Langenfeld: Sonne beschert Handel Spitzenumsätze

Langenfeld : Sonne beschert Handel Spitzenumsätze

Zum Herbstmarkt und verkaufsoffenen Sonntag strömten tausende Besucher in die Innenstadt.

"Super", "bombastisch", "perfekt" — viele Einzelhändler griffen zu starken Adjektiven, um den gestrigen verkaufsoffenen Sonntag zu beschreiben. Die Fußgängerzone zwischen Hauptstraße und St.Josef-Kirche war gerammelt voll. "Viele Familien nutzten den warmen Spätsommertag zu einem Sonntagsausflug in die Innenstadt, statt etwa ins Grüne zu fahren", stellt Judith Junghans, Filialleiterin von H & M, erstaunt fest. Mit so guten Umsätzen hätte sie daher nicht gerechnet. Das Konzept des City-Managements, die verkaufsoffenen Sonntage mit Festen, mit Musik und Unterhaltung, zu kombinieren, gehe voll auf.

Nicht nur die Sonne habe die Leute in beste Kauflaune versetzt, auch die Rabattaktion, freut sich Claudia Löffler, Filialleiterin der Parfümerie Becker. Die Kunden hätten vor allem ihre gewohnten Pflegeprodukte auf Vorrat gekauft und auch mal ein neues Parfüm ausprobiert. Eine seit 20 Jahren bestehende Angebotslücke hat der Kochshop Solingen geschlossen, der am Wochenende seine vorgezogene Eröffnung feierte. "Ich bin begeistert von dieser Resonanz", sagt Stefan Schmitz, Geschäftsführer der Küchenprofi-Gruppe. "Die Kunden haben mir gratuliert, dass es hier endlich wieder Haushaltsgeräte zu kaufen gibt." Der Umsatz an den ersten beiden Eröffnungstagen sei toll gewesen, die Leute hätten mit einem "Riesenspaß" eingekauft. Viele Stammkunden, die geduldig die Umbauphase bei Deichmann abgewartet hatten, haben dem neu eröffneten Geschäft am Sonntag ebenfalls traumhafte Umsätze beschert. "Das war schlicht der Hammer", sagt Filialleiterin Ina Müller. Stiefel und knöchelhohe Turnschuhe waren heiß begehrt.

Dass einige Kunden trotz der Spätsommerwärme schon Weihnachten im Blick haben, hat Reiner Adam festgestellt. In seinem Laden "Teespresso" in der Schoppengasse, der Tee, Kaffe, Pralinen und das dafür notwendige Zubehör im Sortiment hat, wurden hauptsächlich Geschenkartikel nachgefragt. Auch in der Buchhandlung Langen am Marktplatz klingelte die Kasse. "Die Frequenz war sehr hoch", freut sich Inhaber Stefan Abele. "Derzeit gibt es viele spannende und gute Titel auf dem Markt und die Kunden fragen auch ganz gezielt nach. Das gute Wetter hebt offensichtlich die Stimmung."

Auch die Einkaufszentren zogen viele Menschen an. Karsten Mazanneck, Manager des Marktkarrees, schätzt die Zahl der Kunden während des Wochenendes auf "über 20000". "Die Händler sind alle zufrieden."

Der Herbstmarkt mit seinen Hornveilchen, Chrysanthemen und Eriken, Gartenaccessoirs und Heimtextilien bildete dabei den dekorativen Rahmen, um die Menschen auf die kältere Jahreszeit einzustimmen. "Wenn es kälter wird, kann man schön kuscheln", sagt Antonio Arque auf die Frage, was das Schöne am Herbst sei. "Ich denke dabei an gemütliche Abende auf der Couch, Spaziergänge durch den Wald und die wunderbare Färbung der Bäume. Eigentlich ist es eine sehr schöne Jahreszeit." Am Stand des Richrather Blumenhändlers Dietmar Kluth suchen er und seine Frau Marita nach einem schönen Kürbis — zum Essen. "Meine Frau macht die leckerste Kürbis-Suppe", erklärt der gebürtige Spanier. Er freue sich aber auch wegen der lauschigen Abende am Kamin auf den Herbst. "Dazu eine Tasse Tee und ein gutes Buch", rät der 66-Jährige.

Zumindest Letzteres war ebenfalls auf dem Herbstmarkt erhältlich. Der Büchertrödel auf dem Vorplatz der Stadthalle erfreut nicht nur Sammler. Kinderliteratur, Romane und Sachbücher wechselten hier den Besitzer. Außerdem gab es auch ziemlich seltene und alte Exemplare — von modernen Krimis bis hin zu den gesammelten Dekreten und Erlassen von Papst Gregor IX. aus dem Jahr 1585. Die handgeschriebene Erstausgabe in Latein ist das teuerste Buch im Angebot eines Trödlers. In den Büchern, so der Experte, bleibe die Geschichte lebendig. "Mich faszinieren Bücher, die mehrere Jahrhunderte überdauert haben und durch sehr viele Hände gegangen sind."

Regelrecht aus den Händen gerissen wurden ihm die Erdmännchen-Figuren, vor allem die in aufrechter Habachtstellung, berichtet Markthändler Heiko Prigge. Die Käufer waren eher ältere Damen, die offenbar durch Tierdokumentationen animiert wurden, sich diese sehr sozialen Wesen ins Heim zu holen.

(dora)