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Langenfeld: So werden zu schwere Tonis leichter

Langenfeld : So werden zu schwere Tonis leichter

Gerade Fünftklässler sind oft damit überfordert, Bücher je nach Studnenplan umzupacken und schleppen zu viel.

Mit dem Übergang an die so genannte höhere Schule nimmt mit der größeren Vielfalt an Unterrichtsfächern zwangsläufig auch die Zahl der Bücher zu, die den Ranzen füllen. Untersuchungen haben ergeben, dass etwa Sechstklässler montags mit einem Tornister losziehen, der bei zierlichen Kindern (30 Kilo) 35 Prozent des Körpergewichts ausmacht, bei Kindern, die 40 Kilo auf die Waage bringen, immerhin noch ein Viertel. Die gängige Empfehlung lautet: Das Ranzengewicht sollte zehn Prozent des Körpergewichts nicht überschreiten. So weit, so utopisch.

Auch Sophia Albrecht bekam nach den Sommerferien den Ernst des Lebens ganz körperlich zu spüren, als sie erstmals ihren vollgepackten Ranzen schulterte. "Glücklicherweise muss sie ihn nur ein kurzes Stück vom Fahrradständer zum Klassenraum tragen, ihren Schulweg legt sie mit dem Rad zurück", sagt ihre Mutter Sabine Albrecht.

An der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule hat man längst Vorsorge getroffen, damit die Kinder nicht schon mit zehn Jahren an der Volkskrankheit Rückenschmerzen leiden. "Wir halten für jeden Schüler einen Spind vor, in dem er die Bücher deponieren kann, die er gerade nicht benötigt", sagt Andreas Bruhn, Leiter der Abteilung 1 (5. und 6. Klassen). Außerdem verfügen die Klassenräume über Fächer, in denen die Schüler ihre Hefte verstauen können

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In den Arbeitsstunden, die das pädagogische Konzept der Gesamtschule vorsieht, können die Schüler ihre Hausaufgaben erledigen, was ebenfalls den logistischen Aufwand senkt. Zudem wurde zum aktuellen Schuljahr ein neues Unterrichtsstundenraster eingeführt: die 67,5 Minuten-Stunde. "Jetzt können wir in den Unterricht besser Übungseinheiten zur Vertiefung des Stoffes integrieren, bisher haben wir den Kindern Arbeitsblätter mitgegeben", sagt Bruhn.

Außerdem hat die neue Struktur die angenehme Begleiterscheinung, dass nur noch maximal fünf Fächer pro Tag unterrichtet werden - ergo weniger Material mitgeschleppt werden muss. Dennoch verlange das Spindsystem den Kindern ein hohes Maß an Organisationsgeschick ab, räumt der Lehrer ein. "Manche sind anfangs damit überfordert und nehmen - wie in der Grundschule - einfach alles mit."

Wenn er einen Schüler sehe, der unter seinem Ranzen ächzt, spreche er ihn an. Sabine Albrecht sieht das als unverzichtbaren Lernprozess, dem sich ihre Tochter eben unterziehen muss: "Sie muss lernen selbstständig zu werden: Dazu gehört, abends den Tornister zu packen und in der Schule die Bücher für den Tag zu wechseln."

Auch am Konrad-Adenauer-Gymnasium können die Schüler einen Spind nutzen, um sich des Bücherballasts zu erleichtern. "Die Schüler müssen dann aber - meist unter Zeitdruck - entscheiden: Welches Buch brauche ich für den Unterricht, welches für Zuhause", berichtet Schulpflegschaftsvorsitzende Ute Lichte. "Diese Koordinationsleistung funktioniert bei den Fünftklässlern oft noch nicht." Damit die Schüler dann nicht in den Fünfminutenpausen noch schnell zum Spind laufen müssten, ließen manche Lehrer es zu, dass sich die Schüler im Unterricht ein Buch teilen. Außerdem versuche die Schule, so weit sich das mit dem Stundenkontingent vereinbaren lässt, Doppelstunden zu etablieren. Auch dadurch reduziere sich die Büchermenge.

Gravierender findet Ute Lichte das Problem mit den schweren Ranzen auch eher für Grundschüler, die ihren Schulweg in der Regel zu Fuß absolvieren. "Die Gymnasiasten fahren ja eher mit dem Rad." Dass ein schwerer Tornister auf dem Gepäckträger aber die Handhabung des Rades erschweren könnte, empfinden viele Eltern offenbar nicht als Widerspruch. Da das Problem der beeinträchtigten Balance - abhängig vom Körpergewicht des Kindes, dem Gewicht des Ranzens und der Größe des Fahrrades - sehr individuell ist, ist es auch für die Verkehrsunfallprävention der Kreispolizeibehörde Mettmann kein Grund, tätig zu werden.

Da zumindest statistisch keine Unfallhäufungen durch schwere Ranzen auszumachen sei, sehe man die Eltern in der Verantwortung, auf ein ausgewogenes Maß der physikalischen Größen zu achten. Außerdem sei es für die Polizei schwierig, überhaupt noch Lektionen zur Verkehrserziehung an den weiterführenden Schulen unterzubringen.

(RP)