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So reagieren Düsseldorfer Brauer auf Siegesmeldung von Früh Kölsch

Zwischen den Rheinmetropolen : Kölsch oder Alt – das ist hier die Frage

Der Chef der Früh-Kölsch-Brauerei proklamiert den Sieg des Kölner Bieres im Gebiet zwischen den beiden rheinischen Großstädten.

Angeblich schmeckt der Durchschnittsgenießer bei der Blindverkostung keinen Unterschied zwischen Altbier und Kölsch. Da die meisten Menschen aber mit geöffneten Augen Getränke bestellen, ist er eben doch noch wichtig – der Unterschied zwischen dunklem und hellem obergärigen Bier. Und nun das: Dirk Heisterkamp, Manager der Kölsch-Brauerei Früh, stellt im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger die Behauptung auf, es gebe sicherlich mehr Kölsch-Trinker in Düsseldorf als Altbiertrinker in Köln. Und es geht noch weiter. „Wir Kölsch-Brauer haben es in den letzten Jahren geschafft, in der Region zwischen den beiden Städten das Altbier zu verdrängen.“

Kann das wahr sein? Zumindest der erste Satz ruft bei den meisten Düsseldorfer Bier-Experten keine große Verwunderung hervor. „Die Kölner identifizieren sich mehr mit dem Kölsch als die Düsseldorfer mit dem Alt“, gibt Hans-Peter Schwemin von der Brauerei Kürzer unumwunden zu. Es gebe in Düsseldorf schlicht mehr Zugewanderte, die sich trauen würden, ein Kölsch oder Pils im Kiosk zu kaufen und dann damit über die Straße zu gehen. Und auch Malte Wienbreyer, Geschäftsführer der Düsseldorfer (!) Kölsch-Gaststätte Eigelstein, erklärt die Diskrepanz so: „Das liegt nicht am Bier – es gibt sehr gute Altbiere. Aber die Kölner Kultur ist einfach sehr auf Kölsch zugeschnitten und die Menschen, die dorthin ziehen, nehmen dieses Lebensgefühl sehr viel umfassender an.“ Doch was ist mit der behaupteten Verdrängung des Altbiers im Umland, in Langenfeld, Dormagen, Monheim oder Neuss?

Malte Wienbreyer vom Eigelstein findet, dass es gute Altbiere gibt – aber das kölsche Lebensgefühl werde in Köln umfassend angenommen. Foto: Endermann, Andreas (end)

Wer an den jecken Tagen in Monheim und Langenfeld unterwegs war, konnte glauben, er sei Opfer einer Sinnestäuschung. Denn auf den Tabletts, die die Kellner durch überfüllte Kneipen und Säle trugen, standen Kölsch- und Altbiergläser in trauter Eintracht nebeneinander. „Man kann hier nicht nur die eine Sorte anbieten“, sagt einer, der im Langenfelder Brauhaus „Der Ritter“ an der Theke steht. Entscheiden kann er sich zwischen Frankenheim und Uerige Alt sowie Mühlenkölsch. Fünf Kilometer weiter in Monheim galt lange Zeit die Faustformel 60/40. Wobei die diversen Kölsch-Sorten die Nase vorn hatten.

Dass Kölsch im Laufe der Jahre weitere Anteile hinzugewonnen hat, gilt als ausgemacht. „Besonders an Karneval dominiert das Kölsch so sehr, dass die Bestellung eines Altbiers fast schon wie eine Extra-Wurst wirkt“, sagt Monheims Stadtsprecher Thomas Spekowius. Der gebürtige Düsseldorfer hat sich erst am Alt-Kölsch-Äquator, der durch Langenfeld und Monheim verläuft, das Trinken des helleren der beiden obergärigen Biere angewöhnt. Und wer sich partout nicht entscheiden kann? Für den gibt es eine echte Rarität, die in der anfänglichen Testphase in der Monheimer Biermanufactur gebraut wurde. „Költ“ (siehe Infobox) heißt der perfekte Kompromiss für alle, die beide Biersorten mögen. „Endlich ein Bier für alle im Rheinland“, bewerben die Schöpfer ihre Misch-Kreation, die bereits eine feste Fan-Gemeinde hat. Der Vertrieb ist immer noch in Monheim an der Niederstraße, gebraut und abgefüllt wird Költ aber mittlerweile in Krefeld.

