Monheim: SPD will am Aschermittwoch angreifen

Monheim : SPD will am Aschermittwoch angreifen

Die vom Wähler arg gebeutelten Monheimer Sozialdemokraten wollen im "Bormachers" in die Offensive kommen.

Fisch wird es geben und als Alternative Leberkäs. Ein Hinweis auf das Ursprungsland des Rituals, wo sich schon 1580 Bauern und Viehhändler lautstark über Politik ausließen, im bayerischen Vilshofen nämlich. Seit der Jahrtausendwende breitet sich der Politische Aschermittwoch auch nördlich des Weißwurst-Äquators aus, sogar in Schleswig-Holstein soll er schon gesichtet worden sein. In Monheim hat ihn 2007 die SPD eingeführt, nicht gerade die bayerischste aller Parteien, aber doch diejenige, die mal CSU-mäßig in Monheim herrschte, mit ihren Leuten in den maßgeblichen Vereinen präsent war und wie selbstverständlich die Bürgermeisterin stellte, den Fahrer des Ministerpräsidenten und die Abgeordneten in Düsseldorf und Bonn.

Peer Steinbrück, Birgit Alkenings und Jens Geyer (v. li.) bestritten 2010 den politischen Aschermittwoch in Monheim. Foto: rm-

"Lang ist's her", seufzt Norbert Friedrich, der in den 80er Jahren SPD-Vorsitzender in Monheim war und es seit einigen Monaten wieder ist. Seit ihrer damaligen Hoch-Zeit ist die SPD bei den Stadtratswahlen hinabgerauscht von über 50 auf zuletzt 8,9 Prozent. "Damals", meint Friedrich, "konnten Sie als SPD-Kandidat im Berliner Viertel der Direktwahl nur durch Selbstmord entgehen". Von den stadtweit seinerzeit 23 Stimmbezirken überließ der Wähler der politischen Konkurrenz (CDU) lediglich zwei, Alt-Baumberg und den "Doktorenhügel" hinterm Gymnasium.

2007, beim ersten Politischen Aschermittwoch der Monheimer SPD im "Bormacher"-Saal, drückten die Sozialdemokraten zwar schon längst (seit 1999) die Oppositionsbänke, hatten aber immerhin noch gut jedes vierte Ratsmandat inne (Wahlergebnis: 28,7 Prozent). Jetzt sind es noch drei Sitze. Genutzt hat der Politische Aschermittwoch den Genossen also wenig, geschadet aber offenbar auch kaum. Es sei denn, man legt ihm auch die Themen zur Last, die bei dem Stelldichein angesprochen wurden. So nannte Hauptredner Michael Groschek, damals Generalsekretär der NRW-SPD, den CDU-Bürgermeister Thomas Dünchheim bei der Premiere 2007, einen "Däumling", der auf dem "Rücken der Arbeitsplätze sitzt". Das Thema? Die von Dünchheim bekämpfte CO-Pipeline von Bayer. Groschek verteidigte sie als "notwendig für den Standort NRW".

An diesem Aschermittwoch wird NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans in die Bütt gehen. Und auch diesmal drängt sich ein Thema auf, bei dem es für Monheims Sozialdemokraten keinen Blumentopf zu gewinnen gibt: der Kommunal-Soli. "Norbert Walter-Borjans wird das Thema ansprechen, auch wenn er dafür in Monheim keinen Jubel erwarten kann", sagt Friedrich. "Monheim hat reichlich von Landesgeldern profitiert, zum Beispiel bei der Umgestaltung der Brandenburger Allee. Wir Sozialdemokraten machen es uns nicht so einfach wie andere bei diesem Thema, weil wir wissen, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist."

Auch Friedrich (65) selbst will in seiner eigenen Rede angreifen. "Es war immer Usus in Monheim, dass auch die zweitstärkste Fraktion einen stellvertretenden Bürgermeister stellt. Über diese Gepflogenheit ist die Peto-Partei nach ihrem überwältigenden Wahlergebnis (65,6 Prozent) im letzten Mai wie eine Planierraupe hinweggegangen", kritisiert der ehemalige Vizechef der Monheimer Volkshochschule.

Knapp 280 Mitglieder zählt die Monheimer SPD, einst waren es mehr als 500. Friedrich, der wie gut 60 Prozent der Genossen zu den Über-60-Jährigen zählt, will nun Jüngere in die politische Arbeit einbinden. Im "Bormachers" dürften indes die Älteren den Ton angeben. Mindestens 100 Gäste erwartet der Parteivorsitzende. Gute Unterhaltung soll ihnen gewiss sein, nicht nur wegen des Auftritts des Frauenduos "Thekentratsch" aus Dinslaken. Kostproben aus früheren Aschermittwochs-Treffs jedenfalls versprechen Deftiges aus der Polit-Kombüse. So nannte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin vor zwei Jahren den bedauernswerten Rainer Bürderle von der FDP ein "Herrengedeck auf zwei Beinen".

(RP)
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