Lokalsport: Atemlos: Jörg Bergmeister rast im Blindflug durch die "Grüne Hölle"

Lokalsport: Atemlos: Jörg Bergmeister rast im Blindflug durch die "Grüne Hölle"

Ein bekennender Fan der Schlagersängerin Helene Fischer ist Motorsportler Jörg Bergmeister eher nicht. Aber bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring könnte ihm eins ihrer bekanntesten Werke in den Sinn gekommen sein: "Atemlos durch die Nacht." Was der Langenfelder im Porsche 911 GT 3 R fürs "KüS Team75 Bernhard" aus Bruchmühlbach-Miesau auf die Kombination aus Grand-Prix-Strecke und Nordschleife zauberte, brachte in der Nacht und am Morgen Top-Zeiten - trotz schwierigster Verhältnisse, für die starker Regen verantwortlich war. Die Leistung des gesamten Fahrer-Quartetts mit Bergmeister, Michael Christensen (Dänemark), Matteo Cairoli (Italien) und André Lotterer (Dusburg) fiel bemerkenswert aus, weil sie längst keine Chance mehr auf den Sieg oder das Podium hatten.

Noch kurz nach Mitternacht lag der Bernhard-Porsche aussichtsreich im Rennen, ehe ein Problem mit der Aufhängung (Bolzen gebrochen) einen Zwangs-Stopp erforderte. Obwohl die Mechaniker alles gaben, konnte der Porsche erst gut 50 Minuten später wieder auf die Strecke - mit sieben Runden Rückstand. "Das ist ärgerlich, aber so etwas passiert eben", fand Bergmeister, der sich natürlich mehr erhofft hatte als den 21. Platz.

Team-Eigner Timo Bernhard fand den Einsatz aller bemerkenswert: "Ich bin richtig stolz auf meine Truppe. Wir hatten eine Riesenperformance. Im Trockenen lagen wir zwischen Position fünf und sieben. Nach der Reparatur, als der Regen eingesetzt hat, waren wir permanent mit das schnellste Auto, es ging in Richtung Podium." Mit Jörg Bergmeister verbindet den 37-Jährigen eine Menge: Beide waren einst im Porsche-Carrera-Cup und im Porsche-Supercup unterwegs, beide sind Werksfahrer. Einer der Unterschiede: Während Bernhard in seiner Fahrer-Karriere fünf Mal in der "Grünen Hölle" triumphierte, wartet Jörg Bergmeister dort immer noch auf seinen ersten Gesamtsieg.

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Bergmeister saß im Dienstauto, als sich die Verhältnisse gegen 12 Uhr mittags rund dreieinhalb Stunden vor dem Renn-Ende weiter zuspitzten - weil immer stärker werdender Nebel immer mehr Risiko brachte. Der 42-Jährige, der so schnell durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, teilte dem Team über Funk seine Auffassung mit: "Die Sicht ist echt beschissen. Wenn die Rennleitung immer noch der Meinung ist, dass man weiterfahren kann, lade ich sie für die nächste Runde in unser Auto ein." So weit kam es nicht - weil dann doch die Rote Flagge alle zurück in die Box beorderte. Davon profitierte später bei der Fortsetzung der 24 Stunden nicht das Team Bernhard, doch es gab ein Trostpflaster - weil das Team Manthey Racing den vorher führenden Mercedes noch abfing. Bergmeister: "So hat wenigstens ein anderer Porsche gewonnen."

(RP)
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