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Monheim: Sohn des Toten wirft Monheimer Pflegeheim "Inkompetenz" vor

Monheim : Sohn des Toten wirft Monheimer Pflegeheim "Inkompetenz" vor

Zeitarbeitskräfte beklagen Missstände bei der Organisation. Alloheim weist Vorwürfe zurück.

Noch Monate nach dem Tod seines Vaters (52) im Monheimer Alloheim ist der 27-jährige Sohn (Name ist der Redaktion bekannt) erschüttert. Er wirft den Mitarbeitern inkompetentes Verhalten vor. "Das Heim war mit der Pflege überfordert", glaubt der in Köln lebende Angehörige. Kurz vor Weihnachten 2012 starb sein Vater in der Pflegeresidenz an einer Lungenembolie und an einem Gefäßverschluss im Herzen. Dafür soll sich eine examinierte Altenpflegerin (49), die den Bewohner damals versorgt hatte, vor Gericht verantworten (die RP berichtete). Die Frau soll laut Anklage gravierende Fehler gemacht und dem 52-Jährigen seine Nahrung in den zentralen Venenkatheter eingespeist haben. Obwohl sie dabei festgestellt haben soll, dass die Anschlüsse für die Schläuche nicht passten, habe sie ihre Arbeit fortgesetzt, die Enden der Leitungen sogar mit Pflaster umwickelt.

"Er war stabil, als er vor Weihnachten aus dem Krankenhaus kam", stellt der Sohn fest. "Wir haben ihn zwölf Stunden vor seinem Tod besucht. Für seinen Zustand war er so fit wie nie." So sei die Dialyse damals nicht etwa deshalb eingestellt worden, weil ihm diese nicht mehr hätte helfen können, sondern weil es ihm besser ging. Im Klinikum Leverkusen sei er gewesen, weil ihm ein Venenzugang gelegt wurde, der die Magensonde ersetzen sollte. "Die Operation war erfolgreich."

Der Sohn beschreibt den Zustand seines Vaters, als dieser nach einem Reha-Aufenthalt im Frühjahr 2012 in die Monheimer Einrichtung gekommen sei, als sehr geschwächt. Der 1,80 Meter große Mann habe da nur noch 36 Kilogramm gewogen. Er sei schwer krank von einem Thailand-Aufenthalt zurückgekehrt, litt an einer Lungenembolie und hatte eine Bauchdeckenvereiterung sowie eine Hirnhautentzündung. Seine Nieren hätten nicht mehr richtig gearbeitet, und er habe sich einen multiresistenten Keim eingefangen, listet der 27-Jährige die Leiden auf. In Thailand lag er wegen einer Blinddarmentzündung im Hospital. Über den Malteser-Hilfsdienst gelang der Rücktransport. "Ich hatte ihn schon als vermisst gemeldet."

Sein Vater habe sich oft bei ihm über die Stationsleiterin im Alloheim beschwert. Da er jedoch "neurologisch eingeschränkt" gewesen sei, habe er den Klagen damals vielleicht nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt, glaubt der Kölner. Er sei nicht auf der Station "Junge Pflege" untergebracht worden, sondern habe in einem Einzelzimmer auf der dritten Etage gelegen. Besonders betroffen sei er gewesen, dass sich nach dessen Tod niemand aus der Pflegeresidenz persönlich bei ihm gemeldet habe. "Es kam nur ein Formbrief, keine Entschuldigung. Über die Todesumstände erhielt ich keine Informationen."

Johannes Knake, Regionalleiter West der Alloheim Senioren-Residenzen, betont: "Unsere Einrichtung Monheim unterliegt nicht nur strengsten, regelmäßigen Kontrollen, sondern auch hohen, internen Qualitätsauflagen, die auch intern regelmäßig geprüft werden. Eine Überforderung "besteht wirklich bei keinem unserer Mitarbeiter", antwortet Knake auf die Vorwürfe. Der Vater sei aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes in einem ruhigen Einzelzimmer auf der dritten Etage untergebracht gewesen. Dies sei mit den behandelnden Ärzten abgesprochen worden. Die in dem Fall intensiv geführten Untersuchungen der Behörden hätten keine Beanstandungen oder Vorwürfe gegen die Einrichtung entstehen lassen. Die "Todesursache des Patienten war lange Zeit überhaupt nicht geklärt", führt er aus. Die Alloheim-Gruppe habe keinen Einblick in den Obduktionsbericht erhalten und sei auch nicht über den Stand der Untersuchungen informiert worden. Zwei ehemalige Kräfte, die von Zeitarbeitsfirmen ins Alloheim vermittel worden sind, berichten der RP über ein Klima der Angst und eine teilweise chaotische Organisation. Sie möchten namentlich nicht genannt werden. So sei eine Pflegehelferin "immer wieder vor anderen Mitarbeitern zusammengeschrien" worden. Dienstpläne seien nicht korrekt geführt worden. Laken und Material für inkontinente Patienten hätten gefehlt. Chronische Wunden seien nicht ordnungsgemäß versorgt worden, da kein Material da war. In das Computerprogramm hätten die Aushilfen keine Einführung bekommen, obwohl dort die Medikamentengaben hinterlegt seien. Sie folgern: "Das Qualitätsmanagement wird in diesem Haus wohl . . . nicht betreut bzw. stark vernachlässigt." Knake betont, er nehme jede Reklamation ernst, wenn jemand damit zur Heimleitung oder zu ihm komme. Berichteten jedoch Zeitarbeitskräfte anonym, "geben wir dazu keine Stellungnahme ab". Er frage sich, wo deren Motivation liegt, jetzt damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

(RP)