Lokalsport: Baumbergs Trainer packt die Wehmut

Lokalsport : Baumbergs Trainer packt die Wehmut

Der Coach des Fußball-Oberligisten sitzt gegen den VfB Speldorf zum letzten Mal in einem Heimspiel auf der Bank.

Der Abschied naht und Salah El Halimi erledigt momentan viele Dinge das letzte Mal. Sein Entschluss, aus privaten Gründen als Trainer des Fußball-Oberligisten SF Baumberg (SFB) aufzuhören, war eine Entscheidung der Vernunft - um künftig mehr Zeit für die Familie zu haben. In der Pause über Pfingsten konnte der 41-Jährige wiederholt über alles nachdenken. Neues kam dabei nicht heraus und die Entscheidung steht natürlich unverrückbar. Als es wieder mit dem Training losging, spürte der SFB-Coach aber etwas fernab von Logik und Verstand: Allmählich kommt Wehmut auf. "Natürlich fällt mir das alles nicht leicht", sagt E Halimi, "ich realisiere immer mehr, dass es bald vorbei ist. Plötzlich habe ich gemerkt, dass jetzt mein letztes Heimspiel da ist." Morgen (15 Uhr) wird sich Baumbergs Trainer an der Sandstraße noch einmal eine Kabine mit den Unparteiischen teilen. Schiedsrichter der Partie gegen den VfB Speldorf ist der 25 Jahre junge Lukas Luthe (DJK Jugendsport Essen-West), der als Assistenten Torsten Schwerdtfeger (32) und Bastian Lang mitbringt (35/beide DJK Adler Union Frintrop).

Die Atmosphäre fürs Gespräch dürfte angenehm sein, zumal der Baumberger Coach als höflicher Mensch gilt. Allerdings dürfte seine Zeit knapp bemessen sein - weil es noch mehr als sonst zu tun gibt. Erstens: Der Verein will diejenigen Trainer und Spieler, die Baumberg verlassen, etwa eine Viertelstunde vor dem Anpfiff verabschieden. Dazu gehören neben El Halimi und Torwart-Trainer Marco Ketelaer definitiv die Spieler Miguel Lopez Torres, Kisolo Deo Biskup und Antonio Vella. Zweitens: Die Sportfreunde werden genau überlegen müssen, wer überhaupt zur Verfügung steht und dann auf welche Position passt. Die eine oder andere Entscheidung wird womöglich sehr kurzfristig fallen.

Alleine in der jüngeren Vergangenheit sind fünf Kräfte weggebrochen. Zu Lukas Fedler, Louis Klotz, Roberto Guirino und Kisolo Deo Biskup stieß zuletzt Tim Knetsch, der sich gerade erst nach einer langen Pause zurückgekämpft hatte. Andere wie Ricardo Ribeiro, Christian Krone, Daniel Rey Alonso oder Muhammet Ucar fehlen, weil sie erneut die SFB-Zweite im Kampf um den Aufstieg aus der Kreisliga in die Bezirksliga unterstützen. Weil deren Spiel gegen den GSV Langenfeld bereits um 11 Uhr beginnt, gab es intern sogar den ernst gemeinten Vorschlag, die Erste könne ihren Kader aus der Zweiten ergänzen. Kleiner Haken: Alle Kandidaten haben dann bereits 90 Minuten hinter sich.

Im einen oder anderen (Not-) Fall ist das Rückhol-Geschäft im Leihgeschäft möglich - weil sonst die Gefahr besteht, dass Baumberg nicht ausreichend wechseln kann. Es ist denkbar, dass nur ein Feldspieler aus dem gewohnten Kader auf der Bank sitzt. Daneben nimmt der aus den A-Junioren aufgerückte Aleksandar Bojkovski Platz. Gerne hätte El Halimi auch Mikel Kwaku Duah Manau dabei gehabt, Bojkovskis Teamkollegen aus der A-Jugend. Der 19-Jährige sah jedoch im letzten Saisonspiel in der Bergischen Leistungsklasse die Rote Karte.

Nachdem Führungsspieler wie Louis Klotz, Roberto Guirino und Kapitän Ivan Pusic vor eineinhalb Wochen erfuhren, dass ihr (Erfolgs-) Trainer geht, konnten sie sich schnell auf ein Versprechen einigen: ""Wir geben in den beiden letzten Saisonspielen noch einmal alles." Am liebsten wäre es allen, wenn sie ihrem Coach den dritten Platz in der Abschluss-Tabelle mit in den einstweiligen Fußball-Ruhestand geben. Dazu müssten die mit 58 Punkten auf Rang vier liegenden Sportfreunde den VfB Homberg (59) überholen - was mindestens ein hartes Stück Arbeit wird, weil nach der bereits schwierigen Aufgabe gegen Speldorf zum Abschluss die Partie beim Zweiten SpVg. Schonnebeck wartet (3. Juni, 15 Uhr). Diese Dinge sind schon wieder sehr von Logik und Verstand geleitet. Im Hintergrund kommt trotzdem Wehmut auf.

(RP)