Fußball: Baumberg sucht neuen Rettungsanker

Fußball : Baumberg sucht neuen Rettungsanker

Der Fußball-Oberligist, der sich zu viele individuelle Fehler leistet, steckt nach dem 0:4 gegen Ratingen wieder unter größerem Druck. Die Aufgabe beim VfB Hilden wird aber schwierig, zumal der Nachbar gerade sehr selbstbewusst ist.

Das Bild passt wohl immer wieder auf den Fußball-Oberligisten SF Baumberg (SFB). Ob Trainer Marc Schweiger und seine Elf eine besondere Vorliebe für die griechische Mythologie haben, ist dabei nicht überliefert. Aber im Kampf um etwas mehr Boden unter den Füßen wirken die Sportfreunde erstaunlich oft wie der legendäre Sisyphus. Dessen Strafe war es, einen Felsblock einen Berg hinaufzuwälzen. Und dessen Schicksal war es, dass der Felsblock jedes Mal kurz vor dem Erreichen des Gipfels wieder zurück ins Tal rollte. Auf Baumberg gemünzt, ergibt sich hier eine entsprechende Parallele. Schweigers Team begann die Saison schwach, steigerte sich dann und schien die Kurve zu bekommen. Es folgten zwei schmerzhafte und überflüssige Niederlagen, ehe die Baumberger mit dem 2:1 beim ETB SW Essen erneut etwas für die Wende zum Guten taten. Doch es gelang den Sportfreunden wiederum nicht, über den Gipfel zu steigen - weil sie mit dem 0:4 gegen Ratingen 04/19 die nächste Enttäuschung erlebten. Das machte die Aufgabe morgen (15 Uhr Hoffeldstraße) beim Nachbarn VfB Hilden nicht einfacher.

Baumberg leidet seit dem ersten Spieltag an einer fatalen Mischung aus einer zu wenig durchschlagskräftigen Offensive, die ihre guten Chancen zu oft nicht verwertet, und einer Defensive, die immer wieder individuelle Fehler einstreut. Das rächte sich zuletzt im Heimspiel gegen Ratingen, als das 0:1 und 0:2 in dieser Form nie hätten entstehen dürfen. Anschließend zerfielen die Sportfreunde in Rat- und Kraftlosigkeit, sodass die Gäste selbst mit ruhiger Verwaltungsarbeit zum deutlichen Resultat kamen. Schweiger nahm seine Schützlinge für einen Teil des enttäuschenden Auftritts in Schutz: "Die Jungs sind am Ende der zweiten englischen Woche schon sehr auf dem Zahnfleisch gegangen." Kein Verständnis hat er dafür, dass sich die Mannschaft trotz kraftloser Beine am Ende ziemlich wehrlos in ihr Schicksal ergab: "Da müssen wir uns total anders präsentieren, selbst wenn wir müde sind."

Den Sportfreunden fehlt offensichtlich auch ein Chef-Stratege, der auf dem Platz das Heft in die Hand nimmt und gerade in kritischen Situationen die Richtung angibt. Einer, dem Schweiger eine solche Rolle auf Dauer ohne Einschränkung zutraut, ist der neue SFB-Kapitän Nils Esslinger, der als Nachfolger von Hayreddin Maslar (aus privaten Gründen nicht mehr an Bord) wohl noch mehr Verantwortung übernehmen muss. Einige andere sind vom Typ her weniger für eine echte Führungsrolle geeignet oder zurzeit mehr mit sich selbst beschäftigt.

Vom kommenden Gegner Hilden sind die Baumberger bei aller nachbarschaftlichen Rivalität ziemlich beeindruckt. "Ich halte den VfB für eine eingespielte Mannschaft und eine Einheit, die mit sehr viel Fleiß und taktischer Disziplin arbeitet. Sie ist hungrig auf Erfolg." Diese Zustandsbeschreibung könnte fast eine Blaupause für das Rezept herhalten, das sich die Baumberger vielleicht in der Kabine aufhängen sollten. Arbeiten sie nicht mit Hingabe, halten sie sich nicht an taktische Absprachen oder zeigen sich nicht den festen Willen zum Sieg, drohen sie zu scheitern. Und dann wären sie endgültig wieder im tiefen Tal angekommen.

(RP)