Lokalsport: Beim Boxen fliegen die Fäuste fair

Lokalsport : Beim Boxen fliegen die Fäuste fair

Die Sportart boomt bei der SG Monheim - auch als Selbstverteidigung: "Schläger haben bei uns keinen Platz."

Sie ächzen und schwitzen bei Liegestütz, Hampelmann und Klappmesser. Und manche machen auch schlapp - zumindest für ein paar Minuten. Die 25 Minuten für Ausdauer und Schnellkraft, die üblicherweise dem Box- und Kickboxtraining bei der Sportgemeinschaft Monheim (SGM) vorgeschaltet sind, haben es in sich. Trainer Rafal Wesolowski ist ein richtiger Schleifer. Dennoch ist die Sporthalle an der Wilhelm-Busch-Schule voll mit Mädchen und Jungs im Alter von 15 bis 20 Jahren, die Spaß am Kampfsport haben.

Celina Ronca (14) ist ein drahtiges junges Mädchen, das einfach gerne boxt - vor allen Dingen zur Selbstverteidigung. "Das macht einen Riesenspaß", sagt sie außer Atem, "ich schaff' das schon hier." Auch Nesat Rusidov ist ein großer Box-Fan, der seit einem Jahr und vier Monaten regelmäßig bei der SGM trainiert. "Boxen war schon immer mein Traum", sagt der durchtrainierte 16-Jährige, "hier wird er wahr."

Am Samstag können die Nachwuchs-Sportler in der Volkshochschule Monheim bei einer Boxgala der Sportgemeinschaft zeigen, was sie draufhaben. Monheims Abteilungsleiter Mathias Ademoski und Kickbox-Trainer Ralf Siepmann werden einige ihrer Schützlinge in den Ring schicken. Dreimal werden auch Kinder unter 14 Jahren zum Sparring antreten und jeweils für dreimal eineinhalb Minuten lang die Fäuste fliegen lassen. Insgesamt sind 18 Kämpfe vorgesehen.

Boxen hat momentan Hochkonjunktur, sagt der Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Göbel. Besonders seit der vergangenen Silvesternacht von Köln sei die Nachfrage nach Boxen und Kickboxen groß. "Wir haben allerdings auch Werbung gemacht und kostenlose Schnupperangebote unterbreitet", betont Göbel. Viele Neugierige sind an Bord geblieben und heute zählt die Abteilung Boxen/Kickboxen des Vereins ungefähr 50 Mitglieder. Die Hälfte davon sind Mädchen, die Boxen zur Selbstverteidigung lernen. "Das ist richtig so", betont Ralf Siepmann, der ab Januar des nächsten Jahres die Kickboxer trainiert. "Kickboxen gibt ein gutes Selbstbewusstsein. Körperliche Fitness, Reflexe und die Konzentration werden gefördert", findet Siepmann.

Siepmann war 22 Jahre lang begeisterter Taekwondo-Kämpfer und hat dann die Sportart gewechselt: "Weil ich mal eine Abwechslung brauchte." Das verwundert nicht angesichts des täglichen Trainings, das der 52-Jährige seit Jahrzehnten konsequent absolviert. Er ist nicht nur ein gut mit Muskeln ausgestattetes Kraftpaket, sondern er kennt überhaupt nach eigener Aussagen "keine körperlichen Defizite".

Im Gegensatz zum Boxen sind beim Kickboxen auch Fußtritte erlaubt - selbst solche gegen den Kopf. Aus diesem Grund sind Kopf- und Zahnschutz beim Sparring auch unerlässlich. Gleichzeitig räumt Siepmann mit einem bisweilen auftauchenden Vorurteil auf: "Schläger haben hier keinen Platz." Es gelten vielmehr Fairness, Rücksicht und Respekt als oberste Gebote. "Wir sehen uns die Interessenten natürlich genau an und sortieren manchmal aus", berichtet er. Die Regeln sind auf jeden Fall streng. Kopfstöße sind nicht erlaubt. Und wenn der Kampfrichter dazwischengeht, ist Schluss. Nachtreten und Nachschlagen stehen ebenfalls auf der Tabuliste.

Bevor es allerdings zum echten Zweikampf kommt, ist je nach vorhandenem Talent erst einmal ein längerer sportlicher Weg zurückzulegen. "Die Basics sollte man beherrschen. Sonst ist die Verletzungsgefahr doch zu groß", erklärt der Experte. Anfänger müssten sich sowieso zuerst an Sandsack und Schutzpad ausprobieren, um Deckung und Angriff zu üben. Dann stellt der Trainer ein Paar zusammen, das meist aus einem erfahrenen Sportler und einem Box-Anfänger besteht. Danach erst geht es richtig zur Sache. Wer Lust hat, ist bei der SG Monheim herzlich willkommen und kann einfach beim Training vorbeischauen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE