1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Langenfeld/Monheim: Speditionen suchen Fahrer - vergeblich

Langenfeld/Monheim : Speditionen suchen Fahrer - vergeblich

Berufskraftfahrer sind heiß begehrt bei Speditionen. Geänderte Gesetzesrichtlinien, niedriger Verdienst und die Billig-Konkurrenz aus Osteuropa sind schuld daran, dass dieser Beruf an Attraktivität verloren hat.

Früher, da konnten sich die Spediteure im Stuhl zurücklehnen. Sie wussten: Die Lkw-Fahrer würden schon kommen. Heute sieht das ganz anders aus. "Qualifizierte Fahrer fehlen", sagt Hermann Molitor von Swift Logistic in Langenfeld, einem Speditionsunternehmen mit rund 20 Zugmaschinen und 30 Trailern. "Lkw-Fahrer sind knapp", weiß auch Oliver Neuhoff von der Industrie- und Handelskammer.

Den Trend bestätigt Lars Beyer, Sprecher der Agentur für Arbeit Mettmann: Im Kreis seien 94 Stellen für Berufskraftfahrer offen. Und es gebe sehr viel weniger Bewerber. Oft fehle dem Bewerber auch ein Qualifikationsschein, "den finanzieren wir dann", sagt Beyer. Allerdings drängt die Agentur für Arbeit keinen arbeitslosen Bewerber, jetzt unbedingt auf Lkw-Fahrer umzuschulen. Dabei ist der Beruf in den Augen von Beyer nicht unattraktiv, auch von der Bezahlung her.

Das sieht Stefan Reinhold vom Verkehrsinstitut Reinhold in Langenfeld allerdings anders. "Die Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert, der Beruf verliert an Attraktivität", meint der Fahrlehrer. Mit dem einfachen Führerschein Klasse zwei ist es in den meisten Fällen nicht mehr getan. "Zwischen Klasse 2 und Lkw-Führerschein liegen Welten", sagt Reinhold. Der Beruf sei durchsetzt vom Subunternehmertum. "Viele Fahrer, die gar nicht selbstständig sein wollen, haben sich dennoch selbstständig gemacht", so Reinhold.

  • Benjamin Wadenpohl (M.) vom SSV schirmt
    Fußball, Bezirksliga : Berghausen und Baumberg treten zum letzten Derby des Jahres an
  • Langenfelds Annika Schwarz (Mitte) geht mit
    Fußball, Frauen-Niederrheinliga : HSV-Frauen empfangen DJK TuSA Düsseldorf
  • Isabel Klaas, Langenfelderin und Kollegin, hat
    Langenfelder Tierhilfe : Ein Zuhause für Kaspar

Er fordert die Politik auf, die Lkw-Branche steuerlich zu entlasten. Der Beruf müsse wieder attraktiver werden. Bei einem Stundenlohn von acht bis 11,50 Euro würden viele Fahrer in andere Berufe abwandern. Übrig bleiben in vielen Fällen die ausländischen Kraftfahrer. Die Deutschen hätten unter diesen Bedingungen keine Lust zu arbeiten. Vor allem Frachtunternehmen aus dem Osten Europas würden verstärkt in den deutschen Markt stoßen: "Die sind wesentlich günstiger", meint Reinhold.

Auch Hermann Molitor von Swift Logistic wünscht sich mehr politische Unterstützung. "Man quält die Lkw-Branche", findet er. Die Trucker sollten mal drei Tage ihre Arbeit niederlegen, dann würde jeder sehen, was alles an dieser Branche hängt. Dann würde nämlich an allen Ecken und Kanten etwas fehlen.

Aber es wird den Berufskraftfahrern eher schwerer gemacht. Seit September 2009 ist neben der klassischen Führerscheinprüfung beim TÜV auch eine Grundqualifikationsprüfung bei der IHK nötig. Diese muss zudem alle fünf Jahre aufgefrischt werden. Frank Schäfer von der Langenfelder Spedition Neukirchen verweist auf die Kosten dieser Ausbildung. "Früher haben viele die Ausbildung bei der Bundeswehr absolviert, aber das ist heute nicht mehr so", sagt Schäfer. Bildete der Bund früher bis zu 30 000 Trucker aus, sind es heute nur noch 5000. Außerdem hätte die Branche immer noch mit einem schlechten Image zu kämpfen, sagt Frank Schäfer.

(RP)