Badminton : Aus, vorbei, Feierabend

Badminton-Bundesligist FC Langenfeld zieht sein Team mit sofortiger Wirkung aus der Bundesliga zurück. Nachdem gesundheitlich dringend nötigen Karriereende von Björn Joppien brach alles wie ein Kartenhaus zusammen.

Die Nachricht hörte sich erst absurd an, als hätte sie ein verlogener Geschichtenschreiber erfunden. Doch es dauerte nicht lange, bis das Echtheitszertifikat mit einem ziemlich bitteren Kern vergeben war. Seit Montagabend steht fest, dass der FC Langenfeld (FCL) sein Team mit sofortiger Wirkung aus der Badminton-Bundesliga zurückzieht. Günther Joppien, Team-Manager und 2. Vorsitzender, muss immer noch schlucken – wie der Vorsitzende Karl-Heinz Schulz, den Joppien im Laufe der vergangenen Woche über die bedrohliche Lage informiert hatte. "Wir haben uns diese Entscheidung bestimmt nicht leicht gemacht, aber am Ende keine vernünftige Alternative mehr gesehen", sagt Joppien.

Der Dominostein, der das Gebäude einstürzen ließ, war ausgerechnet sein Sohn Björn Joppien. Der siebenmalige Deutsche Meister, seit rund eineinhalb Jahren von Rückenproblemen geplagt, gehörte noch am 14. Februar zu den besten Langenfeldern, als er trotz großer Schmerzen zum 4:4 beim SC Union Lüdinghausen zwei wichtige Punkte beisteuerte (Einzel, Doppel). Damals konnte niemand ahnen, dass es die letzten Bundesliga-Auftritte des 29-Jährigen waren.

Wenig sprachen die Ärzte ein Machtwort und rieten dem erfolgreichsten Langenfelder Badminton-Spieler aller Zeiten, unverzüglich mit dem Leistungssport aufzuhören. Sehr lange brauchte Björn Joppien am Ende nicht, um den Rat zu befolgen. Dann entschloss er sich ganz schweren Herzens, den Schläger in die Ecke zu legen. Dass die Gesundheit vorgeht, entzieht sich jeder Diskussion.

Wachas Termin-Problem

Ohne Björn Joppien sah der FCL weder eine realistische Chance, sich für die Play-Offs um die Meisterschaft zu qualifizieren, noch eine Chance, über die Play-Downs die Klasse zu halten. Spätestens dort wären die nächsten Mosaiksteine herausgebrochen. Spitzenspieler Przemyslaw Wacha hätte im Halbfinale (27./28. März) wegen seines heimatlichen Pflichtstarts bei den Polish International gefehlt. Die Finnin Noora Virta wäre in den Play-Offs oder Play-Downs überhaupt nicht spielberechtigt (zu wenig Einsätze) und Kathrin Wanhoff (Knieoperation nach Kreuzband-Riss) nicht spielfähig. Am Final-Wochenende (24./25. April) hätte zudem mit einiger Sicherheit FCL-Talent Fabienne Deprez nicht zur Verfügung gestanden, weil genau in den Tagen vorher die Jugend-Weltmeisterschaften U 19 in Guadalajara (Mexiko) auf dem Programm stehen (18. bis 25. April).

Viel Glück, kein Happy End

"Sicher. Wir hätten trotzdem irgendwie eine Mannschaft hinstellen können", sagt Günther Joppien, "aber das wollten wir uns und vor allem den anderen Vereinen ersparen." Die für Samstag und Sonntag geplanten Spiele gegen den Letzten TV Refrath und beim Vorletzten VfL 93 Hamburg wurden bereits abgesagt. Die Frage nach dem Absteiger braucht die Liga dadurch ebenfalls nicht weiter zu verfolgen, denn Langenfeld steht als Absteiger fest. "Wir haben sehr viel harte Arbeit investiert. Aber wir hatten auch viele tolle und glückliche Jahre in der Bundesliga", findet Günther Joppien, "es gibt Dinge, die neu anfangen. Und es gibt Dinge, die gehen zu Ende." Irgendwie hört es sich immer noch absurd an, dass die Badminton-Bundesliga ab jetzt ohne den FC Langenfeld spielt.

(RP)