Im Neusser Stadtgebiet gilt: Je südlicher, desto kölschiger. Schon wer sich nur drei Kilometer von der Innenstadt entfernt, bekommt im „Froschkönig“ in Reuschenberg neben Bolten und Füchschen auch Peters Kölsch. Und hinter der Stadtgrenze in Dormagen und Grevenbroich ist Kölsch auf der Karte der Kneipen sowieso eine Selbstverständlichkeit; Alt verschwindet dort langsam. Der historische Neusser Stadtkern war hingegen bis jetzt fest in der Hand der Altbier-Brauereien – mit Ausnahme des Gasthauses Früh. Im Vogthaus am Münsterplatz gibt es Frankenheim, im Hamtorkrug Kürzer Alt vom Fass und Bolten Ur-Alt, das Schwatte Päd ging als eines der ältesten Gasthäuser am Niederrhein bei seiner Wiedereröffnung mit Füchschen an den Start und Im Dom wird sowieso nur das Alt aus der eigenen Hausbrauerei serviert.

Einen „Tabubruch“, wie er selbst sagt, beging vor genau einem Jahr der neue Pächter des Drusushofs, als er die Neusser Traditionsgaststätte kurz vor Karneval übernahm. Alexander Bliersbach setzte neben Bolten und Füchschen vom Fass nicht nur einige ausländische Biere auf die Karte, sondern auch Mühlen-Kölsch aus Flaschen. „Und das wird sehr gut angenommen“, sagt er. Kurz nachdem sich das neue Angebot herumgesprochen habe, sei auch die Nachfrage gestiegen. Die Düsseldorfer Brauereien sieht er trotz dieser neuen Kölsch-Lust der Neusser nicht in Gefahr. „Wir haben immer ein Bier des Monats, das ist zurzeit das Uerige, und das geht schon auch sehr gut.“

Die Düsseldorfer Brauer sind jedenfalls unbesorgt. „Wir nehmen keine rückläufigen Zahlen wahr“, sagt Thea Ungermann von Schumacher, und verweist darauf, dass auch mitten in Köln Altbier gebraut wird – in der Bio-Brauerei Heller nämlich. Man liefere weiterhin über Verleger ins Düsseldorfer Umland, erzählt Vater Wolfgang Ungermann. Auf der Website hat die Brauerei einige Gaststätten in anderen Städten aufgelistet, die Schumacher anbieten – darunter Monheim und Grevenbroich.

Karl-Heinz Gatzweiler, Inhaber der Brauerei Zum Schlüssel, passt mit seinem bekömmlichen hellen Bier gut ins Gebiet Richtung Köln. Schlüssel Alt gibt es dort in einigen Gaststätten, etwa in der Rheinterrasse Monheim. Gatzweiler sieht eine  „eigene  Art der Selbstvermarktung der Kölner“. Die Düsseldorfer seien da zurückhaltender. Die vor 40 Jahren großen Brauereien wie Frankenheim, Schlösser und Gatzweiler hätten es nicht geschafft, Düsseldorf als Altbierstadt dauerhaft erfolgreich zu vermarkten.  Kölsch-Produzenten komme zudem entgegen, dass international Bier eher hell sei.

„Kölsch ist breitenfähiger“, sagt Kürzer-Chef Schwemin. „In den 80er Jahren hat man intensiv versucht, das Altbier bundesweit mehrheitsfähig zu machen – das ist aber gescheitert.“ Kölsch-Wirt Wienbreyer beobachtete 2003, dass sich der Konsum von dunklem Richtung hellem Bier drehte. „Damals haben wir beschlossen, das Eigelstein zu eröffnen.“ Unterm Strich sei es kein Wunder, wenn Kölsch sich im Düsseldorfer Umland verbreite: „In Düsseldorf gibt es kleine Hausbrauereien, die gar nicht die gleiche Marktmacht entwickeln können wie die industriell produzierenden Familienunternehmen in Köln.“

 Uerige-Baas Michael Schnitzler bringt andere Töne in die Debatte. Er sieht zwar „den Trend zu hellen Bieren mit wenig Geschmack“, gibt der aktuellen Marktsituation aber keinesfalls eine Ewigkeitsgarantie. Als Diebels sein Altbier bundesweit vermarktete, habe das Kölsch dagegen kaum Beachtung gefunden. Ein Markt unterliege vielen Faktoren und könne sich immer wieder anders entwickeln. „Als ich bei Spaten in München meine Ausbildung machte, erzählte man mir, dass Löwenbräu auch Altbier gebraut habe, weil es so ein gutes Bier ist“, erinnert sich Schnitzler. Warum soll das eines Tages nicht wieder der Fall sein, fragt der Hausbrauer rhetorisch.