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Lokalsport: Bergmeister ist heiß auf "seine" 24 Stunden

Lokalsport : Bergmeister ist heiß auf "seine" 24 Stunden

Der Langenfelder, der noch nie einen Gesamtsieg auf dem Nürburgring geholt hat, traut dem Falken-Porsche eine Top-Position zu.

Er hat bereits Rennen auf der ganzen Welt gewonnen. Jörg Bergmeister war bei den 24 Stunden in Le Mans (Frankreich) und bei den 24 Stunden von Daytona (Florida) erfolgreich. Auch bei den 12 Stunden von Sebring (ebenfalls Florida) konnte er von der obersten Stufe des Siegerpodiums reichlich Champag-ner verspritzen. Am Anfang seiner Karriere gewann er vor mehr als 20 Jahren Rennen in der Formel König und etwas später den Porsche-Carrera-Cup sowie den Porsche-Supercup. Als Porsche-Werksfahrer etablierte er sich in den USA unter den besten GT-Piloten der Welt - unter anderem durch fünf Titel in der American Le Mans Series. Die Liste lässt sich fortsetzen, doch ein bestimmtes Puzzleteil wird trotzdem fehlen. Fast nicht zu glauben: Ausgerechnet vor der eigenen Haustür hat Jörg Bergmeister noch nie gewonnen. "Ein Gesamtsieg bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring fehlt mir", bestätigt der 41-Jährige, der den Eifelkurs natürlich wie seine Westentasche kennt. Kein Wunder: Die Mischung aus Grand-Prix-Strecke und Mythos Nordschleife findet nur etwas mehr als 100 Kilometer von Langenfeld entfernt statt.

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Trotzdem ist diesmal vieles neu für den erfahrenen Renn-Profi. Natürlich vertritt er wieder die Interessen von Porsche, aber nicht in einem vom Werk organisierten Team. Seit Anfang dieses Jahres bereitet sich Bergmeister mit Falken Motorsports auf den Einsatz bei den 24 Stunden vor - mit dem in Offenbach ansässigen Werksteam des japanischen Reifenherstellers. Von Beginn an lag ein Schwerpunkt auf der Entwicklung der Reifen für die Saison und den Höhepunkt des Jahres auf dem Nürburgring. "Wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben", betont Bergmeister. Ihm kommt es sehr entgegen, nicht nur den rund 500 PS starken Porsche 911 GT 3 R so schnell wie möglich über die Strecke zu steuern - sondern auch am Optimieren von Prozessen und Produkten mitarbeiten zu können.

Das Fahrerquartett für den Einsatz rund um die Uhr bildet Bergmeister gemeinsam mit Dirk Werner (Würzburg), Laurens Vanthoor (Belgien) und Martin Ragginger (Österreich). "Das ist eine starke Fahrerbesetzung", betont der Langenfelder. Beim Qualifikationsrennen für die 24 Stunden vor vier Wochen gab das Trio mit Bergmeister/Werner/Vanthoor eine beeindruckende Kostprobe seines Könnens ab, denn die drei brachten den Porsche auf Rang drei ins Ziel. Die Konkurrenz ist groß - und kommt in einem Fall sogar aus dem eigenen Haus, denn Falken Motorsports wagt einen Doppel-Einsatz. Zweites Eisen im Feuer ist ein BMW M 6 GT 3 mit Peter Dumbreck (Großbritannien), Alexandre Imperatori (Schweiz), Stef Dusseldorp (Niederlande) und Marco Seefried (Österreich). Der Einsatz läuft parallel und doch getrennt, denn die beiden Hersteller schneller Dienstfahrzeuge verfolgen technisch nicht immer dieselben Interessen. Punkte der Zusammenarbeit sind natürlich trotzdem da: Sollte zum Beispiel auf der Strecke eine Ölspur oder eine andere Gefahrenquelle auftauchen, gilt das Prinzip des kurzen Drahts.

Jörg Bergmeister weiß genau, wie viele Unwägbarkeiten ein 24-Stunden-Rennen bieten kann - weil das Rennen am Nachmittag beginnt und selbst top-trainierte Profis bis zum Nachmittag des nächsten Tages an ihre Grenzen bringt. Trotzdem sind beim Langenfelder die Leidenschaft und der feste Wille zu spüren, bei der Entscheidung ein größeres Wort mitzureden. "Das ist unsere Zielsetzung, ganz vorne mitzufahren", sagt Bergmeister. Und die Konkurrenz hat den Falken-Porsche auch auf der Rechnung - was viel heißt, denn das Teilnehmerfeld verspricht erneut einen extrem harten Kampf um den Sieg. In den Jahren 2014 und 2015 ging der Triumph an Audi, während 2016 ein echtes Mercedes-Jahr war.

Die persönliche Generalprobe für Jörg Bergmeister fand in Kanada beim dritten Rennen der Pirelli World Challenge statt - und war erfolgreich. Für Wright Motorsports teilte sich Bergmeister die Arbeit am Steuer eines Porsche 911 GT 3 R mit seinem US-Freund Patrick Long. Die beiden waren auf dem besten Weg zu einem Sieg, der ihnen dann in einer Gelb-Phase hinter dem auf die Strecke gekommene Safety Car aus den Händen glitt. Ganz vorne durfte plötzlich ein Cadillac unbehelligt enteilen. "Eine Runde holst du in einem solch kurzen Rennen nicht mehr auf", erklärte Bergmeister, der als Zweiter über die Ziellinie fuhr. Pech für alle: Das zweite Rennen des Wochenendes fiel nach heftigen Regenfällen ins Wasser.

Nach der Rückkehr ins Rheinland ging ohne Pause die Vorbereitung aufs 24-Stunden-Spektakel weiter, das am Samstag um 15.30 Uhr beginnt und am Sonntag um 15.30 Uhr endet. Gestern machte sich Bergmeister auf den Weg in die Eifel, um mit Falken Motorsports die letzten Schritte in Angriff zu nehmen. Heute und morgen geht es in den Qualifyings zur Sache - und die Zeiten werden weitere Hinweise dafür liefern, wer seine Hausaufgaben sorgfältig gemacht hat. Eins ist klar: Jörg Bergmeister hat schon viele Rennen in der ganzen Welt gewonnen. Deshalb fährt er nicht zu Rock am Ring. Er will den Ring rocken.

(RP)