Lokalsport: Baumberger sagen Nein zur Regionalliga

Lokalsport: Baumberger sagen Nein zur Regionalliga

Der Fußball-Oberligist hat als Tabellenzweiter gute Chancen auf die Meisterschaft, wird aber keine Lizenz beantragen.

Die Würfel sind gefallen und es war keine große Überraschung mehr. Jetzt ist es amtlich: Der Fußball-Oberligist SF Baumberg (SFB), der eine großartige Saison spielt und als Tabellenzweiter sehr gute Chancen auf die Meisterschaft hat, wird keine Unterlagen für die Zulassung zur Regionalliga 2018/2019 abgeben. Den entsprechenden Beschluss fasste der Vorstand des Vereins unter der Federführung von Jürgen Schick nach einer letzten Sitzung, in der noch einmal alle Fakten auf die Waage kamen. Am Ende befanden sie die Sportfreunde als zu leicht - vor allem in Sachen Finanzen. "Wir wollten das Risiko nicht eingehen", sagt Schick. Einen Verzicht auf die Regionalliga für die Ewigkeit sieht er darin allerdings nicht: "Wir brauchen einfach mehr Zeit. Auch das Umfeld muss wachsen."

Die Schätzung von 3000 bis 5000 Euro für den notwendigen Sicherheitsdienst pro Partie hätten bei 17 Heimspielen alleine rund 80.000 zusätzlich aufzubringende Euro ergeben. Hinzu kamen die erforderliche Bankbürgschaft (35.000 Euro) sowie die völlig ungeklärte Stadionfrage - die sich aus Schicks Sicht am Anfang der Saison so noch nicht gestellt hatte. "Es war ja nicht unser Ziel, Meister zu werden", sagt der SFB-Chef, "für mich ging es darum, unter die ersten acht zu kommen. Dass wir dann doch Erster sind, hätte keiner gedacht." Das ganze "Drama" nahm am 8. Oktober 2017 mit dem 1:1 beim DSC 99 Düsseldorf seinen Anfang und endete zunächst am 16. Dezember 2017 mit dem 3:0 bei der TuRU Düsseldorf. Danach überwinterten die Sportfreunde als Spitzenreiter. Eine Woche vor Weihnachten war spätestens klar: Die Mannschaft meint es sehr ernst mit dem Versuch, Meister zu werden.

Der Trend setzte sich im neuen Jahr fort und er hielt bis zum 2:0 vor anderthalb Wochen beim damaligen Dritten TV Jahn Hiesfeld. Der Sieg war das 14. Spiel in Folge ohne Niederlage und ein Liga-Rekord mit 34 Punkten und 38:13 Toren. Selbst nach dem unnötigen 3:4 am vergangenen Wochenende gegen SW Essen sind die Titelchancen noch intakt. Das Team von Trainer Salah El Halimi liegt mit 48 Punkten nur zwei Zähler hinter dem Ersten SV Straelen - und hat ein Nachholspiel in der Hinterhand (Ostermontag bei der SSVg. Velbert). Dass die Sportfreunde den Vergleich mit dem Spitzenreiter rein sportlich nicht scheuen müssen, zeigt ein Quervergleich aus den vergangenen 15 Spielen. Da ist Baumberg mit 34 Punkten und 41:17 Toren immer noch die beste Mannschaft in der Oberliga. Straelen kommt hier "nur" auf 29 Zähler und 32:17 Treffer. Die einzige Niederlage gab es für den Tabellenführer in diesem Zeitraum am 12. November 2017 mit einem 1:2 - bei den Sportfreunden, für die Jannik Weber kurz vor Schluss das entscheidende Tor erzielte.

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Der Coach und seine Mannschaft nahmen das Regionalliga-Aus erst mal gefasst auf. "Ich kann die Entscheidung ja verstehen, denn es gibt dafür logische Erklärungen", sagte El Halimi, "ich bin sicher, dass wir keinen Knacks kriegen." Zwei seiner Führungsspieler sehen das ähnlich. "Das habe ich mir gedacht, dass es so kommt", meint Kapitän Ivan Pusic. Im Namen des Teams verspricht er, weiter alles zu geben: "Wir haben schon ein bisschen Geschichte geschrieben. Jeder von uns will immer gewinnen. Wir wollen Meister werden." Kosi Saka, der ebenfalls zum Spielerrat an der Sandstraße gehört, stützt den Mannschaftsführer: "Wir haben uns darauf eingestellt. Wenn es so ist, dann ist das so. Und wir werden das jetzt durchziehen. Wir werden weiter Gas geben."

Der SFB-Vorsitzende hat für die nächsten Wochen konkrete Vorstellungen: "Die Mannschaft muss zeigen, dass sie sportlich da oben hingehört." Für sich selbst und die Führungsetage sieht er eine andere Verantwortung. "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen", erklärt Schick, "die Last liegt im Moment auf zu wenigen Schultern. Es gibt Ideen und Pläne. Wir schreiben die Regionalliga nicht ab." Trainer Salah El Halimi fasst am besten zusammen, wie es zur jetzigen Entscheidung kam: "Der sportliche Erfolg ist schneller gewachsen als das Umfeld." Dass Baumberg jemals für die Regionalliga in Frage kommt, werden vermutlich nicht viele für besonders wahrscheinlich halten. Im Augenblick ist aber erst mal amtlich, dass der Verein keine Unterlagen für 2018/2019 abgibt.

(RP)