Motorsport: Bergmeister "rast" als Zuschauer auf Platz drei

Motorsport : Bergmeister "rast" als Zuschauer auf Platz drei

Langenfelder Motorsportler kam in Fuji gar nicht zum Einsatz, weil das vom starken Regen beeinflusste Rennen abgebrochen wurde.

Das Programm klang schon vorher nach Abenteuer. Außerdem hatte Jörg Bergmeister mal wieder einen weiten Weg zurückzulegen, um seinen beruflichen Verpflichtungen als Porsche-Werksfahrer nachgehen zu können. Für den sechsten Lauf in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (World Endurance Championship/WEC) hatten die Verantwortlichen schließlich den "Fuji International Speedway" festgemacht. Was der Langenfelder dann in Japan erlebte, war selbst für ihn ungewöhnlich – der in seiner inzwischen ebenso langen wie erfolgreichen Karriere als Motorsportler bereits einiges mitgemacht hat. Richtige Begeisterung hatte der 37-Jährige bei der Heimreise allerdings nicht im Gepäck. Dafür gab es einen knackigen Kurzkommentar: "Mist." Dabei stand Motorsport-Profi am Ende auch noch auf dem Treppchen – ohne im Rennen eine einzige Runde absolviert zu haben. Wegen des phasenweise extrem starken Regens entschieden sich die Verantwortlichen dazu, das Rennen nach drei Startversuchen und 16 Runden hinter dem Safety-Car abzubrechen.

Ausgezeichnet: Bei der Siegerehrung hatten Jörg Bergmeister (rechts) und Patrick Pilet ihren Humor wiedergefunden – auch für die Fans. Foto: Porsche AG

"Da haben sie die sichere Variante gewählt", fand Jörg Bergmeister, "wir haben zwischendurch immer noch damit gerechnet, dass wir fahren können." Zu diesem Zeitpunkt war Bergmeister sowieso Zuschauer, weil der erste Abschnitt des Sechs-Stunden-Rennens im Porsche 911 RSR seinem Teamkollegen Patrick Pilet gehörte. Dem Teamkollegen hatte der Langenfelder den gemeinsamen Dienstwagen immerhin in die Start-Aufstellung stellen dürfen – in der "Recon-Lap" (Formationsrunde), die in der Box des Teams beginnt und auf der Strecke an der markierten Startposition endet. Innerhalb der dafür vorgesehenen Zeitspanne konnte sich Bergmeister auf jeden Fall für ein paar Augenblicke mit den Mengen an Wasser anfreunden: "Bei Tempo 120 ging das schon mit dem Aquaplaning los."

Das Wasser in Fuji wäre normalerweise sogar hilfreich gewesen, da der Porsche im Regen ganz gut funktioniert und so Nachteile auf langen Geraden eher wettmachen kann. Patrick Pilet bekam jedoch nie die Chance, das Potenzial des Autos auszuschöpfen, weil das Safety-Car direkt an die Geschwindigkeit drosselte. Dass Bergmeister/Pilet ihren vierten Platz aus dem Qualifying (Zeittraining) trotzdem in Rang drei ummünzen konnten, lag an einem Mitbewerber, der auf dem rutschigen Untergrund von der Strecke abkam. Bergmeister staunte: "Da durften wir bei der Siegerehrung sogar mit aufs Podium." Noch verblüffender fand er dann, dass die geduldig auf den Tribünen ausharrenden Fans den Fahrern viel Beifall spendeten. "Das wäre in Europa wohl unvorstellbar", meinte der Langenfelder, "es war ein komisches Gefühl, da oben zu stehen."

Während die sportliche Ausbeute trotz des enormen Aufwands keinen begeistern konnte, hatte Jörg Bergmeister für Land und Leute nur lobende Worte übrig: "Ich fühle mich in Japan immer ganz wohl." Ganz nebenbei nutzte er die Gelegenheit, das "Medical Center" zu besuchen. um sich dort noch einmal für die Hilfe von 2012 zu bedanken. Damals war Jörg Bergmeister gemeinsam mit seinem Bruder Tim (38) am 4. Mai bei einem Rennen der Serie Super GT in Fuji im Einsatz. Tim Bergmeister erlitt dann bei Höchsttempo auf der langen Zielgeraden einen Horror-Unfall, den er auch wegen der kompetenten medizinischen Hilfe an Ort und Stelle überlebte. Später arbeitete sich Tim Bergmeister mit der ihm eigenen Zähigkeit wieder ins Rennauto zurück. Vielleicht produziert Fuji ja beim nächsten Mal nur sportliche Nachrichten. Ein Rennsieg wäre sicher etwas, womit Jörg Bergmeister am meisten anfangen könnte.

(RP)