Langenfeld: So geht Reden ohne Worte

Langenfeld: So geht Reden ohne Worte

Die Virneburgschule informierte über Unterstützte Kommunikation.

Ein Schüler drückt an der Virneburgschule auf einem transportablem Bildschirm den Button "Etwas stimmt nicht". Es öffnet sich eine Übersicht, aus der der Junge die Wahlmöglichkeit "Ich habe Schmerzen", anklickt. Sofort bietet der Bildschirm weitere Wahlmöglichkeiten. Schrittweise kann das Problem konkretisiert werden, so dass sich ein Kind mit einem sprachlichen Handicap einem potenziellen Helfer mitteilen kann. Das ist schon heute der Alltag an der Virneburgschule, der Förderschule des Kreises Mettmann mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung.

"Ein Drittel unserer 160 Schülerinnen und Schüler braucht Hilfe bei der Verständigung mit seiner Umwelt", erklärt Bettina Lüdecke. Sie ist an der in Langenfeld-Reusrath gelegenen Schule für den Bereich Unterstützte Kommunikation (UK) zuständig. Es gehört nach ihren Worten "zu den wichtigsten Zielen, den Kindern ab dem ersten Schuljahr Möglichkeiten aufzuzeigen und mit ihnen einzuüben, um sich in Alltagssituationen mitteilen zu können". UK biete Techniken, Methoden und Hilfsmittel, um fehlende Lautsprache zu ersetzen, eingeschränkte Lautsprache zu ergänzen und die Sprachentwicklung zu unterstützen.

Für betroffene Eltern und alle am Thema Interessierten hatte die Virneburgschule jetzt zu einem UK-Tag eingeladen. Dort wurden neue Geräte vorgestellt und es ging auch darum, Gesprächspartner von unterstützt kommunizierenden Menschen für die besondere Situation zu sensibilisieren. Zielgruppe waren daher vor allem auch Lehrer und Erzieherinnen aus Kitas und Grundschulen, in denen Inklusion eine zunehmende Rolle spielt. "Die besondere Förderung auf diesem Gebiet wurde auch bei der letzten Qualitätsanalyse der Schule besonders hervorgehoben", sagt Erhard Bärwolf, seit 2013 stellvertretender Leiter der Virneburgschule.

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Grundsätzlich bieten sich laut Bärwolf zwei Wege an, um die Kids zu unterstützen: erstens die Gebärdensprache und zweitens die Arbeit mit Symbolen. Es gibt auch spezielle Erzählbücher. Die fortschreitende Digitalisierung sei eine große Hilfe. Statt der (Kölner) Kommunikationstafeln in Papierform, bei denen neben rund 120 Grundwörtern und Begriffen je nach Einsatzort etwa 30 wechselnde Bilder eingesetzt werden können, bieten mittlerweile "Talker" genannte Tablets eine unbeschränkte Möglichkeit von Darstellungen und Symbolen; bis zu 2000 Wörter. Das kommt Lüdecke zufolge den Betroffenen sehr entgegen, "die trotz fehlender Sprachdefizite ein normal großes Mitteilungsbedürfnis haben".

Monika Kirchner und Monika Montanus sind Erzieherinnen aus Evangelischen Kitas in Monheim. Sie betreuen im Alltag Kinder mit Förderbedarf und fanden nach eigenen Angaben beim UK-Tag hilfreiche Anregungen. Beide erfuhren, dass eine "lautsprachenbegleitende Gebärdensprache" besondere Vorteile hat und probierten eine spezielle Version des Farbenwürfel-Spiels "Tempo kleine Schnecke".

Am Nachmittag ermöglichte ein Gebärden-Schnupperkursus erste Erfahrungen mit der Gebärdensprache. Im UK-Café konnten die Gäste bereits praktische Erfahrungen sammeln. Sie übermittelten ihre Wünsche an die hinter der Theke stehenden Schüler mit passenden Gebärden. Wer Kaffee wollte, imitierte mit den Fingern das Halten einer Kaffeetasse, Teetrinker zeigten das Senken des Teebeutels ins heiße Wasser.

(mmo)
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