Lokalsport: Aufstieg perfekt: VfB 06 Langenfeld lebt wieder

Lokalsport: Aufstieg perfekt: VfB 06 Langenfeld lebt wieder

Der frühere Oberligist kehrt in die Kreisliga A zurück. Der Vorsitzende Manfred Sütterle sieht das auch als Lohn für den harten Sparkurs.

Er ist wieder da. Das hat in diesem Fall jedoch nichts mit dem Bestseller des Autors Timur Vermes zu tun. Es geht vielmehr um den VfB 06 Langenfeld, dessen Fußballer tatsächlich fast komplett von der Bildfläche verschwunden wären. Dabei sah in der Mitte der 80er-Jahre alles strahlend aus, denn der VfB stieg in die Oberliga auf - die seinerzeit die dritthöchste Klasse in Deutschland war. Ein Höhepunkt: Das erste Oberligaspiel gegen den MSV Duisburg sahen damals mehr als 3000 Zuschauer. Was in der Stunde des größten Erfolges vermutlich keiner wusste/wissen wollte: Es begann ein noch steilerer Abstieg, in dem die Finanzen schnell außer Kontrolle gerieten. Die Spirale ließ sich selbst durch ein städtisches Darlehen nicht aufhalten. Der sportliche Trend passte dazu: Über die Oberliga ging es Stück für Stück runter in die Verbandsliga, Landesliga, Bezirksliga, Kreisliga A und Kreisliga B. Dort belegte das neue Team jetzt mit einem neuen Trainer den zweiten Platz und schaffte zusammen mit dem Ersten Canlarspor Solingen als Vizemeister die Rückkehr in die Kreisliga A. Der heutige Vorsitzende Manfred Sütterle war stolz und erleichtert zugleich: "Dieser Aufstieg ist sehr wichtig für uns, nach zwölf Jahren haben wir es endlich geschafft. Das ist eine Bestätigung für unsere Arbeit."

Warum er sich 2005 dazu entschloss, als 2. Vorsitzender beim am Boden liegenden Verein einzusteigen? Es waren vor allem sehr persönliche Motive: "Vier meiner fünf Kinder haben Fußball gespielt." Anfang 2006 drohte die Insolvenz - die den VfB 06 von der Landkarte gestrichen hätte. Sütterle hat das damalige Minus bis heute sehr genau im Kopf: "113 000 Euro." Selbst für die üblichen Verbandsabgaben war kein Geld da. Was folgte, war ein konsequentes (Spar-) Programm zum Abbau der Schulden. "Uns ging es darum, den Verein und die Tradition von 1906 zu erhalten." Mit einem Neustart unter anderem Namen wäre alles gelöscht gewesen.

Die Maxime hieß fortan: Es fließt kein Cent mehr in die erste Mannschaft, dafür geht jeder freie Euro in den Abbau der Verbindlichkeiten. Der schmerzhafte Kurs trug Früchte und 2015 war es so weit: Manfred Sütterle, der 2013 nach acht Jahren als 2. Vorsitzender als 1. Vorsitzender gewählt wurde, konnte die Schuldenfreiheit des VfB verkünden. Es war wie eine Befreiung.

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Der Versuch, die Rückkehr in die Kreisliga A zu schaffen, scheiterte zunächst zweimal. Unter der Regie von Trainer Nicola Lalli brachte die Saison 2015/2016 ebenso Platz sechs wie ein Jahr später die Serie 2016/2017. Dann musste Lalli aus beruflichen Gründen aufhören - und der VfB wurde bei der Suche nach einem Nachfolger in Leverkusen fündig. Herbert Jellitsch kam und übernahm die Aufgabe, aus acht Spielern des alten Kaders und 16 Neuen eine Einheit zu formen. Das gelang im Laufe der Saison immer besser, wie die Statistik zeigt: In der Rückrunde kam der VfB mit nur einer Niederlage aus 13 Spielen auf 64:14 Tore auf 36 Punkte - holte also fünf mehr als der Meister Canlarspor (31), dessen Polster aus der Hinrunde aufgebraucht war. Beide Top-Teams standen insgesamt bei 61 Punkten und so entschied das Torverhältnis (plus 73/plus 63).

Der VfB freut sich sehr auf Kreisliga-Derbys und sieht sich für den Kampf um den Klassenerhalt ganz gut aufgestellt: "Wir wollen vor allem drinbleiben und uns in der Klasse etablieren. Ein einstelliger Platz wäre toll." Große Sprüche oder finanzielle Sprünge sind nicht geplant - was eine Lehre aus der Vergangenheit ist. "Wir haben mehr als 20 Jahre nur über Schulden gesprochen", betont Sütterle, "inzwischen haben wir das Krankenbett verlassen und können wieder über Sport sprechen." Übersetzt: Die Zeiten, in denen es beim VfB gutes bis sehr gutes Geld zu verdienen gab, gehören der Vergangenheit an und sind dort aus der Sicht der heute Verantwortlichen richtig untergebracht.

Ein anderes Problem macht dem VfB zurzeit jedoch keine geringen Bauchschmerzen. Alle wissen um den Wert einer gut strukturierten Jugend-Abteilung für die Senioren, aber im Nachwuchs-Bereich hat der VfB derzeit weder A- noch B- oder C-Junioren - was dazu führt, dass vorläufig keine eigenen Spieler mehr in die Erste aufrücken können. "Wir müssen uns praktisch seit zehn Jahren bei anderen Vereinen bedienen", sagt Langenfelds Vorsitzender, der den VfB der Neuzeit als eine "kleine Familie" bezeichnet und den schwierigen Stand bei der Jugend gemeinsam mit seinen Mitstreitern lieber heute als morgen ändern würde. Wenn Sütterle einen zweiten Wunsch äußern dürfte, wäre es der Traum vom Happy End in einem Fünf-Jahres-Plan: "Vielleicht schaffen wir es ja bis in die Bezirksliga." Ob das klappt, weiß keiner. Trotzdem ist der VfB Langenfeld wieder da.

(RP)