Monheim: Sie flickt den Monheimern am Zeug

Monheim : Sie flickt den Monheimern am Zeug

Edith Dorniok ist seit vier Jahren Inhaberin der Änderungsschneiderei am Gartzenweg. Das Atelier gibt es seit 30 Jahren.

Ein großes Fenster, das von innen lange Spitzengardinen zieren und auf dem außen in gelben Buchstaben schlicht "Textil-Leder Änderung" steht. Für ein solch alteingesessenes Geschäft wie die Änderungsschneiderei im Gartzenweg 5 genau das richtige Aussehen.

Auch wenn man die Schneiderei betritt, ändert sich nichts an diesem Eindruck. Da sie nur aus einem Raum besteht, der durch die Kleiderständer und Tische sehr klein wirkt, macht sich sofort ein heimeliges Gefühl breit. Und zwischen all dem Stoff, den bunten Garnrollen und den alten Nähmaschinen werden sich wohl viele an ihre Großmutter erinnert fühlen. So wie die Besitzerin Edith Dorniok selbst. Sie hat die Gardinen vor dem Fenster erst vor kurzem bei IKEA gekauft: "Natürlich musste es Spitze sein - ganz wie bei meiner Oma."

Dass ihr nun seit Februar 2010 die Änderungsschneiderei gehört, kann man als Zufall bezeichnen. Dorniok lernte die vorherige Besitzerin Barbara Krzikawski, die das Geschäft 16 Jahre lang führte, im Stoffladen kennen. Dort war Dorniok zuvor tätig. Da Krzikawski wusste, dass sie gelernte Schneiderin ist, fragte sie Dorniok, ob sie nicht bei ihr anfangen wolle zu arbeiten.

Das wollte Edith Dorniok. Als ihre Chefin schließlich beschloss, ein Geschäft in Haan zu übernehmen, übernahm Dorniok nach zwei Jahren als Angestellte wiederum die Änderungsschneiderei.

Damit machte sie ihre Leidenschaft endgültig zum Beruf. "Ich habe mit zwölf Jahren begonnen zu nähen, weil ich es so toll fand", berichtet Dorniok. Konsequenterweise folgte mit 15 Jahren die Ausbildung zur Schneiderin, die sie in ihrem Geburtsland Polen absolvierte. "Dort habe ich gelernt, schwere Bekleidung nach Maß zu nähen, also von der Pike auf", sagt Dorniok. Als schwere Kleidung gelten Mäntel, Jacken und Kostüme.

Die 42-Jährige muss also angesichts kniffliger Änderungswünsche nicht kapitulieren. Sie näht Paillettenkleider mit der Hand um oder eine Jacke von Kapuze auf Stehkragen. Ihre Devise lautet: "Alles, was ich kann, mache ich." Dorniok weiß jedoch, dass es Grenzen bei der Änderung gibt: "Wenn sich die Arbeit nicht lohnt oder das Risiko zu groß ist, sage ich das meinen Kunden."

Natürlich nimmt sie sich nicht nur extravaganter Wünsche an. Den alltäglichen Näharbeiten, wie Hosen kürzen oder flicken, widmet sie sich ebenso mit Hingabe. "Manchmal wollen die Leute auch nur einen einzigen Knopf angenäht haben", berichtet Dorniok. Einen Knopf annähen zu lassen, kostet übrigens einen Euro. Für das Kürzen von Hosen, Blusen oder T-Shirts nimmt sie acht Euro. Der Preis hängt allerdings immer von dem jeweiligen Stoff und der Qualität der Kleidungsstücke ab.

In jedem Fall habe sie gut zu tun, was für sie vor allem zwei Gründe hat. "Da mein Beruf in Deutschland fast ausgestorben ist, sind die Leute froh, wenn es noch einen solchen Laden gibt. Außerdem kommen die Kunden wieder, wenn ich meine Arbeit gut mache." Und so freut sich Edith Dorniok jeden Tag aufs Neue, wenn ihre Kunden zufrieden sind. Sie zeigt eine WhatsApp-Nachricht: "Das Kleid ist super geworden. Vielen Dank", steht darin und auch ein Kusssmiley ist auf dem Display zu sehen.

(aks)
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