Langenfeld: So wurden die Hexen im Rheinland verfolgt

Langenfeld: So wurden die Hexen im Rheinland verfolgt

Jetzt ist ein recht üppiges Fachbuch mit sehr spannenden Geschichten und neuen Ergebnissen erschienen.

Wenn wir zu denen gehören, die nicht zaubern können, sind wir Muggel. Zumindest bei Harry Potter. Bei Edgar Wallace gab es dann einen Hexer. Und etwa seit dem 16. Jahrhundert wurde den vermeintlich zaubernden Frauen in unserer Gegend der Prozess gemacht, der meist mit ihrer Verbrennung endete. Erika Münster-Schröer, Leiterin von Medienzentrum und Stadtarchiv, hat sich in einem umfangreichen (Fach-)Buch ihrer erklärend angenommen.

Das Herzogtum Kleve-Jülich-Berg hatte in älterer Forschung als eher wenig prozessfreudig - was die Hexen anbetraf - dagestanden, was für manche Zeiten und Orte sicher zutraf. Aber Münster-Schröer, die sich seit vielen Jahren mit der Thematik befasst, weist anderes nach.

Hans Müskens am Epitaph von Künstler Bert Gerresheim an der Wand der Marienkapelle in Kaiserswerth mit Motiven zur Hexenverfolgung. Foto: Achim Blazy

Sie benutzt als Quellen Gerichtsakten und vor allem die Amts- und Stadtrechnungen, die sich an zahlreichen Orten erhalten haben, und aus denen sich oftmals die Prozesse und Gerichtsverfahren ablesen lassen.

Ein Beispiel: Für Düsseldorf ist nur ein einziger und zudem später Hexenprozess überliefert, der in den Jahren 1737/38 stattfand. Zwei aus dem damals unabhängigen Gerresheim stammende Frauen wurden wegen des Vorwurfs, Hexen zu sein, Devotionalien gefälscht, Wunder vorgetäuscht und Hostien geschändet zu haben (sie hatten sie in Futtertröge geworfen), mit dem Tod durch Verbrennen bestraft.

Ein symbolhafter Holzschnitt zum Leben der Hexen. Foto: Blazy Achim

Der Prozess weist Parallelen zu anderen späten Hexenprozessen auf, als umfangreiche juristische Gutachten erstellt wurden, die weitgehend die gelehrten Schriften der einschlägigen Verfolgungsbefürworter zugrunde legten und jene der Kritiker weitgehend ignorierten.

In Düsseldorf lebten überwiegend Katholiken, erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts stieg mit dem wirtschaftlichen Aufschwung die Zahl der Protestanten. Die Angehörigen der städtischen Unterschichten nahmen seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert stetig zu. Dies führte in der städtischen Armenfürsorge zu einer strengen Kontrolle der Bedürftigen.

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Düsseldorf hatte um 1730 etwa 10000 Einwohner, Gerresheim etwa 450. Der Landesherr zeigte sich hart gegenüber Randgruppen und umherziehendem Volk wie Juden, Zigeunern und Bettlern. Der Hexenprozess fand somit in einer Phase der Verschärfung der Strafverfolgung statt. Die umfassenden Prozessakten dokumentieren eine auf hohem wissenschaftlichen Niveau abgehandelte juristische Untersuchung; die zitierten Gelehrten waren die einschlägigen Verfolgungsbefürworter. Der Düsseldorfer Hexenprozess blieb lange Zeit im Dunkeln. Erst 1878 wurde auf einer Generalversammlung des "Historischen Vereins für den Niederrhein" in Düsseldorf darüber berichtet.

Zu einem breiteren öffentlichen Thema wurde der Prozess im Jahr 1987, als die Hexenverbrennung auf einem Karnevalsorden dargestellt wurde.

Hans Müskens, unübertroffenes Gedächtnis der Ratinger Kirchengeschichte und tatkräftiger Vorsitzender der Friedrich Spee-Gesellschaft Düsseldorf, meint bei der Würdigung des Buches: "Bei der umfassenden Darstellung des Themas dürfen die Gegner der Hexenverfolgung nicht fehlen, hier vor allem Johann Weyer, der Leibarzt von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Weyer hat das Problem der Hexerei als Arzt untersucht und so maßgeblich Einfluss auf seinen Landesherrn genommen".

Nun sind 450 Seiten kein Pappenstiel.

Aber so spannend wie "Der Hexer" ist das Buch voller einzelner Schicksale allemal.

(RP)