Lokalsport: Bergmeister träumt wieder von Le Mans

Lokalsport: Bergmeister träumt wieder von Le Mans

Der Langenfelder Motorsportler fährt für "Project 1" in einem Porsche 911 RSR die Langstrecken-Weltmeisterschaft.

Es gibt bestimmt schlimmere Schicksale, als in diesen Tagen bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad auf Teneriffa sein zu müssen. Hört sich auf jeden Fall nach einer prima Urlaubs-Atmosphäre an. Und wenn einer dann noch Geburtstag hat, spricht das doch für Abschalten und Erholung. Jörg Bergmeister geht auch an sein Telefon, hat es aber eilig: "Ich laufe gerade." Nachdem er kurz durchatmen durfte, geht es wieder los - und es bleibt keine Luft mehr zum Reden. Die Erklärung ist einfach: Porsche hat seine Werksfahrer zum üblichen Fitness-Training zusammengerufen. Manche nennen es sogar "Boot-Camp". Dass Bergmeister jetzt 42 Jahre alt und damit der erfahrenste Werksfahrer ist, hilft ihm in diesem Zusammenhang wenig. Er zeigt lieber, dass er den Vergleich mit den jüngeren Teamkollegen nicht scheut. Außerdem wurde gerade rechtzeitig vor dem Abflug auf die Kanaren-Insel amtlich, was sich zuletzt angedeutet hatte. Bergmeister betritt noch einmal Neuland. "Project 1" heißt das Unternehmen, dem er fast entgegenfiebert. Mit diesem Team kehrt Bergmeister in die World Endurance Championship zurück (WEC), in die Langstrecken-Weltmeisterschaft.

So macht das Spaß: Jörg Bergmeister übt seinen Beruf offensichtlich immer noch mit Begeisterung aus. Foto: Porsche AG

"Project 1" ist ein deutsches Team aus Lohne, das bisher im Porsche-Carrera-Cup mit einem Porsche 911 GT 3 Cup sehr erfolgreich war - und das Bergmeister aus seiner früheren Zeit in dieser Serie gut kennt. Das interne Motto: "Be cool. Be fast. Be first." Das scheinen sich zwei perfekte Partner gefunden zu haben, den Jörg Bergmeister gilt als kühler Analytiker, der auch schnell ist und am liebsten gewinnt. Dass der Einsatz eines brandneuen Porsche 911 RSR besondere Herausforderungen mit sich bringt, ist allen Beteiligten klar. "Wir wissen, dass es harte Arbeit wird", sagt etwa Project-1-Projektleiter Axel Funke, "aber wir fühlen uns dem gewachsen und wir haben ein klares Ziel."Dieses Ziel liegt in Frankreich und heißt Le Mans - jenes legendäre 24-Stunden-Rennen, bei dem Bergmeister bis 2016 genau 15 Mal hintereinander am Start war. Nach einer Pause im Jahr 2017 kehrt der Langenfelder nun auf die Strecke zurück, die einmal im Jahr das klare Zentrum der Motorsport-Welt ist und diesmal am 16./17. Juni auf dem Programm steht. Offiziell beginnt die WEC am 6. und 7. April mit dem Prolog in Le Castellet (Frankreich). Es sind die beinahe amtlichen Testtage, die dann auch zum ersten Mal den Stand der Dinge bei der Konkurrenz zeigen. Das erste WEC-Rennen folgt am 3. Mai bei den sechs Stunden von Spa-Francorchamps in Belgien. Bergmeisters Vorteil: Er kennt sämtliche Strecken. Außerdem weiß er alles über Langstrecken-Veranstaltungen und den Porsche 911 RSR.

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"Ich freue mich sehr darauf, mein Wissen und meine Erfahrung einzubringen", meint Bergmeister, "und ich glaube, dass wir gut aufgestellt sind." Mindestens einen der Fahrer-Kollegen bei "Project 1" kennt er bestens: Patrick Lindsey. Der Amerikaner ist in den USA der Team-Eigner von Park Place Motorsports aus Texas und bildet in der WeatherTech SportsCar Championship nun bereits im dritten Jahr mit Bergmeister ein Fahrer-Duo. Lindsey kam 2017 beim Besuch in Frankreich auf den Geschmack und war seitdem mit dem Le-Mans-Virus infiziert. "Für mich geht ein Traum in Erfüllung, erstmals mit dem RSR an den Start zu gehen. Jörg wird mir bei meiner neuen Herausforderung unter die Arme greifen." Dritter im Bunde ist der in der Schweiz geborene Norweger Egidio Perfetti. Gemeinsam wollen die drei nicht nur einfach mitfahren. Gemeinsam haben sie auch den Traum vom Le-Mans-Sieg in der Klasse GTE-Am. Und dafür quält sich Jörg Bergmeister selbst am Geburtstag im "Boot-Camp" auf Teneriffa ganz gerne.

(RP)