäre gerade der Einkaufszettel für die nötigsten Besorgungen fertig geworden — klar, sachlich, ohne erkennbare Emotionen, ohne Zweifel, ohne Bitterkeit. "Mir war doch von Anfang an klar, dass ich weiterfahre", sagt Tim Bergmeister.

Damit meint der 37-Jährige immerhin jene heftigen Tage im Frühjahr 2012, in denen er nach einem schweren Unfall am 4. Mai beim Rennen der Serie Super GT in Fuji (Japan) vorübergehend sehr ernsthaft um sein Leben bangen musste. Bergmeisters Porsche 911 GT 3 R des Teams Art Taste verselbstständigte sich bei Höchstgeschwindigkeit wegen eines technischen Defekts (Reifen geplatzt). Die folgenden Horror-Szenen mit dem Einschlag in die Streckenbegrenzung waren der Anlass für schlimmste Befürchtungen.

Im Krankenhaus stellten die Ärzte viele Brüche (14 Rippen, Schlüsselbein, Schulterblätter) und eine Verletzung der Lunge fest, deren linker Flügel besonders stark in Mitleidenschaft gezogen und deshalb das größte Sorgenkind war. Das Ende der sportlichen Karriere schien für manche bereits besiegelt zu sein — und angesichts aller Umstände sogar das deutlich kleinere Übel. Tim Bergmeister dachte allerdings keine Sekunde daran, sich von seiner Leidenschaft Motorsport zu trennen. Viel lieber nahm sofort mit der ihm eigenen Zähigkeit den Kampf für ein Comeback auf.

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Sechs Tage nach dem Unfall und kurz nach der Operation an der Lunge verließ er bereits sein Bett, um wenigstens kurz auf den eigenen Beinen zu stehen. Die Mediziner hatten einen mehrmonatigen Klinik-Aufenthalt bis zur Rückkehr nach Deutschland erwartet — aber nicht mit dem eisernen Willen ihres Patienten gerechnet, der tatsächlich schon nach drei Wochen zurück in die Heimat flog, um sich dort im Richrather Krankenhaus vorzustellen. Es kam, wie es kommen musste: Tim Bergmeister konnte schon ein paar Tage darauf erneut umziehen und von zu Hause aus die weiteren Maßnahmen vorantreiben.

Am Anfang stand ein ebenso vorsichtiges wie intensives Reha-Training. Tim Bergmeister war sogar optimistisch, bereits am 29. Juli wieder in Japan ein Rennen zu bestreiten. Der Plan scheiterte nur deshalb, weil das Team Art Taste kurz vorher den Rückzug aus der Serie Super GT vollzog. Bergmeister, der jetzt unter Beibehaltung der Bezüge praktisch einen bezahlten Urlaub hatte, nutzte die gewonnene freie Zeit und trainierte noch intensiver. Sein Fazit heute: "Ich bin so fit wie noch nie."

Und ganz nebenbei ist beschlossene Sache, dass der Motorsport-Verrückte bald wieder um Meisterschaftspunkte fährt. Den ersten Einsatz in einem echten Renn-Cockpit hat er dabei — was sonst — schon hinter sich. Kurz vor Weihnachten war er in einem Porsche 911 GT 3 Cup auf der MotorSport Ranch in Cresson (Texas) unterwegs — so schnell wie früher, als hätte es nie einen Unfall gegeben. Bergmeister: "Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, mich einzugewöhnen."

Die Reise war auch kein Muster ohne Wert zur persönlichen Beruhigung, sondern ein wichtiger Hinweis für die Zukunft. Ganz konkret ist sicher, dass Tim Bergmeister fürs 2010 gegründete Team Effort Racing aus Texas in der Klasse GTC vier Rennen in der American Le Mans Series 2013 bestreiten wird. Außerdem gibt es Gespräche über ein neues Engagement in der japanischen Super GT, in die Tim Bergmeister gerne zurückkehren würde.

Berührungsängste oder gar Angst nach dem Unfall sind ihm ohnehin fremd. "Für mich war immer klar, dass so etwas passieren kann. Und für mich war das damals alles auch nicht so schlimm wie für meine Familie", betont Bergmeister. Dass er wieder ins Rennauto steigt, war deshalb für keinen eine große Überraschung: "Meine Frau Yvonne hat sogar gesagt, dass sie sich mehr Sorgen macht, wenn ich nicht mehr fahre."

Vom sieben Jahre alten Sohn kam erst recht kein Widerstand, denn Jakob Bergmeister beherrscht längst ein Rennkart sehr ordentlich. Wer Bergmeister heißt, kann offensichtlich nicht anders. Er hat die Geschwindigkeit im Blut. Das ist so selbstverständlich wie für andere Menschen der Einkaufszettel mit den nötigsten Besorgungen.

(RP/rl)