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Baris Sarikaya von den Sportfreunden Baumberg macht Musik

Fußball, Oberliga : Rapper, Kicker, Jugendhelfer

Seit seiner Kindheit gehört Musik zum Leben von Baris Sarikaya. Unter dem Künstlernamen „Bara“ will der Mittelfeldmann des Fußball-Oberligisten Sportfreunde Baumberg ein Sprachrohr für Menschen von „ganz unten“ sein.

Tupac Shakur war einer der größten Musiker aller Zeiten, nach Meinung des Fachmagazins „Rolling Stone“ belegt er in einer entsprechenden Rangliste Platz 86 von 100. Vergleiche mit dem 1996 in Las Vegas erschossenen Rapper verbieten sich, aber Baris Sarikaya rappt unter seinem Künstlernamen „Bara“ die Zeile: „Ihr habt lange gewartet, ja ich bringe euch Tupac auf Deutsch.“ Doch will Sarikaya damit auf seinem Lied „Ganz Unten“ vor allem zum Ausdruck bringen, was für eine Art Musik er macht. „Ich bin kein Rapper, den du kennst, ihr könnt die Schubladen räumen“, kommt direkt vor der eben erwähnten Aussage. „Ich möchte mit meiner Musik wahre Werte vermitteln“, erzählt Sarikaya im Gespräch mit dem Internetportal FuPa. „Wahre Werte sind für mich Werte, die die ‚Opfer‘ in der Gesellschaft tragen: Menschen, die nicht reich an Geld sind, sondern reich an Liebe. Die wahre Werte in sich tragen, sich in der Gesellschaft aber nicht richtig durchsetzen können.“

Der 25-Jährige ist vor allem als Fußballer bekannt. Seit dem vergangenen Sommer kickt er für die Sportfreunde Baumberg in der Oberliga Niederrhein, zog sich jedoch nach einem Viererpack beim 5:0 im ersten Testspiel gegen den SV Hösel im zweiten Test einen Knorpelschaden im Knie zu und fiel die gesamte bisherige Saison aus. Sarikaya arbeitet sich aber langsam wieder heran und dürfte bald sein erstes Pflichtspiel für Baumberg absolvieren, die Musik hindert ihn jedefalls nicht daran: „Ich bin immer noch topfit und engagiert, da oben mitzukicken. Jeder, der mich kennt, weiß, dass Fußball meine erste und meine größte Liebe ist“, versichert der Mittelfeldmann. „Ich habe nur noch eine weitere große Liebe dazugewonnen.“

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Eine Liebe, die allerdings schon immer ihn ihm verankert war. Schon als Jugendlicher hörte er viel Musik und wuchs mit einem Vater auf, der Gitarre spielte. „Ich konnte es in der Jugend aber nicht mit dem Fußball vereinbaren, ich war auch in der Familie immer der Fußballer“, erklärt Sarikaya. Doch nebenbei arbeitete er schon länger an Songs und spielte sie seinen engsten Freunden vor, die ihn überreden wollten, sie zu veröffentlichen: „Ich war immer der Meinung, dass ich das Zeug dazu habe, ich war nur nie bereit dazu.“ Das hat sich nun geändert, am Sonntag ist das erste Lied inklusive Video auf allen Plattformen veröffentlicht worden, in den nächsten Wochen folgen weitere Songs. Details dazu gibt es auf seiner Instagram-Seite „baroffiziell1“.

Mit seinen Texten will Sarikaya eine Stimme sein für Menschen, die nicht unbedingt der gesellschaftlichen Norm entsprechen: „Ich will in meiner Musik zeigen: Man kann auch cool sein, ohne ein dickes Auto zu fahren. Man kann auch reich sein, ohne viel Geld zu haben.“ Es komme vielleicht ein wenig aggressiv rüber, doch es sei eben immer noch Underground-Hip-Hop. Und genau hier lässt sich eine kleine Parallele zum großen Tupac ziehen: Auch bei dessen Texten ist es oft wichtig, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, um zu verstehen, was er wirklich sagen will. „Ich zeige fertige Lieder meinen Freunden und die feiern das. Aber dann gehen wir jede Zeile einzeln durch, und dann verstehen sie erst nach dem zweiten oder dritten Mal hören, was eigentlich gemeint ist“, erklärt Sarikaya.

Ihm sei bewusst, dass seine Musik nicht jedermanns Sache ist. „Mir war von vornherein klar, dass ich jetzt kein Lied rausbringen werde, das in allen Klubs und Bars läuft. Aber das ist auch nicht mein Ziel“, stellt er klar. „Mein Ziel ist es am Anfang nicht, Mainstream zu werden, vor allem mit diesen Liedern nicht. Das sind deepe Lieder, Lieder, die unter die Haut gehen.“

Gewisse Einflüsse in seine Songs hat sicherlich auch seine ehrenamtliche Arbeit im Jugendzentrum Meschenich. Dort gibt es ein Fußballprogramm, in dem er regelmäßig mit den Jugendlichen auf dem Platz inmitten der Wohnblocks kickt. „Ich halte sie sozusagen von der Straße fern“, erzählt er. Entstanden ist das Ganze durch Bekannte, die im Jugendzentrum arbeiten: „Ich war nicht unbedingt jemand, der auf der Straße Scheiße gebaut hat, und sie wussten, ich kann den Jungs das vermitteln. Dass man auch cool sein kann, wenn man ‚nur‘ Fußball spielt, statt irgendwo einzubrechen. Das haben die Kinder im Kopf, das stellt man sich gar nicht so vor. Man muss den Kindern beibringen, dass es nichts Cooles ist, sondern dass es dein Leben kaputt machen kann.“

Bei dieser ehrenamtlichen Arbeit trifft er auf Jugendliche, die eben von „ganz unten“ kommen, deren Bestreben es ist, möglichst viel Geld und das beste Auto zu haben, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Dass es das nicht braucht – oder brauchen sollte – thematisiert Sarikaya in seiner Musik. Der gebürtige Kölner hat in seiner Heimatstadt auch bereits einigen Zuspruch erhalten. „Das ist ein gutes Gefühl, wenn man merkt, dass man jetzt schon angekommen ist“, sagt er, denn er will auch für die Domstadt rappen: „Ich will als Kölner ganz groß rauskommen. Es gibt in der Deutschrap-Branche mittlerweile keinen Kölner, der richtig bekannt ist, und in diese Lücke möchte ich auf jeden Fall rein stoßen.“

Hinweis Dieser Text erschien zuerst online auf unserem Partnerportal fupa.net