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SGL bietet in Langenfeld Sportvideos an

Alternative zum Studio : SGL bietet Sportvideos für zu Hause an

Langenfelds größter Sportverein will seine Mitglieder bei der Stange halten. Unter anderem mit Aerobic wie in den 80ern.

Dank Willi Stalz-Gerards und durch Corona erlebt die Sportgemeinschaft Langenfeld (SGL) derzeit ein kleines Aerobic-Revival. Zumindest per Video. „Ich dachte mir so als Schmankerl in harten Zeiten“, sagt der Abteilungsleiter für Fitness und Gesundheitsstudio. Als Stalz-Gerards 1995 bei der SGL als Trainer begann, erfuhr die von der Schauspielerin Jane Fonda ins Leben gerufene Aerobic-Welle gerade ihren Höhepunkt. Kein Star, der nicht im hautengen Catsuit zu Abba herumhüpfte. Natürlich sprang die SGL auf den Trend auf. Der Vorturner war ein gelenkiger gut aussehender junger Mann, der Frauen jeden Alters mit seiner Tanz-Gymnastik-Version begeisterte.

Heute gibt Stalz-Gerards hauptsächlich Kurse für Aroa und Powermix. Viele seiner ersten Kursteilnehmerinnen sind ihm treu geblieben. „Von ihnen werde ich immer wieder gefragt, ob ich nicht noch einmal so zum Spaß Aerobic anbieten kann“, sagt er. Also: Es ist soweit. Einteiler, Rollhose und Stirnband von damals auspacken, die Stühle im Wohnzimmer beiseite schieben, und es kann losgehen. Alle Interessenten finden ab heute unter www.sglangenfeld.de/de/aktuelles/news ein entsprechendes Video mit „Willy“. Im flotten Einteiler wie damals wollte der durchaus noch ansehnliche und gut durchtrainierte 56-Jährige allerdings nicht mehr auftreten. „Ich weiß nicht, ob mich so noch jemand sehen will“, sagt er.

Hinter der schönen Idee und der großen Lust vieler SGL-Trainer, den Mitgliedern alle paar Tage neue Videos zum Nachturnen im zu Hause anzubieten, steckt allerdings auch pure Not. Knapp 100 SGL-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Vollzeit, Teilzeit und als geringfügig Beschäftigte in Sport und Verwaltung können derzeit gar nicht oder nur ganz wenig arbeiten. Dazu kommen 300 Übungsleiter und Trainer. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt ab April Kurzarbeit, die Verträge mit den geringfügig beschäftigten Kolleginnen und Kollegen wurden ruhend gestellt“, sagt Pressesprecherin Kristin Erven-Hoppe. Wann es weitergeht, weiß niemand.

Dass es jetzt von den 9200 Vereinsmitgliedern immer mehr gibt, die ihren Beitrag nicht mehr bezahlen wollen, verstehen Trainer und Vereinsvorstand nicht. „Jetzt könnten unsere Mitglieder doch mal Solidarität zeigen. Wenn so ein Verein wie unserer kaputt geht, ist das ein großer Verlust für Langenfeld“, sagt Stalz-Gerards.

Insgesamt treiben zu normalen Zeiten 10.900 Personen (inklusive Kursteilnehmer und Reha-Teilnehmer) bei der SGL Sport. Davon sind 2000 Mitglieder in der Abteilung „Fit und gesund“ und „Fit und gesund plus“ (mit Angeboten im Wasser. 2000 Mitglieder stählen sich im Studio. Außerdem werden 2500 Kinder und Jugendliche bewegt und für den Wettkampfsport fit gemacht.
„Wenn wir nun alles platt machen müssen, sind die Trainer weg, und die SGL ist nach der Krise nicht mehr da“, warnt Willy Stalz-Gerards. „Außerdem sind wir ein gemeinnütziger Verein und können so schnell die Beiträge nicht einfach zurückzahlen“, fügt Pressesprecherin Kristin Erven-Hoppe an.

„Derzeit prüft unser Anwalt das mit Hochdruck. Natürlich können wir im Einzelfall für Menschen, die ebenfalls unter der Krise leiden, Lösungen finden“, sagt sie. Die Hoffnung bleibt allerdings, dass alle, die es sich leisten können, bei der Stange bleiben und ihre Fitness die nächsten Wochen mit immer neuen Videos zu Hause trainieren. Bodyrock, Cardio Training, Pilates, Rückentraining, Deep Work und Power-Mix sind im Angebot – von sehr anstrengend bis zum Gesundheitssport.

Wer keine Gewichte zu Hand hat, kann Pet-Flaschen mit Wasser füllen, statt Gymnastikmatte funktionieren auch Handtücher und dünne Läufer. „Es ist einfach schön, für die Leute zu Hause etwas zu machen. Und der Dreh macht uns auch Spaß. So kann sich jeder seinen Lieblingstrainer mal in Wohnzimmer holen“, sagt Erven-Hoppe.

Speziell für Jungen und Mädchen, die weder Kita noch Schule besuchen können, lassen sich die Sportler viel einfallen, basteln mit den kleinen Zuschauern Reissäckchen, mit denen man werfen kann, schauen, dass sie die Eltern mal für eine halbe Stunde entlasten können. Bislang wurde 15 Videos für Erwachsene und Kinder eingestellt. Dabei müssen die Verantwortlichen rechtliche Vorgaben beachten. „Wir können beispielsweise kein Zumba anbieten, da alle Songs geschützt sind und wir für sie Gema-Gebühren zahlen müssen“, nennt Erven-Hoppe nur eine Stolperfalle, die es zu vermeiden gilt. Deshalb kann Aerobic auch leider nicht stilecht zu Abba angeboten werden.

Mehr als 11 000 Klicks gab es bisher auf die Workout-Videos der Sportgemeinschaft auf dem YouTube-Kanal. „Und jede Menge positive Mails“, sagt Erven-Hoppe, „das gibt uns so viel Auftrieb.“