Baumberg träumt: „70 Punkte wären geil“

Fußball : Baumberg träumt: „70 Punkte wären geil“

Der Oberligist will unter dem scheidenden Trainer Francisco Carrasco auch die letzten Saisonspiele ordentlich bestreiten.

Die Zeit scheint im Moment zu rasen für Francisco Carrasco. Erst musste der Kopf des Trainerteams beim Fußball-Oberligisten SF Baumberg (SFB) wochenlang warten, bis eine Entscheidung über sein weiteres Wirken getroffen wurde. Nun steht fest, dass es für ihn gar keine Zukunft an der Sandstraße gibt. Der Vorstand des Vereins will für die nächste Saison lieber einen neuen Cheftrainer verpflichten und das „Angebot“, möglicherweise unter seinem eigenen Nachfolger als Co-Trainer weiterzumachen, kam für Carrasco nicht in Frage. Mittlerweile braucht der 44-Jährige nur noch eine Hand, um die verbleibenden Einheiten in der Zusammenarbeit mit seiner Mannschaft abzuzählen: „Es sind vier.“ Weil das aber der Stand von Mittwochabend ist und das Training vom Donnerstag abzuziehen, sinkt die Zahl auf drei. Nach dem Training am Freitag und dem Spiel am Sonntag (15 Uhr) beim VfB Speldorf schließen sich zur Vorbereitung aufs Saisonfinale nur der 28. Mai und der 31. Mai an. Carascos vier Jahre bei den Sportfreunden Baumberg gehen dann am 2. Juni mit dem letzten Saisonspiel gegen den SC Velbert zu Ende.

Es ist (noch) nicht die große Wehmut, die den Baumberger Trainer derzeit beschäftigt. Carrasco, der sich ohnehin ungerne in den Vordergrund drängt, sieht es eher sachlich-nüchtern: „Natürlich gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber die eine Tür geht zu, dafür geht eine andere auf.“ Im vorliegenden Fall gilt das sogar sehr konkret, denn der bald ehemalige SFB-Coach hatte jetzt selbstredend Kontakte zu anderen Vereinen. Und es ist nicht bei losen Gesprächen geblieben. „Ich suche eine neue Herausforderung, eine neue Aufgabe“, betont der Spanier. Es scheint so gut wie sicher zu sein, dass er relativ bald offiziell-amtlich als Trainer bei einem anderen Verein feststehen wird.

Die Frage nach dem Nachfolger in Baumberg hat Vizekapitän Kosi Saka kürzlich mit einer heiteren Note beantwortet: „Mal sehen, ob sich Pep Guardiola für Baumberg entscheidet.“ Der exzentrische Spanier trainiert seit 2016 in England bei Manchester City und soll angeblich zu Juventus Turin nach Italien wechseln. Vermutlich wäre er aber echt in der Lage, mit den sehr speziellen Baumberger Verhältnissen umzugehen.

Nicht flapsig, sondern sehr ernsthaft wollen die Baumberger die beiden restlichen Spiele der laufenden Serie bestreiten. In den vergangenen Wochen hat die Mannschaft bereits den einen oder anderen alten Rekord ausgelöscht und durch neue Bestmarken ersetzt. Aus dem vierten Rang von 2017/2018 hat Carrascos Team die sichere Vizemeisterschaft als das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte gemacht. Und die 58 Punkte von damals sind mit 66 Zählern nahezu pulverisiert. Nun haben sich Spieler und Trainer einen neuen Traum ausgesucht. „Vielleicht schaffen wir die 70 Punkte“, sagt Carrasco, „das wäre doch eine echte Hausnummer. Die Jungs sind geil darauf.“ In den Schoß fallen werden dem Zweiten die fehlenden vier Zähler wohl trotzdem nicht.

In der Theorie spricht alles für einen Sieg in Speldorf, das als Absteiger feststeht und vermutlich selbst den vorletzten Platz nicht mehr verlassen wird (23 Punkte). Am vergangenen Wochenende gab es die höchste Saison-Niederlage – 1:9 beim VfB Homberg. Carrasco: „Da haben sie Haue gekriegt, aber wir dürfen sie auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen.“ Zum Ausklang bekommt es Baumberg am 2. Juni ab 15 Uhr erneut mit einem Kontrahenten zu tun, für den es um nichts mehr geht: Der SC Velbert ist als Achter mit 47 Punkten in Sicherheit. Gegen 16.45 Uhr wird dann feststehen, wie weit die Baumberger tatsächlich gekommen sind. Die Zeit bis dahin scheint zu rasen.

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