Analyse: Baumberger sind reif für die Meisterschaft

Analyse: Baumberger sind reif für die Meisterschaft

Der Fußball-Oberligist steht nach dem 2:1 gegen den VfB Homberg weiter an der Tabellenspitze. Das als sehr spielstark geltende Team von Trainer Salah El Halimi zeigte, dass es auch Kampf und Konter kann. "Wir werden die Euphorie mitnehmen", verspricht Kapitän Ivan Pusic.

Die Zeiten haben sich geändert beim Fußball-Oberligisten SF Baumberg (SFB). Grundlegend sogar. Während früher der Kampf um den Klassenerhalt das Leben bestimmte, befindet sich die Mannschaft derzeit auf einem atemberaubenden sportlichen Höhenflug. Am 16. Dezember 2017 übernahm Baumberg mit dem 3:0 bei TuRU Düsseldorf die Tabellenführung und ging zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte als Spitzenreiter der höchsten Klasse am Niederrhein in die Winterpause. Sieben Wochen später eröffnete das Team von Trainer Salah El Halimi das Jahr 2018 jetzt mit dem 2:1 über den VfB Homberg. Die Partie war keine Gala, an die sich die Beteiligten lange erinnern werden. Baumberg, sonst immer bekannt für hohe fußballerische Qualität, zeigte eher Biss, Laufstärke und Aggressivität in den Zweikämpfen. Aus allem zusammen ergibt sich fast zwangsläufig: Baumberg ist in dieser Saison reif für die Meisterschaft.

Nach dem 1:1 vom 14. Oktober 2017 gegen den FC Monheim begann eine große Serie. El Halimis Team gewann mit 4:0 beim 1. FC Bocholt, 3:1 gegen den VfB Hilden, 4:1 gegen den FSV Vohwinkel Wuppertal, 2:1 gegen den SV Straelen, 6:3 beim VfB Speldorf, 3:0 bei der TuRU Düsseldorf und 2:1 gegen den VfB Homberg. In der Addition ergeben sich aus sieben Siegen in Folge 21 Zähler und 24:7 Tore. Kapitän Ivan Pusic bringt den Vorteil auf den Punkt: "Wir stehen wesentlich weniger unter Druck und wir gehen mit viel Selbstvertrauen in die Spiele." Das einstige Saisonziel betrachtet er dabei mit einer Prise Ironie: "Wir wollten so schnell wie möglich den Klassenerhalt sichern. Dafür müssen wir erst noch drei Punkte holen." Dafür bleiben den Sportfreunden, die bei 37 Punkten stehen, bis zum Saisonfinale am 3. Juni immerhin 16 Spiele Zeit.

Trainer El Halimi genießt den aktuellen Stand, weil er eine Bestätigung der gemeinsamen Arbeit ist. Auf der anderen Seite ist der permanente Warner und Mahner stets darum bemüht, dass keiner abhebt. "Es ist schon jetzt schwierig, alle bei uns auf dem Boden zu halten", sagt der 41 Jahre alte SFB-Coach, "früher wären wir hier froh gewesen, so wie gegen Homberg zu gewinnen. Jetzt waren kritische Stimmen zu hören. Du könntest ja schön spielen - und trotzdem verlieren." Dass sich die Baumberger stärker als sonst auf Kampf und Konter stützten, lag unter anderem am zur Verfügung stehenden Personal. Ganz vorne waren Jannik Weber (nach Urlaub) und Miguel Lopez Torres (nach Dienstreise) zumindest für die Startelf keine Option. Ein Stück weiter vorne stand der vor der Winterpause überragende Roberto Guirino (operiert) nicht zur Verfügung. Hinten fiel kurzfristig Innenverteidiger Lukas Fedler aus, der im Abschluss-Training einen Bänderriss erlitten hatte.

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Der Spitzenreiter steckte die Umbau-Maßnahmen weg, weil er mit dem nötigen Willen auftrat. Im Mittelfeld ließen die Gastgeber dem VfB wenig Raum und vorne betätigten sich im Wechsel unter anderem Ali Daour und Robin Hömig als Strafraum-Stürmer. Passend: Diese beiden markierten die Baumberger Konter-Tore, die in einer sonst vom Kampf geprägten Partie höchsten fußballerischen Ansprüchen genügten. Das 1:0 bereitete Ivan Pusic durch seinen Pass in den Lauf von Robin Hömig vor, der später beim 2:1 eine entscheidende Rolle einnahm. Im Zusammenspiel mit Ali Can Ilbay sorgte er dafür, dass der Ball im ICE-Tempo zu Ali Daour kam, der nur zu vollenden brauchte. Jenes Tor war der nächste beste Beweis dafür, wie viel spielerisches Potenzial im Team steckt. Schöner geht es in der Oberliga kaum.

Wohin das alles führen soll, falls der Trend anhält? "Wir müssen sehen, was rauskommt", meint El Halimi, der sich nach dem gesicherten Klassenerhalt einen einstelligen Tabellenplatz vorstellen könnte. Den ersten zweistelligen Rang nimmt als Zehnter der VfB Homberg ein, der mit 28 Punkten neun Zähler hinter den Sportfreunden steht. Pusic, der die Kapitänsrolle nicht nur in den Augen seines Trainers in dieser Saison überragend ausfüllt, wagt sich als Vertreter des Teams ein Stück weiter aus der Deckung. "Wir werden unsere Euphorie mitnehmen", betont der 32-Jährige, "die Kugel läuft bei uns im Moment wunderbar. Das macht Spaß. Und wenn wir am Schluss Erster werden - großartig. Jeder, der gegen uns spielt, muss sich einiges einfallen lassen." Für alles andere sind nicht Mannschaft und Trainer verantwortlich - auch nicht für die Beantwortung der Frage, ob die Regionalliga für den Verein in Struktur und Umfeld überhaupt jemals ein Thema werden kann oder ob der Verein gegebenenfalls verzichten muss. Rein sportlich ist Baumberg aber auf jeden Fall reif für die Meisterschaft.

(RP)