Langenfeld/Monheim: "Sexting" beschäftigt Polizei zunehmend

Langenfeld/Monheim : "Sexting" beschäftigt Polizei zunehmend

Besonders Schüler der 7. und 8. Jahrgangsstufe gehen unbedarft mit eigenen Fotos um und werden zu Opfern.

Einer ostdeutschen Umfrage zufolge haben es 19 Prozent der Mädchen schon einmal gemacht, und 11 Prozent der Jungen: Erotische Bilder oder Filme von sich produziert und dann über Facebook oder WhatsApp verschickt. Sexting nennt man die Wortschöpfung, die sich aus "Sex" und "texting" (Kurz-Botschaften schreiben) zusammensetzt. Die Jugendlichen bedenken allerdings nicht, dass das Nacktfoto, das entweder ganz freiwillig versendet wurde, um Selbstbestätigung zu bekommen, oder auch als Liebesbeweis vom Freund eingefordert, von den Empfängern weitergereicht werden kann — gerät so ein Bild erst einmal in Umlauf, ist die betroffene Schülerin womöglich dem Gespött der ganzen Schule ausgesetzt. "Ein häufiger Grund für diesen Vertrauensbruch ist, dass etwa die Freundschaft zu dem Partner zu Ende gegangen ist — es kann auch eine Form des Mobbings sein", sagt Theo Springenberg, Abteilungsleiter der Jahrgänge 7,8 an der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule. Leider seien bei den pubertierenden Schülern in dieser Phase der körperlichen Selbstfindung jegliche Mechanismen einer vernünftigen Risikoabwägung außer Kraft gesetzt. "Man muss ihnen mehr ins Bewusstsein rücken, dass das Netz nichts vergisst und dass sie, wenn das Bild mal verschickt ist, es nicht mehr in der Hand haben, was damit passiert ", so Springenberg.

"Wir haben immer mehr mit diesem Problem zu tun, uns erreichen täglich Anrufe von Eltern und Lehrern", bestätigt Nina Golüke vom Kriminalkommissariat Prävention und Opferschutz der Kreispolizei Mettmann. "Und weil man die Bilder nicht mehr einholen kann, hilft es auch nichts, wenn die betroffenen Schüler die Schule wechseln." Die Weitergabe der Bilder, ohne das Einverständnis der abgebildeten Person abzufragen, sei aber auf jeden Fall strafrechtlich relevant, weil die Persönlichkeitsrechte verletzt wurden. Manchmal sei auch der Straftatbestand der Erpressung oder der Verbreitung pornografischer Schriften erfüllt. "Wir empfehlen, auch minderjährige Täter anzuzeigen, weil die oft kein Unrechtsbewusstsein haben. Wenn sie aber bei uns eine Aussage machen müssen, ist das ein heilsamer Schuss vor den Bug", sagt die Kriminalhauptkommissarin. "Den Opfern hilft das natürlich nicht: Sie müssen eine harte Zeit durchstehen." Die Kriminalprävention versucht daher in Zusammenarbeit mit den Schulen präventiv tätig zu werden.

"Keine Schule kann sagen: Das Problem haben wir nicht. Man muss nur genau hinschauen", sagt Theo Springenberg. Erst kürzlich hätten sich zwei Schülerinnen mit diesem Problem hilfesuchend an die Vertrauenslehrer gewandt. Die Gesamtschule veranstaltet für den 7. Jahrgang Workshops zum Thema Medienkompetenz, in denen Gefahren im Internet und Cyber-Mobbing thematisiert werden. "Seitdem alle Schüler Smartphones haben, taucht das Problem verstärkt auf. Aber Wegsperren können wir diese ja auch nicht, denn die Eltern wollen aus Sicherheitsgründen Kontakt zu den Kindern halten." Leider wüssten diese aber oft nicht, was ihr Nachwuchs im Netz so treibt. "Für Kinder ist nicht nur der Umgang mit dem Handy selbstverständlich, sie haben auch freien Zugang zu pornografischen Internet-Seiten", sagt Nina Golüke. "Der Konsum von Pornografie ist für die Jugendlichen so normal geworden, dass sie nicht altmodisch erscheinen wollen, wenn vom Partner Nacktfotos eingefordert werden", sagt Arno Berberich von der psychologischen Beratungsstelle Monheim, die ebenfalls zunehmend mit dem Thema Sexting befasst ist. "Wir können nur versuchen, die Mädchen, deren sehr Selbstvertrauen beschädigt ist, zu stärken." Sie müssen mit der Situation leben lernen.

(RP)
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