Langenfeld: Spielsucht nicht bagatellisieren

Langenfeld : Spielsucht nicht bagatellisieren

Als Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie behandelt Heinrich Glaser seit 1985 Menschen, die an einer Suchterkrankung leiden. In der Ambulanz für Abhängigkeitserkrankungen der LVR-Klinik hilft er Betroffenen, den Weg aus der Abhängigkeit zu finden. RP-Mitarbeiter Dorian Audersch sprach mit dem Facharzt.

Herr Glaser, wie wird ein Mensch süchtig nach Glücksspielen?

Glaser Eine typische Suchtpersönlichkeit gibt es nicht. Die Betroffenen können aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen kommen. Es gibt drei Faktoren, die bei der Entwicklung einer Suchterkrankung eine Rolle spielen. Zum einen natürlich der Mensch, seine persönliche Entwicklung und die daraus resultierende Anfälligkeit für etwaige Suchtmittel. Ebenfalls wichtig sind die gesellschaftlichen Bedingungen im direkten Umfeld der Person und die möglicherweise zunächst positiven Erfahrungen mit Glücksspielen. Wer spielt, um seinem Alltag in Beruf und Familie zu entfliehen, belohnt sich selbst mit den ersten Gewinnen. Irgendwann wird das Spielen dann aber zum Problem.

Gibt es bestimmte Indikatoren für eine sich anbahnende Sucht?

Glaser Ja. Die Sucht nach Glücksspielen ist eine sogenannte stoffungebundene Abhängigkeit – das gilt übrigens auch für Computerspiele. Es gibt in verschiedenen Broschüren und im Internet einen einfachen Katalog mit sieben Fragen, die mit ja oder nein beantwortet werden können. Je mehr Fragen offen und ehrlich positiv beantwortet werden, desto kritischer ist die Situation. Aber das ist nur ein erster Test, der zeigt, wie schnell aus Vergnügen eine Sucht werden kann. Der Übergang ist oft fließend.

Was raten sie den Angehörigen von Spielsüchtigen?

Glaser Die finanziellen Folgen und die psychischen Belastungen wirken sich oft deutlich auf die Lebensqualität der Angehörigen aus. Betroffene sollten sich daher bewusst Zeit für sich selbst nehmen und ihre Freundschaften pflegen. Wichtig ist auch, dass sie offen mit der Situation umgehen und die Sucht nicht bagatellisieren oder gar leugnen. Außerdem sollten Angehörige den Spielenden nicht mit Vorwürfen überhäufen, sondern möglichst ruhig über ihre Sorgen und Nöte reden. Auf keinen Fall sollte sich das Umfeld Schuld an der Situation geben. Jede Entscheidung zum weiteren Spielen trifft der Spielende selbst.

(dora)