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Fußball: Baumbergs Chef Schick verhängt Maulkorb

Fußball : Baumbergs Chef Schick verhängt Maulkorb

Der Vorsitzende des gefährdeten Fußball-Oberligisten erteilte Trainer Marc Schweiger und Obmann Redouan Yotla Redeverbot.

Es hätte die schöne Geschichte von zwei Oberliga-Trainern werden können, sie sich sehr schätzen und auch einen regen Gedanken-Austausch pflegen - auch über den Fußball hinaus. Dass in dieser Woche der Kontakt zwischen dem für die gefährdeten Sportfreunde Baumberg (SFB) zuständigen Marc Schweiger und dem für den TV Jahn Hiesfeld arbeitenden Jörg Vollack zum Erliegen kam, hat aber nichts mit einem gestörten Verhältnis zwischen den Herren zu tun. Die vorübergehende Funkstille liegt allein daran, dass die um den Klassenerhalt kämpfenden Baumberger am Sonntag (14.30 Uhr) in Hiesfeld antreten müssen. "Marc ist ein Kollege, den ich wirklich mag. Aber in dieser Woche werden wir nicht miteinander reden", bestätigt Vollack. Zu einer seltenen Art des Schweigens entschloss sich gleichzeitig Jürgen Schick. Dass gestern weder Trainer Schweiger noch der Sportliche Leiter Redouan Yotla etwas sagen wollte, lag an einer Anweisung: Schick hatte einen Maulkorb verhängt. Sämtliche den Oberligisten berührenden Auskünfte sollen ihm selbst vorbehalten sein.

 Die Angestellten: Baumbergs Trainer Marc Schweiger (rechts) und sein Co-Trainer Christian Ovelhey sind momentan wirklich nicht zu beneiden.
Die Angestellten: Baumbergs Trainer Marc Schweiger (rechts) und sein Co-Trainer Christian Ovelhey sind momentan wirklich nicht zu beneiden. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)
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Als Begründung führte der SFB-Chef an, die aktuellen Krisen-Situation so besser bewältigen zu können. "Ich weiß, was ich tue. Das habe ich so entschieden, weil ich Ruhe haben will", sagte Schick, "wer sich nicht daran hält, bekommt ein Problem." Ob den Sportfreunden dieser neue Kurs wirklich weiterhilft, ist eine andere Frage.

Hiesfelds heutiger Chefcoach Vollack weiß, wie kompliziert die Dinge an der Sandstraße manchmal sind. Schließlich war er bis zum Dezember 2012 selbst für die Sportfreunde tätig - bis er damals von Schick den Laufpass bekam, weil Baumberg nach einem guten Saisonstart in Abstiegsgefahr geraten war. Die Parallele zu damals besteht darin, dass die Sportfreunde auch jetzt in Not stecken. Der Unterschied besteht darin, dass sie nicht mal einen gelungenen Start vorweisen können.

Schweigers Team liegt nicht aus Zufall oder purem Pech auf Platz 15 der Tabelle, der am Ende der Saison den Gang in die Landesliga bedeutet. Und die Statistik liefert Belege dafür, warum erneut die Alarmglocken zu läuten begannen. Auf dem Konto sind nach 14 Begegnungen nur 13 Punkte zu finden. Außerdem zeigt das Torverhältnis von 14:32, dass die Mannschaft vorne keine Durchschlagskraft hat und die Defensive insgesamt deutlich zu anfällig ist. Positive Ausreißer wie der starke 1:0-Erfolg über den Dritten 1. FC Bocholt wechselten sich ab mit schmerzhaften Pleiten wie dem 0:2 kürzlich gegen den ebenfalls gefährdeten SC Kapellen/Erft.

Diese Partie konnte sich Hiesfelds Coach Vollack als Augenzeuge in Ruhe ansehen, weil die eigene Aufgabe beim VdS Nievenheim verlegt worden war. "Es steht mir nicht zu, über Baumberg zu urteilen", sagt der 49-Jährige. Seine Zurückhaltung hat einerseits mit Respekt vor dem Kollegen zu tun - und andererseits damit, dass er noch immer über gute persönliche Kontakte bei den Sportfreunden verfügt.

Hiesfeld liegt nach einer großartigen vergangenen Saison (Dritter) auf Rang neun aktuell deutlich hinter den Erwartungen. "Die Mannschaft schafft es einfach nicht, konstant zu spielen. Das Potenzial ist da, aber es ist nicht oft genug zu sehen. Und wir kassieren viel zu viele Gegentore", erklärt Vollack. Seine Aussage ist eine nahezu perfekte Blaupause für den Stand der Dinge bei den Sportfreunden, die aber ansonsten von 21 Punkten und 32:27 Toren momentan höchstens träumen dürfen. Das würde SFB-Coach Schweiger sicher frank und frei zugeben. Wenn er denn dürfte.

(RP)